gute Ritter Götz von Berlichingen sein Ehrenwort geben , daß er nachher nie wieder die Feldmark von Krodebeck überschreiten werde . Die Mutter führte die triftigsten Gründe dagegen an . Sie wurde sogar ziemlich grob , indem sie behauptete : noch nie sei ein Herr von Lauen in die Welt ausgezogen , der nicht heimgekehrt sei wie der Peter aus der Fremde . Von dem Land Italien hatte sie überhaupt noch nie etwas Gutes vernommen , und jener Lauen , der mit dem Kaiser Lothar von Süpplingenburg drunten war , der mochte allein als abschreckend Exemplum für seine sämtlichen Nachkommen bis in die späteste Zukunft dienen , und der Herr Ritter von Glaubigern mochte noch heute zu jeder beliebigen Stunde in der Chronik mit dem Finger auf den unglückseligen Tropf deuten . » Hm ! « hatte aber der Herr Ritter von Glaubigern gebrummt und weiter nichts hinzugefügt ; das Fräulein von Saint-Trouin aber hatte sogar nicht undeutlich zu verstehen gegeben : was das schöne Frankreich anbetreffe , so sei sie allen Orleanisten , Republikanern und Bonapartisten zum Trotz gar nicht abgeneigt , die Gefahren und Unbequemlichkeiten der Reise zu teilen , und daß ein junger Mensch sich von chevalereskem Abenteurergeist beseelt zeige , finde sie gar so übel nicht , Kartoffelspiritus könne er in reiferen Jahren doch noch genug brennen . » Es ist dummes Zeug , und es bleibt dummes Zeug , und ich gebe meine Einwilligung nicht . Übrigens magst du tun und lassen , was du willst , Hennig ! « hatte die Frau Adelheid von Lauen gerufen und sehr aufgeregt den Familientisch verlassen . Es war ein stürmischer Februarabend , an welchem diese Verhandlung stattfand . Barhäuptig und im hohen Grade erhitzt , schritt die Gnädige über den Hof , um nach ihrer Gewohnheit den letzten Trost am treuen Busen ihrer Mamsell Molkemeyer zu suchen , und zum ersten Male in ihrem Leben erkältete sie sich und wurde sehr krank . Als man sie dann einige Tage später mit Mühe und Not fest in ihr Bett gebracht hatte , zog sie trotz dem Fieber und Schmerz einer Unterleibsentzündung den Kopf des Sohnes am Ohrläppchen zu sich nieder und flüsterte : » Munter , alter Kerl ! Wenn ich etwas in der Welt nicht leiden mag , so ist es solch ein Gesicht , und - du bist doch ein guter Junge , Hennig , und recht hast du auch darin , daß du deine jungen Tage gebrauchen willst , solange es noch Zeit ist . Ich hab ' s ebenso gemacht , wie ich es verstand , und habe mich wenig um die sauern Mienen rundum gekümmert . Und , lieber Junge , auf schmucke , weiße Strümpfe hab ich von je viel gehalten , also sollt es sich so machen , wie ich fast vermeine , so guck einmal nach , oben in dem linken Eckzimmer nach dem Garten zu , in der Kommode rechter Hand , die unterste Schublade ganz unten . Da wirst du zwei Paare finden , mit Hanfgarn zugebunden , und sie mögen dir bekommen - das ist mein eigener Verdienst seit sechsunddreißig Jahren , und meine Patenpfennige stecken auch dabei , und du magst sie endlich wieder mal unter die Leute bringen , denn es wird doch Zeit dazu . Und Hennig , das sage ich dir , der Lauenhof gehört dir von Rechts wegen ; aber den Ritter und das Frölen , die vermach ich dir , und ich weiß , du wirst die armen guten Kreaturen stets obenan zu Tisch sitzen lassen . Es gehört sich auch so , wenn es auch kurios genug ist , daß sie bleiben und ich gehe ; denn wer hat stets und je auf das Leben geschimpft und gewinselt darüber , ich oder sie ? Ich gewiß nicht ! Ich habe an jedem neuen Morgen meine neue Lust gefunden , so schwer ' s mir auch oft geworden ist . Es mag sein , daß ich nicht einen solchen tiefen Verstand davon gehabt habe wie die andern , aber kurios ist es , sehr kurios , und ich hätte nimmer gedacht , daß die beiden mir noch die Hände und Füße zurechtrücken würden ! Nun ja , es ist einerlei ; wer das Gute genossen hat , muß auch das andere mit in den Kauf nehmen , und solches wird dir ebenfalls nicht erspart bleiben , Kind . Jetzt geh und schick mir den Ritter , das kann gar kein Mensch aussagen , was für eine Gabe der Mann hat , einem über jede böse Stunde wegzuhelfen . O Hennig , Hennig , halte mir den Ritter in Ehren und setze ihn obenan und frage ihn stets um seine Meinung , auch wenn du es besser weißt und seinem Rate nicht folgen willst ! Ich habe es stets so gemacht und bin stets gut dabei gefahren ... « - Sollen wir davon erzählen , wie die vier schwarzbehängten Rappen auf dem Lauenhofe scharrten und stampften , wie die Glocke der Dorfkirche von Krodebeck verkündete , daß eine wackere , gute Frau gestorben sei ? Sollen wir davon reden , wie in der Kirche die Steinplatte von der Gruft der Lauen aufgehoben und der Sarg in das Gewölbe hinabgetragen wurde ? Sollen wir von der Rede des Pastor Buschmann sprechen , von dem , was die Leute sagten , und von dem , was der Ritter von Glaubigern und das alte , alte Fräulein von Saint-Trouin nicht sagten ? Wir fahren und haben keine Zeit dazu ! Wochenlang war der Junker Hennig von Lauen außer sich , aber er hatte den ganzen Frühling vor sich , um sich zu beruhigen . Nachher überließ er doch dem Chevalier , dem Frölen und dem Administrator Fröschler den Lauenhof und ging wirklich auf einiges Zureden hin abermals auf Reisen . - » Wenn du durch Wien kommen solltest , so bringe dem Kinde einen Gruß von mir ; ich habe es sehr liebgehabt . Sag