Scherz schauerte . Tränen traten in sein Auge , er sagte : » Sie sind doch sehr gut , und ich bin ' s denn also . « Er ging , übermannt von edler , menschlicher Rührung . In seinen Tränen fand ihn mein Gefühl , wie mein Verstand ihn schon früher erkannt hatte . Seiner Rolle blieb er sonst treu . Mittags meldete er sich um die zwei Pfund Rindfleisch . Ich gab sie ihm und bereitete für uns einen Pfannkuchen , den Vater täuschend mit der Nachricht , die Katze habe das Fleisch gefressen . Er hat es rein aufgegessen ; seine Verstellung muß ihm doch schwergefallen sein . Wo die alberne Lisbeth nur bleiben mag , der Aschenbrödel ? Mit dieser Welt im Busen muß ich nun jetzt am Feuerherde stehen ! Auch war der Pfannkuchen versalzen und ungenießbar . * Heute ist es zu einer vollständigen Erklärung zwischen uns gekommen . Ich erinnerte ihn an unsere Spaziergänge bei Nizza , so an die Wechselverfertigung , an die sechste Elefantenkompanie und an die Kabale des Kaisers aller Birmanen . Ich erinnerte ihn an Hechelkram und an seine Rechte darauf . Ich nannte ihm den süßen Namen jener Zeit : Rucciopuccio . Ich fragte ihn , ob er wohl an alles das noch denke ? Er sagte zu allem ja . Auch in dieser vertrauten hingebungsvollen Stunde blieb er Bedienter in Wort , Gebärde , Haltung . Ich bat ihn herzlich , er möge doch mir gegenüber diese häßliche Hülle aufgeben und der Fürst sein . Er versetzte , es gehe nicht an , ich möchte ihn um Gottes willen zufriedenlassen . - Ich will nicht weiter in ihn dringen , er fürchtet vermutlich , daß , wenn er sich vor mir demaskiert , er sich auch sonst vergessen könne , denn welche unendliche Mühe muß den Hohen dieses angelegte niedere Wesen kosten ! Sein Inkognito hat vermutlich einen Doppelzweck . Mich wollte er unerkannt prüfen , und dann will er auch im Verborgenen abwarten , welchen Erfolg seine Verwendungen an einige Mächtige des Hofes um Hechelkram haben werden . Ich sagte ihm diese meine Vermutungen in das Antlitz , und er antwortete : Es sei alles so , wie ich meine . Wie es ihm nur möglich gewesen ist , mich zu finden , da ich in Nizza Marcebille von Schnurrenburg-Mixpickel hieß ? Darüber werde ich ihn doch nächstens befragen . Die Entwickelung unserer Angelegenheit muß in Geduld abgewartet werden . Erfolgt seine Anerkennung als Fürst , so wird sich auch für mich das Stift finden . Ich erfülle mein Schicksal und bin ruhig . Eins geht mir aber im Kopfe umher . Er hat keine Gemahlin . Das wird meiner Stellung eine ihrer Blüten abstreifen . Ich wollte ja der segnende Schutzgeist seines Hauses sein , die Gatten miteinander versöhnen . Das fällt nun weg . So hält uns das Leben doch nie ganz Wort . * Daß er so gar nicht Rucciopuccion ähnlich sieht ! - Vergebens mühe ich mich ab , einen Zug der Vorzeit in seinem Gesichte zu erspähen . Aber freilich ist es denn auch einige Jahre her , daß wir auseinanderkamen - - Die dumme Lisbeth hat mir vor ihrem Abzuge mein Schreibzeug verkramt , ich muß mich mit Federn behelfen , die alle bequemen schriftlichen Ergießungen unmöglich machen . Sie ist ein abscheuliches Geschöpf - - und dann hat er viel auszustehen gehabt . Er bekam selbst hin und wieder von seinen Herrn Schläge . Natürlich ! Die indischen Fürsten sind Barbaren . Auch Münchhausen ist mir nun entziffert . Dieser hohe Geist , dieser neue Prophet der Natur und Geschichte wird der Kammerherr des Fürsten sein , oder sein Adjutant , oder sein Hofstaatssekretär , oder eine andre dieser reinen , idealen Gestalten . Auch ihm wird seine Rolle schwer , ich sehe es wohl . Sein schmerzliches Zucken , wenn er den Gebieter zum Scheine anfahren muß ! Neulich tat er so , als ob er den Stock gegen ihn brauche , und der Fürst tat , als schreie er . * Münchhausens Geschichten werden mir jetzt klar . Der Vater nimmt sie wörtlich und glaubt daran zum Teil . Ich ahnete gleich eine geheime Bedeutung - und habe mich nicht getäuscht . Die smaragdgrüne Bergebene Apapurin ... usw. ist unsere Jugend , goldgelbe Kälber der Empfindung grasen auf ihr , die Gedanken der Jungfrau sind pfirsichrot und alle Äußerungen ihres Wesens herb und keusch , wie Schlippermilch . Nachher spaltet sich die Welt ihres Inneren , diese Spaltungen und Unterspaltungen werden durch die sechs Gebrüder Piepmeyer angedeutet , einander zum Verwechseln ähnlich , wie unsere Spaltungen , dann kommt die Prosa des Lebens unter dem Bilde des Wachtfriseurs Hirsewenzel und flicht den großen Knoten widerstrebender Verhältnisse , den Rattenkönig gemischter Empfindungen . Manches einzelne bleibt mir freilich in jener Symbolik noch dunkel . Welcher Moment des weiblichen Lebens wird z.B. durch die Folgen der einzigen Lüge Münchhausens dargestellt ? * Ein köstlicher Genuß ist es , zu sehen , wie das Hohe , das Göttliche unter der Knechtsgestalt , in welcher es hin und wieder erscheinen muß , siegreich für den Kundigen hervorblitzt . Wiewohl mein erlauchter Freund den Bedienten zum Erschrecken natürlich spielt , so läßt sich Fürstenblut dennoch nicht verleugnen , und davon wurde mir heute die Erfahrung . Der Prätendent von Hechelkram putzte die Stiefeln seines sogenannten Herrn . Ich habe nun wohl sonst bemerkt , wenn ich die Diener dieses Geschäft verrichten sah , daß sie es in unedler gebückter Stellung , mit widerlich kurzen , schnellen , heftigen Bewegungen ausführten - ein unerfreulicher Anblick ! Ganz anders , was ich heute sah . Karl saß . Er hielt sich vornehm nachlässig zurückgebeugt , er sah kaum den Stiefel an , langsam fuhr seine Hand mit der Bürste über diesen , der so tief unter seiner Würde war , hin und her - und berührte das gemeine Leder obenhin , nur zum Schein