weiß der liebe Gott . Was aber mein Benehmen Harald ' s Gläubigern gegenüber anbetrifft , so weiß ich wirklich noch heute nicht , wie ich es hätte anders einrichten sollen . Die Ehre meiner Familie erforderte , daß ich seine Schulden übernahm , denn nicht dem Baron Harald von Grenwitz , der , das wußten die Leute recht gut , bei der Unantastbarkeit des Majorats niemals seine Schulden bezahlen konnte , hatten sie creditirt , sondern der Familie Grenwitz , die nicht zugeben würde , daß einer aus der Familie ehrlos werde . Und dann hatte ich gegen meinen Vetter Pflichten der Dankbarkeit . Als er und ich junge Officiere im Regimente waren , und auch im späteren Leben , hat er stets wie ein Bruder gegen mich gehandelt . Es ist wahr , ich habe seine Güte nie gemißbraucht , und für jedes Hundert Thaler Schulden , die er für mich bezahlt hat , habe ich Tausend für ihn bezahlt , aber er würde mich , davon bin ich überzeugt , aus jeder Verlegenheit gerissen haben , denn seine Freigebigkeit kannte keine Grenzen . Du ereiferst Dich ohne Noth , lieber Grenwitz , ganz ohne Noth , sagte die Baronin ruhig , während der alte Mann von der ungewohnt langen und lebhaften Rede erschöpft , in den Stuhl zurückgesunken war , es fällt mir nicht ein , Dir Vorwürfe machen zu wollen . Du weißt , wie wenig Werth ich selbst auf Reichthum lege , wie gering meine persönlichen Bedürfnisse sind , und daß , wenn ich mir über die Zukunft Sorgen mache , es nicht meinethalben , sondern der Kinder wegen ist . Ich weiß es , liebe Anna-Maria , sagte der Baron ; ich weiß es . Ich habe Dir nicht weh thun wollen , und ich bitte Dich wegen meiner Heftigkeit um Verzeihung . Eine Pause in dem Gespräche der Gatten erfolgte . Die Baronin nähte emsiger denn je , der Baron hatte sich seine Brille aufgesetzt , ein Zeitungsblatt ergriffen , das der Postbote vor einer Stunde gebracht hatte , und begann , die Lippen leise bewegend - denn Lesen und Schreiben war des guten Mannes Sache nie gewesen - sich in die Lecture desselben zu vertiefen . Personalveränderung in der Armee , murmelte er ; der Oberst von - , der Major von - , lauter alte Bekannte . Der junge Grieben schon Premierlieutenant - das geht schnell . Dem Secondelieutenant Felix von Grenwitz - Ersuchen - Abschied - ei der Tausend ; ich dachte , Felix wollte nur um Urlaub einkommen , und hier lese ich , daß er seinen Abschied genommen hat . In der That ! sagte die Baronin , die betreffende Stelle in dem Blatte , das ihr der Baron hinreichte , lesend , nun das freut mich , freut mich sehr . Ich will nur gestehen , lieber Grenwitz , daß ich Felix selbst diesen Rath ertheilt , und seinen Austritt aus der Armee mit zu den Bedingungen gerechnet habe , die er erfüllen müßte , bevor wir ihm unsere Helene geben könnten . Aber warum das ? fragte der Baron erstaunt . Warum ? antwortete die Baronin . Nun , ich dächte , lieber Grenwitz , der Grund wäre doch klar genug . Ich dächte , es wäre die allerhöchste Zeit , daß Felix ein anderes Leben beginnt , und darauf möchten wir wohl lange vergeblich warten , so lange er in denselben Kreisen und denselben Verhältnissen bleibt , wo er seine Lebensweise nicht ändern könnte , selbst wenn er wollte . Ich sehe aus diesem Schritt , der auch mich überrascht - denn ich glaubte nicht , daß er sich so schnell dazu entschließen würde - daß es ihm wirklich ernstlich um die Hand Helenens zu thun ist ; und , wie gesagt : ich freue mich , freue mich sehr darüber . Aber , liebe Anna-Maria , sagte der Baron , sich hinter dem Ohr reibend , fast verdrießlich ; wir laden uns auf diese Weise Verpflichtungen auf , die wir am Ende gar nicht erfüllen können . Wenn unser Kind , wenn Helene nun - Nicht will - meinst Du ? unterbrach ihn die Baronin , sich in ihrem Stuhl in die Höhe richtend , und die Augenbrauen zusammenziehend ; o , ich denke , sie wird wollen ; ich denke , sie wird nicht vergeblich gelernt haben , daß ein Kind den Eltern Gehorsam schuldig ist . Aber wenn sie den Felix nun nicht lieben kann ! sagte der alte Mann bekümmert . Aber , Grenwitz , ich begreife Dich nicht ; erwiderte die Baronin ; diese Heirath ist seit langer Zeit unser liebster Wunsch gewesen . Helene hat , die paar tausend Thaler , die wir bis jetzt zurückgelegt haben und die Ersparnisse , die wir in den kommenden Jahren etwa noch machen können , abgerechnet , kein Vermögen ; denn Stantow und Bärwalde gehören vorläufig noch nicht uns , sondern - Dank der Freigebigkeit des freigebigen Barons Harald - jedem beliebigen Abenteurer , der unverschämt genug ist , mit ein paar gefälschten Zeugnissen in der Hand , die Güter für sich zu beanspruchen . Felix ' Güter sind allerdings sehr verschuldet , ich gebe es zu ; aber er kann , wenn er nur will , und ich bin überzeugt , daß er jetzt zur Vernunft gekommen ist , sich mit unserer Hülfe wieder herausreißen , und wenn Malte , was der Allgütige verhüten wolle ! - aber in solchen Dingen muß man Alles , selbst das Aeußerste bedenken , und Malte ' s Gesundheit macht mir unbeschreibliche Sorge - wenn , sage ich , Malte ja vor der Zeit sterben sollte , so ist Felix Herr von Grenwitz und ich dächte , es müßte Dir ein lieber Gedanke sein , Deine Tochter so gleichsam an Malte ' s Stelle treten zu sehen . In diesem Augenblick öffnete sich langsam die Thür , ein bebrilltes Gesicht schaute vorsichtig herein , und