vor ihr verbirgt . Indessen imponirte er mir viel zu sehr und es widerstrebte auch meiner Natur zu sehr in Koketterie ihm gegenüber zu verfallen . Ich zeigte ihm eben nur wie sehr ich an ihm hing , ihm vertraute , auf ihn rechnete , mein Leben mit ihm eingerichtet hatte ; und er nahm das hin mit dem größten Dank , mit dem tiefsten Ernst , wie Jemand der sich mit seinem Loos zu bescheiden sucht , nicht mehr verlangt noch erwartet - aber in seinem verschwiegenen Busen und hinter seinen stummen Lippen eine ganz andre Sehnsucht trägt . Wendete sie sich zu mir ? - Ich wußte es nicht ! - Oft flüsterte mir mein guter Genius zu : Laß ruhen was ruht ! wecke nicht das Schlummernde ! Du hast es jezt besser denn je ! halte dich still ! - Aber nein ! dagegen stand ein andrer Geist auf und sprach : Im Traum verrinnt dein Dasein und mit ihm das Glück , das du immer verlangt und nie gefunden nie genossen hast ! aus der elektrischen Berührung einer starken flammensprühenden und zugleich tiefgesammelten Seele kann dir eine Metamorphose erblühen : versäume das nicht ! - Ueber diesen Zwiespalt fiel ich in Unruh und Beklommenheit , und die wirkte dermaßen auf Sedlaczech , daß er in eine weit heftigere gerieth . Etwas fieberhaft Gespanntes und Aufgeregtes überfiel ihn ; endlich hieß es er sei krank und könne nicht sein Zimmer verlassen . Mezzoni sprach von Heimweh , von Abzehrung , von nordischem Winter : mich überfiel Todesangst bei dem Gedanken er könne abreisen wollen . Ich schickte ihm den Arzt ; der empfahl ihm Ruhe , calmirende Mittel , Bewegung , Zerstreuung - im Grunde .... nichts ! denn es sei keine Gefahr vorhanden nicht einmal Krankheit . Mezzoni sprach aber immer vom nordischen Winter , der einen schwächlichen Menschen tödten könne . Ich versicherte ihn Sedlaczech sei durchaus nicht schwächlich . Er meinte man könne es werden . Das war richtig . Ich verbrachte einen qualvollen Tag . Am nächsten Morgen ließ ich Sedlaczech zu mir bitten , wenn ' s ihm möglich sei . Er kam ; aber er sah geisterhaft aus . Entschlossen fragte ich sogleich das was ich ahnte : » Ist ' s wahr , daß Sie nach Italien wollen ? « » Ich denke das wird am Besten für mich sein « - entgegnete er nach einer Pause in der er sich zu dieser Antwort Kraft gesammelt hatte . » Warten Sie bis zum Frühling , Fidelis , dann wollen wir Alle fort - nach der Schweiz , nach Italien .... wohin Sie wünschen , bat ich mit Thränen . » Mein Wunsch kann keine Richtschnur für Sie abgeben , theure Gräfin ! « sprach er sanft . » O doch ! doch ! lassen Sie mir die seltne Freude , daß ich Ihren Wunsch erfüllen darf ! ich habe wenig Menschen , Fidelis , ach ! ich mögte sagen keine - wenigstens keine Freunde , deren Wünsche mein Leben bestimmten . Gönnen Sie mir doch dies Glück . « » Mein Wunsch ist .... jezt und allein zu gehen ! « entgegnete er noch sanfter . » Und fühlen Sie nicht daß ich fürchterlich allein sein werde , wenn Sie gehen ? « » Nicht so wie ich . « » Daß mir ein belebendes und beseelendes Princip fehlen wird , welches die Nähe eines treuen und verständnißvollen Freundes , der Ihr Herz und Ihren Charakter hat , in mein hinfälliges Wesen bringt ? « » Nicht so wie mir . « Mir war als bräche er mit entschloßner Hand mein Herz entzwei . Ich wurde kalt und starr , mein Blut wie Eis , und so sagte ich : » Wolan , Meister , gehen Sie und .... beten Sie . « » Wenn ich kann , « sprach er tonlos . » O Sie können ! - beten können Sie .... aber nicht lieben , Fidelis ! « Er wich einige Schritte zurück , sah mich fest an und fragte mit einem furchtbaren Ernst : » Sie wissen also wirklich nicht daß ich Sie liebe ? « » Wer beten und glauben kann - der kann auch lieben ! - ich wußte es , Fidelis ! « rief ich und sank auf die Knie , überwältigt von ich weiß nicht welcher Macht , welcher Freude , welcher Angst , welchem innerlichen Jauchzen und Weinen , das mich mit heißem Dank in den Staub warf . » Heiliger Gott ! was nun ? « sagte er und preßte die gerungenen Hände gegen seine Stirn . » Nun bleiben Sie hier , Fidelis ! nun bleiben Sie bei mir , immer - o immer ! immer ! « sagte ich , stand auf , und ergriff sanft seine Hände , die ich auseinander löste indem ich hinzu setzte : » Nicht mehr in Qual dürfen sie gerungen sein , nur gefaltet in liebender Andacht , wie sich das für Sie geziemt . « » Und Sie verzeihen mir ? fragte er ganz , ganz leise . Sie kennen meine Gefühle und nennen sie nicht Thorheit .... nicht Vermessenheit .... nicht Wahnsinn ? - wie ich selbst so viel tausendmal sie genannt ! - Sie verbannen mich nicht von Ihrem Angesicht .... darf ich es glauben ? « » Warum wollten Sie zum ersten Mal in Ihrem Leben zweifeln ? « sagte ich . » Weil dies eine Gewißheit sein würde , welche mich weit .... weit über alle Grenzen und Schranken des Daseins hinweg in die Seligkeit heben würde ! .... Weil es eine Himmelfahrt bei lebendigem Leibe wäre ! .... - O Sie sehen wol , Sibylle , daß man daran zweifeln muß , so lange man nicht rasend ist . « » Bleiben Sie immer bei mir , Fidelis ! entgegnete ich mit unbeschreiblicher Rührung . Ich kann ' s Ihnen nicht sagen wie glücklich Sie mich