der Frevler seine Sache nicht einmal täuschend und geschickt gemacht , sondern nur mit einiger Scheu vor dem Allerheiligsten , die doch noch in seiner verworfenen Seele gewesen sein muß ; er hat dies selbst verschont , und diese Statuen , die nothwendig mit hätten zertrümmert werden müssen , wenn etwa dies Werk , morsch und schwankend geworden , wie es aber durchaus nicht gewesen sein kann , bei einer geringen Veranlassung zusammengestürzt wäre . Der Frevler hat sich mit dieser gothischen Spitzsäule begnügt , oder er ist verscheucht worden und hat sein Zerstörungswerk in einem Zustand zurücklassen müssen , der jedem scharfblickenden Auge die willkürliche Menschenhand verrathen mußte . « » Aber es kann ja Niemand in diese Mauern , « rief der Abt , » denn wer herein gehört ; Fenster und Thüren zeigten keine Verletzung , durch die ein Bösewicht hätte eindringen können . « Hieronymus zuckte die Achseln und sagte : » Wenn er nicht von außen kam , ist er von innen gekommen . « » Das ist eine Beschimpfung unser Aller ! « rief ein Mönch und blickte zornig um sich . Ulrich sagte gelassener : » Und wie meinet Ihr denn , daß die Sache zugegangen ? Von einem Erdbeben hat man nichts gehört , und Gewitter giebt es im Winter ebenso wenig , oder sie sind doch so selten , daß Ihr es Euch gemerkt haben würdet - war ein solches und meintet Ihr , ein Blitz oder Donnerschlag habe das Werk getroffen ? « Alle verneinten . » Wann geschah es denn ? und war Niemand in der Kirche ? Ich denke , sie wird auch Nachts nicht leer ? « sagte Hieronymus . » Es scheint , Ihr geberdet Euch , als wäret Ihr als Inquisitoren in unser Kloster gekommen ! « sagte der Abt übel gelaunt , daß man es für möglich halte , in seinem Kloster , das sich immer eines guten Rufs erfreut , an solche Rohheiten zu glauben , wie sie kaum außerhalb desselben vorfielen ; denn selbst der gemeine sittenlose Haufe hatte Achtung vor der Kunst , besonders an den heiligen Stätten und auch vor diesen selbst ; das Verbrechen des Kirchenraubes gehörte mit zu den seltensten und darum auch mit der Kirchenschändung zu denen , welche am härtesten und fast immer mit dem Tode bestraft wurden . » Ihr seid es , der Ehre des Klosters und unser aller Ehre schuldig , daß die Sache auf ' s Strengste untersucht werde , und dann auch zur Kenntniß dieser Steinmetzen gebracht , die außerdem in ihre Hütte ein schlechtes Vorurtheil gegen uns mit hinausnehmen möchten ! « sagte einer der Mönche . » Es wird geschehen ! « antwortete der Abt . » Amadeus soll uns im Conclave noch einmal darüber berichten . « Zu Konrad gewendet sagte er : » Führe die Steinmetzen in die Seitenhalle , in der sie das Material zu ihrer Arbeit finden werden , und versammle die andern Bauleute um sie , damit sie nach ihrer Vorschrift arbeiten . « Es geschah , wie er gesagt hatte . Ungefähr acht Mönche und Novizen , die nicht ganz unkundig der Kunst waren das Winkelmaß zu führen und mit dem Meißel zu arbeiten , waren zur Verfügung der Baubrüder und halfen diesen vorerst das Material ordnen u.s.w. Nach den Vorschriften der freien Maurer sowohl als der Klosterbrüder durfte bei der Arbeit weiter nichts gesprochen werden , als was unmittelbar zu ihr gehörte , und daran banden sich denn auch Alle . Nicht lange Zeit war vergangen , als Ulrich noch einmal in die nebenan liegende Kirche ging , um ein Maßbrett an die darin befindlichen Trümmer des Tabernakels zu halten . Ein Mönch knieete dabei - es war derselbe , der vorhin an dem dunklen Seitenaltar geknieet . Jetzt fuhr er empor . Ulrich erkannte in ihm den Bruder Amadeus . Der Augenblick war günstig ; es war Niemand weiter in der Kirche , als am Eingang ein Novize , welcher denselben kehrte . » Wir sind uns schon einmal begegnet , « sagte Ulrich leise , da der Mönch zusammenfuhr ; » mein Ungeschick riß das Kreuz von Eurem Rosenkranz - hier habe ich es Euch mitgebracht . « » Ihr erkennt mich wieder ? « sagte Amadeus . » Ja - und ich weiß auch Euren Namen : Amadeus . « » Nun wohl , « sagte dieser mit sonderbaren Blicken auf Ulrich schauend , » so behaltet das Kreuz als Andenken - an einen Mönch , der schon lange zu sterben wünschte und nun Euch sein Todesurtheil dankt . « Ulrich dachte : der Propst hat Recht - Amadeus scheint wahnsinnig zu sein . Amadeus mochte diesen Gedanken des Schweigenden errathen und fuhr fort : » Ich rede Wahrheit , wie Ihr sie geredet , Ulrich ! Du warst der Einzige , der kein Recht hatte mein Urtheil zu sprechen . Aus Liebe zu Dir beging ich den Frevel - ich wollte meine Hand segnend auf Deinen Scheitel legen - es ist meine Sühne , daß ich durch meinen Sohn sterbe ! Gott vergebe Dir , wenn es ein Vatermord ist , den Du auf Deine Seele ludest ! « Ein Mönch an einer Seitenpforte näherte sich und rief : » Bruder Amadeus ! « » Sie holen mich in ' s Gericht ! « flüsterte er noch Ulrich zu ; » lebe wohl und schweige . Lebt Deine Mutter noch und siehst Du sie wieder , so sage Ihr , daß Du sie an mir gerächt hast - und daß ich mit dem Namen Ulrike auf den Lippen sterben werde ! « Heftig eilte er davon . Ulrich sah ihm nach und fühlte sich von eigenthümlichem Grauen erfaßt . Was war das ? was hatte er gehört ? waren das die Worte eines Wahnsinnigen ? Fast schien es so . Und doch ! wenn sie mehr waren als Wahnsinn ? oder dieser Wahnsinn doch nur der Nachhall einer