vor Wuth - seit Du nicht mehr der ehrliche Kerl bist wie sonst , der Leib und Leben gelassen hätte für die Kameraden , wenn ' s zu helfen gegolten - jetzt bist Du feig und ängstlich geworden . « » Wilhelm ! Nimm Dich in Acht ! Das dürfte mir außer Dir Keiner sagen ! Und rede vernünftig , ich weiß nicht , wo Du hinaus willst mit Deinen Beschuldigungen . Nun schau - Du sagst , gleich am ersten Abend , wie es geschehen , sei der Adam aus Hohenheim zu Dir gekommen und habe Dir gesagt , daß die Eisenbahnarbeiter jetzt Feiertag machten . « » Ja , das ist wahr . « » Warum hast Du das uns nicht gleich gesagt ; hätten wir es gewußt , so hätten wir gemeinschaftliche Sache mit ihnen machen können - wir hätten den Tag auch gefeiert . « » Daß Ihr rasend genug gewesen wäret - und die Soldaten hätten uns dann mit dem Bajonnette zur Arbeit gehetzt , wie sie es an der Eisenbahn gemacht haben . Dort arbeiten sie nun wieder gerade wie vorher , für dasselbe Geld , nur daß sie ein paar Tage Lohn eingebüßt haben , wo sie Nichts machten . Traurig freilich , daß es so ist , daß nicht einmal der sogenannte freie Arbeiter seine Arbeit verwerthen kann wie er will , und daß man aus dem , was sonst jeder Handwerker , jeder Kaufmann darf : seine Arbeit , seine Mühe bezahlt zu nehmen wie er will , den um Tagelohn arbeitenden Armen ein Verbrechen macht . Aber es ist ein Mal so ! - Das haben auch die Eisenbahnarbeiter vorher wissen können - und unter ihren Verhältnissen ist , was sie thaten auch wirklich Unrecht , denn es ist ein Wortbruch , da sie sich vorher anheischig gemacht hatten , um den ihnen einmal bewilligten Lohn zu arbeiten - sahen sie , daß sie es so nicht länger aushalten konnten , so hätten sie wenigstens einen gesetzlichen Termin abwarten sollen , wo sie die Arbeit in Ruh und Friede kündigen konnten . « » Aber das würde ihnen auch Nichts geholfen haben - im besten Falle hätten sie dann doch nur die Wahl gehabt : entweder für den kargen Lohn fortzuarbeiten , oder plötzlich arbeitslos - zu verhungern . « » Nun freilich schlimm genug , daß es so ist - aber wie kommst Du dazu , mir Vorwürfe zu machen ? « » Wenn wir gewußt hätten , daß unsere entfernten Kameraden sich erhoben , so würden wir ihnen gefolgt sein und gemeinschaftliche Sache mit ihnen gemacht haben . Dann wären wir ihrer gleich mehrere Hunderte gewesen und die paar Soldaten hätten Nichts vermogt . « » Nun , und was wäre denn dabei noch herausgekommen , da Du erst selbst sagst , daß wir auf diesem Wege nicht zu unsrem Rechte kämen ? « » Auf diesem Wege freilich ! - Aber was haben wir denn zu verlieren , warum sollten wir nicht einmal Alles wagen ? warum nicht wider die Reichen zu Felde ziehen - sie mögten dann sehen , ob denn wirklich in ihrem Gold ein allmächtiger Gott wohne , daß wir gar Nichts gegen sie ausrichten könnten ! « » Bruder , Bruder - lass ' diese frevelhaften Reden ! « » Ei ja doch - frevelhaft ! Und was sind denn die Handlungen der Reichen ? Nenne mir doch einen Frevel , den nicht sie an uns verübt haben ? Wir sind schon im Mutterleibe verflucht und von der Berechtigung als Menschen zu leben ausgeschlossen - und so geht es fort , Fluch an Fluch und Frevel an Frevel über uns , an uns , durch unser ganzes elendes Leben , und so geht es wieder fort auf unsere Kinder und Kindeskinder . - Aber nein ! So soll es nicht länger fort gehen seit dem Tage , wo mir jener Brief an Dich die Augen mit Eins geöffnet ! « » Ach , jener Brief , wär ' er nimmer gekommen ! « » Nein , das war ein Glückstag , wo er kam , den hab ' ich als meinen Feiertag roth angestrichen im Kalender . « » Wilhelm - meinst Du , ich habe nicht Alles das , was Du vorhin aussprachst , in meinen bösen Stunden auch gedacht , Tausend Mal mir gesagt , mir wiederholt , immer wieder und wieder ? Denkst Du nicht , ich habe oft Stunden lang in das unselige Papier gestarrt , es weggeworfen , wieder hergeholt , immer noch ein Mal durchgelesen - und dann mit mir gerungen und gekämpft Tag und Nacht ? Auf meine Kniee bin ich gestürzt und das Vaterunser , wie mich ' s allabendlich die Mutter beten lehrte , da ich ein Knabe war , ist mir wieder durch die Seele gezogen , und auf die Lippen trat immer das einzige Gebet : führ ' uns nicht in Versuchung ! « » Ja wenn Du immer noch denken willst : beten hilft ! « » Mir half ' s - ich habe überwunden , ich brauchte nachher nicht mehr zu beten , ich hatte endlich die Kraft , daß ich sagen konnte : Hebe Dich von mir , Versucher ! Und da ward ich sein los . « » Daß Du ein Feigling bist , mag ich nicht glauben - so bist Du ein Schwärmer , und mit solchen Leuten fängt man Nichts an . « » Sieh einmal , Wilhelm ! « sagte Franz mit milder treuherziger Stimme und Thränen traten dabei in seine Augen und mit seiner einen Hand ergriff er die Wilhelms , mit der andern klopft ' er ihm freundlich auf die Schultern : » Sieh einmal , Wilhelm , wir waren einander die besten Freunde , waren uns Herzensbrüder ! Wir hatten immer einerlei Meinung und haben zusammen manche gute Einrichtung zu Stande gebracht unter unsern Kameraden , wir haben das Beste gewollt und