beste Berühmtheit hebt nach dem Tode an ! wer populär war , wird selten unsterblich , « sagte sie . Ich neckte sie bisweilen mit ihrem Ruhmdurst . » O , « rief sie , » Bedürfniß des Ruhms ist nur Bewußtsein der Zukunft ! wer nicht an seine eigne Zukunft glaubt , verdient auch keine Gegenwart ; und man sagt mir doch - und ich meine mit Recht - ich sei ein großes Talent . Daß meine Gemälde nur in der Mode und deshalb zukunftlos sein könnten - fällt mir oft schwer aufs Herz . Ich weiß wol , daß ich einen köstlichen Schatz besitze ; jedoch , ob ich ihn zu Kleinodien oder zu Münzen oder zu was weiß ich ! verarbeite : das weiß ich nicht , wenigstens nicht genau . Wir irren uns über den Werth unsrer Schöpfungen , wie Mütter über die Schönheit ihrer Kinder . Von seinem Gedicht » Afrika « erwartete Petrark die Unsterblichkeit , und fand sie durch seine Sonette . Es wäre doch traurig , wenn ich nur Afrikas hinterließe ! « Endlich ging ich auf die orientalische Reise ein ; ich gönnte Faustinen und mir diesen Genuß . Ueberdies halte ich eine solche Anfrischung der Lebenselemente nicht blos dem Künstler nothwendig , sondern Allen , die sich jahrelang nur mit ihrem Geschäft und Beruf abgegeben haben . Man wird allzu einseitig , sobald man sich ihm ausschließlich widmet . Die Einseitigkeit hat auch ihr Gutes : sie macht zufrieden , sie lehrt das Geringe schätzen , sie erhält sogar einen gewissen Grad von Unschuld , indem sie manche Illusionen läßt - aber nicht alle Seelen sind für diese friedliche Beschränkung geboren . Der Eine fliegt lieber , der Andre geht lieber - Jeder nach seiner Eigenthümlichkeit ! Die Schattenseiten seiner Vorzüge hat jeder Charakter , jede Lage ; aber man bemerkt sie nur bei ausgezeichneten Charakteren und in ungewöhnlichen Lagen , weil bei den alltäglichen Mischungen kaum der Unterschied zwischen Licht und Schatten wahrgenommen wird . Das ist in der Ordnung ! man sieht nicht hin , wenn Jemand im Gehen stolpert ; will aber Jemand fliegen und die Schwingen brechen , so sieht es das stumpfeste Auge . Wir reisten zuerst nach Deutschland , um meine Eltern zu besuchen und ihnen Bonaventura zu präsentiren . Meine Schwestern waren jetzt alle drei verheirathet und mäßig glücklich mit kleinen Sorgen und manchen Freuden . Cunigunde war Braut . Nichts glich unsrer Ueberraschung , als sie uns den Verlobten vorstellte , einen benachbarten Landpfarrer von der Sorte , die man jetzt die fromme zu nennen pflegt , mit gescheiteltem Haar und niedergeschlagenen Augen , aus denen zuweilen hastige , stechende , inquisitorische Blicke schossen , die unbehaglich mit dem salbungsvollen Ton kontrastirten , und der ganzen Erscheinung etwas Falsches gaben . Faustine wünschte ihm Glück zu der Braut ; bei Cunigunden erstarb ihr das Wort auf den Lippen . Hernach sagte sie zu mir : » O Gott , welch ein matter , trister Gesell ! gegen den war ja Feldern ein Heros ! Und diese klare , bestimmte Cunigunde kommt mir ganz verwirrt vor , denn sie spricht von diesem Menschen , als sei er wenigstens ein Apostel . « » Lieber Engel , « entgegnete ich , » Du kannst Dir gar nicht vorstellen , zu welchen Schritten die Furcht treibt - eine alte Jungfer zu werden ! die liebenswürdigsten , ausgezeichnetsten Mädchen , zu denen Cunigunde gewiß zu zählen ist - verfallen bei dieser Lebenskrisis fast immer in ein Fieber , das ihnen die Besonnenheit raubt . So ist ' s Cunigunden gegangen ! und da sie diesen Mann unmöglich lieben kann , so hat sie sich für ihn fanatisirt . Wahrscheinlich wird sie später aus Stolz und Beschämung nie eingestehen , daß sie nicht vollkommen glücklich ist ; aber sie wird es gewiß nicht ! eine Ehe dauert etwas zu lange für den Fanatismus . « » Und Feldern ist doch ein schlichter , unverschrobener Mensch , « sagte Faustine niedergeschlagen , » trotz seiner Vorliebe für die conventionellen Formen . Sie sind ihm das , was ihm die Kleidung ist : ein Gesetz , das der Anstand gegeben hat . Aber dieser Mann , so gezwungen einfach , so manierirt schlicht - kann dessen Seele wahr sein ? « Meine Eltern freuten sich meines Glücks in Weib und Kind . Faustine war Aller Liebling , Aller Stolz . Die geistige Ueberlegenheit , welche mittelmäßige Frauen so unerträglich macht , daß man sie wie eine lästige Appanage betrachtet , etwa wie einen vornehmen Namen bei großer Armuth - schien Faustinen gegeben , um zu beweisen , daß die superiorste Frau die liebenswürdigste sei . Sie faltete still ihre Flügel zusammen , damit Niemand bemerken dürfe , daß er keine habe ; aber sie schüttelte sie und flog auf , bei der geringsten Anregung , und ließ in unsern Kreis den Glanz der Aether , die Blüten ihrer Region hineinspielen . Dann fuhren wir die Donau hinab nach Constantinopel , Griechenland und Palästina . Erwarten Sie keine Beschreibung der Reise , Gräfin ! gedenke ich jener Tage , so wühlt die Erinnerung wie eine himmlische Harpye in meinem Herzen . Faustine war selig , war von einem Reichthum , einer Vollendung , einer Süßigkeit , wie noch nie . Berauscht von den Quellen der Urgeschichte und der Urpoesie , die jenem Boden entquollen , sagte sie : » Ich bin allzu glücklich ! hier muß ich sterben - wäre der Tod nicht allzu grausig . Ich will leben ohne zu altern , schaffen ohne zu ermüden , genießen ohne mich abzustumpfen , forschen ohne zu zweifeln , ruhen ohne mich zu langweilen ! glaubst Du nicht , Mario , daß dies Alles hier , in diesen primitiveren Zuständen , leichter zu erreichen sei , als da draußen , in der verschrobenen , abhetzenden occidentalischen Civilisation ? « » Vor allen Dingen glaube ich , daß Du Dich binnen Jahresfrist