er zu ihm . » Ich will mit meiner Christine drüber reden « , antwortete Friedrich und machte sich unverweilt auf den Weg . Nach einer halben Stunde kam er heim und brachte die Antwort . » Sie will nicht « , sagte er , » sie erklärt , sie wolle sich in Ebersbach nicht nachsagen lassen , sie habe so unrechte Dinge getan , daß sie habe nach Amerika gehen müssen , wo bloß die schlechten Leute hinwandern . Ihr Wahlspruch sei : Bleibe im Lande und nähre dich redlich . « » Es steht geschrieben , das Weib soll dem Mann folgen « , sagte der Sonnenwirt . » Das müßt sie auch , wenn mir ' s Ernst wär « , erwiderte Friedrich . » Aber ich bin mit mir selber nicht im klaren , wie ' s mit dem Amerika ist , ich weiß nicht , ob ' s Balken hat oder ob ich drin schwimmen kann . Wenn ich allein wär , ging ich schon ; so aber laß ich ' s auf die Christine ankommen , weil ich selber nicht weiß , was besser ist . « » Da siehst du ' s : sie hängt wie ein Radschuh an dir und hindert dich überall am Fortkommen . « » Und wenn sie mir jetzt schon ganz verleidet wär - ich hab ihr mein Wort gegeben , und das halt ich ihr . « 22 Heu und Frucht waren eingetan , und alles ging seinen gewöhnlichen Gang , nur in Friedrichs Heiratsangelegenheit wollte keine Bewegung kommen . Alles , was er bisher getan hatte , um dieselbe ins Werk zu setzen , war wie ein Schlag ins Wasser gewesen . Längst hatte er seine Supplik an die Regierung eingereicht und als Minderjähriger um Heiratserlaubnis gebeten . Damals war er sehr vergnügt von Göppingen zurückgekommen und hatte Christinen erzählt , der Vogt , dem er die Schrift zum Beibericht gebracht , habe ihm zwar scharfe Vermahnungen gegeben , aber den Ausspruch getan , wenn ein Bursche sein Mädchen ehrlich machen wolle , so müsse man ihn eher aufmuntern als abschrecken . Er hatte also nicht mit Unrecht darauf vertraut , daß die höhere Behörde sein Anliegen nicht aus dem engen Gesichtskreise der Fleckenregierung betrachten werde . Leider aber wurde der Vogt bald hernach auf ein anderes Oberamt versetzt , und sein Nachfolger ließ die Schrift liegen . » Da braucht ' s nichts als Geld « , sagte Friedrich , » man muß eben seine Schreiber schmieren , damit sie ihm die Sach im Andenken erhalten ; wenn nur das Geld nicht so rar wär ! « Die Zeit rückte immer näher , wo sein Kind unehlich zur Welt kommen sollte , um nach der herrschenden Meinung sein Leben lang einen Makel zu behalten , und Christine jammerte darüber so , daß sie oft mit ihren Klagen seine eigene Verzweiflung betäubte . Ihr Vater war bettlägerig geworden ; zwar verdienten seine herangewachsenen Söhne über die Sommerszeit durch Taglohn so viel ins Haus , daß er nicht wie früher bei dem Pfarrer um Unterstützungen nachsuchen mußte , aber bei jedem Bissen ließ sich die Armut mitschmecken , und Christine , die nach dem ordnungsmäßigen Gang der Dinge , statt dem elterlichen Hauswesen zur Last zu fallen , einem eigenen hätte vorstehen sollen , wurde von den Ihrigen scheel angesehen . Sie machte sich ihnen schon dadurch als eine Bürde fühlbar , daß sie durch Arbeiten wenig und zuletzt nichts mehr zur Erhaltung der Familie , der sie doch zehren half , beitragen konnte . Macht man ja doch nicht bloß in jenen Kreisen des Lebens , welchen man das Vorrecht der Roheit zugesteht , die Erfahrung , daß die Not die Zartheit der Gesinnungen leicht verwischt und der gefährlichste Prüfstein für alle Liebe und Freundschaft ist . Christine hatte ein Recht , ihr Elend am Halse des einzigen auszuweinen , der ihr zu Trost und Hilfe verpflichtet war , und sie machte von diesem Rechte fleißigen Gebrauch ; auch war es natürlich , daß die Beschwerden eines Zustandes , der selbst eine im Schoße des ungetrübten Glückes lebende Frau zur Schwermut reizen kann , das oft von den notwendigsten Hilfsmitteln entblößte Mädchen maßlos unglücklich machten . All dieser Jammer stürmte auf Friedrich herein , der dem Gefühle seiner Hilflosigkeit bald in stumpfem Hinbrüten , bald in Ausbrüchen einer wahnsinnigen Wut gegen die herzlose Zähigkeit der Welt den Lauf ließ . Auf den Schwager , dem er einst vertraut hatte , konnte er schon längst nicht mehr rechnen ; derselbe hatte sich von ihm losgeschält und ihm erklärt , er wolle es nicht durch Parteimachen für eine Sache , die er von Anfang an getadelt , mit seinem Schwiegervater verderben , auch hatte er seiner Frau untersagt , sich ihres Bruders ferner anzunehmen . Um diese Zeit lief die Sonnenwirtin eines Tages ins Amthaus , um der Amtmännin zu erzählen , daß ihre älteste Tochter , die Krämerin , wenn der Herr Amtmann sie nur vernehmen wollte , Greueldinge von dem ungeratenen Bösewicht aussagen könnte . Der Amtmann versammelte , von seiner Frau angetrieben , seine beiden Urkundspersonen und ließ die Krämerin rufen , welche weinend vor ihm erschien . » Ihr Bruder « , gab sie zu Protokoll , » habe drei Gulden gefordert , damit er sein Memorial und Bericht zu Göppingen bekomme . Darauf habe sie ihm gesagt , sie wolle nicht zum Vater gehen , weil sie wisse , daß er sich bloß darüber erzürne ; er solle seinen Pfleger schicken . Nun habe er aber angefangen zu toben : er sehe wohl , daß er ' s verloren habe , morgen wolle er einen Rausch trinken und sein Messer schleifen , in seines Vaters Haus hingehen und das Geld fordern , und wenn er ' s nicht gebe , ihn niederstechen , und wenn seine Mutter etwas sage , ihr ' s auch so machen . Dann habe er Geld genug und