und manch ein Andenken wurden noch erhandelt . Die Hausthüre stand nicht still , die Thürklingel kam nicht viel zur Ruhe . Auch auf der Treppe war beständige Bewegung . Seba sah den Grafen mehrmals gehen und wiederkehren . Jetzt wird er kommen , jetzt ist er da , jetzt muß es sein ! sagte sie sich , jedes Mal zusammenschreckend , wenn er sich ihrem Zimmer näherte , aber wieder ging er vorüber , und das angstvolle Hoffen und das Horchen und das Sinnen und das Grübeln begannen auf ' s Neue . Draußen schien die Sonne strahlend hell , aber Seba vermochte sich nicht daran zu erfreuen . Es war ihr , als leuchte die Sonne heute so unerbittlich in ihr Herz , daß es sich ihr in der Brust krampfhaft zusammenzog . Sie hätte die Augen gern von sich selber abgewendet . Den ganzen Morgen blieb sie mit sich allein , nicht Vater , nicht Mutter fragten heut ' nach ihr . Erst um elf Uhr , als die Kinder aus der Schule heimkehrten , kam Paul zu ihr und verlangte bei ihr zu bleiben , da die Kriegsräthin ausgegangen sei , den Abmarsch der Soldaten anzusehen . Ja , entgegnete Seba , bleibe bei mir ! Aber er verlor beinahe die Lust dazu , denn ihr Gesicht war traurig , und noch ehe sie ihm ein anderes Wort gesagt hatte , trat der Graf zu ihnen ein . Ohne des Knaben Anwesenheit zu beachten , fiel Seba dem Grafen um den Hals , indeß auch dieser sah nicht so heiter und so selbstzufrieden aus , als sonst . Er umarmte Seba , er küßte sie , und küßte sie immer wieder . Er sprach leise mit ihr , daß Paul es nicht verstand , und endlich riß er sich aus Seba ' s Armen los , und Seba weinte bitterlich und laut . Als der Graf schon auf der Schwelle stand , schrie Seba auf . Es schnitt dem Knaben durch das Herz . Gerhard , rief sie , Gerhard , so kannst Du von mir gehen ? Sie eilte ihm nach , sie klammerte sich an ihn , als wollte sie ihn ewig halten , und küßte ihn unter Thränen . Er war erschüttert , er bat sie , sich zu beruhigen , sich zu fassen , auf ihn zu bauen . Indeß sein Wort war eilig , sein Ton war kälter als sein Wort , und zum ersten Male glaubte sie ihm nicht . Da , als er sich entfernen wollte , faßte sie seine Hand , und mit einer Kraft , die aus dem Tiefsten ihres Herzens kam , sagte sie : Gerhard , Du weißt es , ich liebe Dich sehr , sehr , und - fügte sie klanglos und bebend hinzu - es ist furchtbar , aber mir ist heute , als fühlten wir beide jetzt nicht dasselbe ! Wenn Du mich vergessen , mich verlassen könntest ! O , nur das nicht , nur das nicht ! rief sie flehend aus , indem sie ihre Hände ängstlich wie zum Gebet faltete . Der Graf blickte sie an , es zuckte durch sein Antlitz , er drückte sie noch einmal an sein Herz , und ohne ein Wort zu sprechen , eilte er von dannen . Seba blieb mitten in dem kleinen Gemache stehen . Sie hörte , wie er fortging , die Treppe hinunter , wie er die Hausthüre öffnete , sie hörte den Vater und die Mutter mit ihm sprechen , sie hörte den Hufschlag seines Pferdes , und hörte denselben weiter und weiter verhallen . Horchend , als hinge ihr Leben an dem Schalle , hatte sie die Augen geschlossen , die Arme hingen ihr schlaff herab . Das mißfiel dem Knaben . Er ging zu ihr , ergriff und schüttelte ihren Arm und sagte : Seba , mach ' doch die Augen auf ! Der Graf ist ja fort ! Sie folgte dem Worte unwillkürlich , und wie sie um sich her blickte , wie sie sich mit dem Knaben allein fand , dessen dunkle Augen unverwandt in ihren Mienen zu lesen suchten , da faßte sie mit beiden Händen nach ihrem Herzen und entfloh aus dem Gemache . Sie konnte an dieser Stätte nicht mehr bleiben , sie konnte das Geräusch und das Pferdegetrappel und das Rollen der Wagen nicht aushalten , die sich von der Straße vernehmen ließen , sie konnte die Sonne und das Licht des Tages nicht ertragen . Paul hingegen sah zum Fenster hinaus , und das bunte Leben und Treiben belustigte ihn ; es war kaum durchzukommen vor dem Hause . Die Packpferde , welche die Zelte und die Betten und die sonstigen Bequemlichkeiten der jungen Officiere trugen , die schweren Feld-Equipagen , welche den älteren Officieren nachgefahren wurden , die Fourgons und alles , was zum Train gehörte , kam zum Vorschein und machte sich breit , aber von den Truppen war noch nichts zu sehen . Seit dem frühen Morgen standen die Soldaten auf dem Paradeplatze , von unbarmherziger Disciplin zusammengehalten , daß kein Glied sich regte , keine Miene sich verzog , wie auch die Sonne ihnen senkrecht auf den Scheitel brannte und die Zunge ihnen am Gaumen klebte . Aber nur die Gemeinen hatten es so übel , die Herren Officiere waren besser daran . Schöne Frauen trippelten auf ihren Absatzschuhen unter den Bäumen umher , welche den Platz umgaben , und manches zärtliche Wort ward noch gewechselt , mancher heimlich geleistete Eidschwur heimlich wiederholt ; denn sie hatten recht fröhlich und recht vertraut mit einander verkehrt , die fremden Herren Officiere und die Frauen und Mädchen der Stadt , und sie hatten deß kaum ein Hehl . Die Officiere rechneten es sich zur Ehre an , eine so schöne Begleitung zu haben , die Frauen waren stolz auf ihre vornehmen und prächtigen Verehrer . Wie zu einem Spiele zogen die jungen Herren aus , wie zu