ist , die in die Familie Ferber geheiratet hat . Sie sind ein schönes , geistig hervorragendes Geschlecht immer gewesen , dessen persönliche Vorzüge mehrere Male den Sieg über Geburtsvorurteile davongetragen haben ... Es dürfte leicht sein , daß sich nicht mehr bürgerliche Heiraten in jener Familie aufzählen lassen , als deren auf den Stammbaum des guten Lessen fallen , und du wirst doch sicher nicht aufstellen wollen , daß kein reines Blut in Bellas Adern fließe ? « Ein leichtes Rot flackerte über die fahlen Wangen der Baronin und der Blick war nichts weniger als liebevoll und sanftmütig , der unter den halbgesenkten , weißbewimperten Augenlidern hervor nach dem jungen Mädchen zuckte . Aber es erschien fast ebenso schnell ein versöhnliches Lächeln um ihren Mund . Sie fühlte zu ihrem Entsetzen seit gestern öfter den Boden unter ihren Füßen wanken . Es war eine erschreckende Wahrnehmung für sie , plötzlich da auf Widerspruch zu stoßen , wo sie seit einem Jahre blinde Unterwerfung und völlige Hingebung zu sehen gewohnt war . Sie hatte übrigens ganz recht , wenn sie den Grund der Veränderung in Helenes Benehmen nicht eigentlich in dem » unseligen « Einflusse von deren Bruder suchte , sondern die Schuld bei weitem mehr ihrem Sohne zumaß , der in den letzten Tagen eine so eigentümliche Haltung angenommen hatte . Helene war zwar im Grunde eine durchaus edle Natur , befähigt , sich für Großes und Edles zu begeistern , und vom besten Willen beseelt , das Gute zu thun ; aber sie war von Kindheit auf daran gewöhnt , sich als den Mittelpunkt allseitiger zärtlicher Fürsorge und Rücksicht zu betrachten . Sie hatte , trotz ihrer körperlichen Gebrechen , nie die Bitterkeit der Zurücksetzung empfinden müssen . Um sie die Verkürzung ihrer natürlichsten Rechte vergessen zu machen , war jedes im Umgange mit ihr beflissen , sie doppelt auszuzeichnen . Wohl wissend , daß sie dem Berufe als Gattin entsagen müsse , hatte sie doch ihr an Zärtlichkeit so reiches Herz jubelnd der ersten Liebe geöffnet , und wenn sie im stillen weinend die Natur ob der ihr widerfahrenen Vernachlässigung und somit der Zerstörung ihres Lebensglückes anklagte , so blieb ihr doch immer die beseligende Gewißheit , daß ihre Neigung erwidert werde . Die unausgesetzten Aufmerksamkeiten Hollfelds , sein stetes Verweilen in Lindhof , einzelne hingeworfene zärtliche Worte waren freilich geeignet gewesen , diese Meinung zu einer unerschütterlichen zu machen ... Nun war er plötzlich beleidigend zerstreut ihr gegenüber und vernachlässigte sie auf eine unerhörte Weise . Sie litt namenlos , ihr ganzes Innere empörte sich , die gekränkte weibliche Würde , ein nie gekannter heftiger Zorn und ihre unsägliche Liebe rangen miteinander ; sie war noch weit entfernt von jenem Stadium , welches edle Naturen früher oder später stets erreichen müssen : das der Resignation und Verzeihung . Sie wurde bitter und heftig , und diese Empfindungen offenbarten sich weniger dem , der ihr wehe that , als daß sie sich mit einer Art von Genugthuung gegen diejenigen richteten , deren Tyrannei das junge Mädchen um ihrer Liebe willen bis dahin widerstandslos ertragen hatte . Hollfeld hatte gerade , als die alte Kammerfrau der Baronin einer unerheblichen Meldung wegen in das Zimmer trat und alsbald mit geläufiger Zunge die merkwürdige Begebenheit auf Gnadeck mitteilte , den Damen vorgelesen . Hätten Helenes Blicke nicht überrascht an den Lippen der Erzählenden gehangen , so wäre ihr sicher die plötzliche Veränderung in den Zügen ihres Vetters nicht entgangen . Atemlos , mit dem Ausdrucke höchster Befriedigung hörte er zu . Die gefundenen Kleinodien hatten sich auf dem Wege über die verschiedenen Lippen zu einem » unermeßlichen Werte « gesteigert , und der einfache Sarg der schönen Lila war zu purem Silber geworden . Auch die Baronin hatte die auffallende Umwandlung in dem bisher so mürrischen Wesen ihres Sohnes nicht bemerkt und schleuderte ihm , infolge jener bitteren Zurechtweisung Helenes , logischerweise einen von dem jungen Mädchen ungesehenen Zornblick zu . Sie war jedoch erstaunt , ihn plötzlich Helene näher rücken zu sehen . Er legte das gestickte Rouleau im Nacken der jungen Dame zurecht und schob das Boukett in der Blumenvase näher zu ihr hin , damit sie den Blumenduft bequemer einatmen könne . » Helene hat ganz recht , Mama , « sagte er , einen sehr freundlichen Blick auf das junge Mädchen werfend , der mit einem glückseligen Lächeln erwidert wurde . » Es kommt dir am wenigsten zu , den guten Adel der Familie anzufechten . « Obgleich es ihr ein entsetzlicher Gedanke war , daß die bisher so tief unter ihr Stehende jetzt neben ihr stehen und an Reichtum sie sogar bedeutend überragen sollte , war die Baronin doch klug genug , die bittere Entgegnung , die ihr auf den Lippen schwebte , zu unterdrücken und sich mit der Aeußerung zu begnügen , daß die Sache denn doch zu unglaublich und fabelhaft klinge , als daß man ihr so unbedingt Glauben schenken dürfe . Sie müsse erst einen kompetenteren Augenzeugen hören , als die beiden Maurer seien , bevor sie sich entschließen könne , zu glauben . Dieser kompetente Augenzeuge schritt eben wie gerufen unter den Fenstern vorüber . Es war Reinhard , der von dem Berge zurückkehrte . Er lächelte , als er schleunigst zu Fräulein von Walde befohlen wurde , denn aus den neugierigen Fragen des Bedienten ersah er , daß der Fund auf Gnadeck im Schlosse bereits bekannt war , und daß er nur zu den Damen gerufen werde , um berichten zu sollen . Bei seinem Eintritte wurde er auch sofort von Helene mit Fragen bestürmt . Er erzählte in seiner ruhigen Weise , und es belustigte ihn über die Maßen , hinter den scheinbar nachlässig und gleichgültig hingeworfenen Fragen und Bemerkungen der Baronin die gespannte Neugier und den tiefsten Verdruß zu bemerken . » Und werden die Ferber auf jenen Zettel hin in der That Anspruch auf den alten Namen erheben dürfen ? « fragte sie , eine große Dahlia