Seele das glühendste Verlangen nach Rache mit sich umher , giebt keinem andern Wunsche Raum , und wird sie erringen , oder im Versuche untergehen . Die Zeit naht , die Stunde wird schlagen , und bald ! Sergius , von einem leichten Champagnerrausche ein wenig aufgeregt , schien ein Bedürfniß der Mittheilung zu empfinden , das in seiner natürlichen Stimmung ihm sonst nicht gewöhnlich war . Er zog mit dem willig und erwartungsvoll ihm folgenden Richard in eine Ecke sich zurück , und machte wirklich Anstalten als wolle er sein ganzes Herz vor ihm ausschütten . Der Anfang dazu war die Auseinandersetzung der Veranlassung des lange unauslöschlich gehegten Hasses gegen den Kaiser , welcher den Kapitain Yakubowitsch unwiderstehlich zu einem Verbrechen trieb , dessen Mißlingen , vielleicht auch dessen Gelingen , er nicht zu überleben entschlossen war . An und für sich lag in der Behandlung , welche der Kapitain auf ausdrücklichen Befehl des Kaisers von Seiten der militairischen Behörden erfahren , nichts Außerordentliches . Die Strafe , die ihm zuerkannt wurde , war hart , aber unter den vorwaltenden Umständen keineswegs von der Art , daß er über Ungerechtigkeit sich hätte zu beklagen gehabt ; doch dem krankhaften Gefühle wird die leiseste Berührung zum stechenden Schmerze , und Ehrgeiz , durch einen Blick , durch ein unbedachtsam hingeworfenes Wort tödtlich zu verletzender Ehrgeiz , war die unheilbare Krankheit des Hauptmann Yakubowitsch . Schon die Möglichkeit einer Zurücksetzung war genug , um ihm das Leben zu verbittern , und für jede andre Gunst des Geschickes ihn fühllos zu stimmen . Täglich sich häufende Übertretungen der Duellgesetze hatten vor mehreren Jahren den Kaiser bewogen , die strengere Ausübung derselben ausdrücklich und ernstlich anzuempfehlen ; und es ward beschlossen , bei dem ersten Übertretungsfalle diejenigen , welche sich dessen schuldig machten , ohne Ansehen der Person , genau nach dem Buchstaben des Gesetzes , exemplarisch zu bestrafen . Leider traf Yakubowitsch das Loos einer von diesen zu sein . Nicht als Hauptperson , aber doch wegen thätiger Theilnahme an einem Duelle , dessen unglücklicher Ausgang ein sehr vornehmes Haus seines hoffnungsvollen Erben beraubte , und viele der ersten Familien des Landes tief betrübte , wurde er von der Garde , bei welcher er stand , zu einem andern Regimente versetzt . Unter den vorwaltenden Umständen konnte diese , ihn freilich degradirende Strafe , in den Augen seiner Kameraden durchaus nichts seiner Ehre Nachtheiliges haben ; eher hätte diese , nach dem allgemeinen Begriffe von Ehre , darunter gelitten , wenn er den einzig offnen Weg ihr zu entgehen eingeschlagen hätte , indem er seine Theilnahme an dem Duelle verweigerte , oder gar , um es zu verhindern , als Angeber desselben auftrat . Dennoch brachte sein tief verletzter Ehrgeiz ihn darüber dem Wahnsinne nahe . In wildem unaustilgbarem Ingrimme über das , was er eine himmelschreiende Ungerechtigkeit nannte , erklärte er , ein Leben nicht länger fortschleppen zu können , das von nun an auf ewig ehrlos geworden sei , und würde gewiß in seiner Verzweiflung es freiwillig beendet haben , wäre er nicht gerade im entscheidendsten Augenblicke dem Obrist Pestel in die Hände gefallen . Pestel war gewiß nicht fähig , die große Brauchbarkeit dieses Mannes , als Werkzeug zur Beförderung seiner Absichten , zu verkennen . Hastig fuhr er auf den Unglücklichen los , wie eine giftgeschwollene Spinne auf die arme Mücke losfährt , die im Vorüberstreifen ihr Gewebe berührt . Fein und gewandt wußte er von allen Seiten ihn zu umgarnen , umklammerte den künstlich Gefesselten mit aller Riesengewalt seines ihm himmelweit überlegenen Geistes , blies jeden in der Brust desselben glimmenden Funken zur unvergänglich lodernden Flamme alles verzehrenden Rachegefühls an , und ließ acht Jahre lang von ihm nicht ab , um seiner gewiß zu bleiben , sobald er ihn bedurfte . Er ist fest entschlossen , die erste Gelegenheit zur Rache zu ergreifen , und wenn die That mißlingen sollte , mit einer zweiten , bereit gehaltnen Kugel ein Leben zu enden , dessen Last er schon lange unwillig trägt ; setzte Sergius seiner , freilich in ganz anderm Tone gegebenen Darstellung der Verhältnisse des Kapitain Yakubowitsch hinzu . Und , Brüderchen , die Gelegenheit auf die er wartet , steht vor der Thüre : höchstens noch zwei kurze Monate und unsre Zeit beginnt ! flüsterte er mit vor Entzücken heiserer Stimme , mit funkelnden Tigeraugen und einem überkräftigen Händedrucke ihm ins Ohr ; Du kennst ja die Festung Beleja Tserkoff ? - Du kennst sie nicht ? - gleichviel , Du wirst sie kennen lernen , fuhr Sergius in seiner halb berauschten Stimmung fort , die ihn fortwährend zur Mittheilung trieb : dort soll Revue gehalten werden , doch wer sie halten wird ? und über wen sie gehalten werden soll ? das ist ja eben der Spaß dabei , davon lassen gewisse Leute sich nichts träumen . Die werden sich wundern ! lachte er frohlockend in sich hinein . Dann erzählte er sprachselig weiter , wie der Kaiser mit jener Revue , die zu Anfang des Sommers Statt haben solle , eine Art ländlicher Fête für die in jener Zeit zahlreich um ihn versammelte kaiserliche Familie zu verbinden beabsichtige . Ein großer Park in der Nähe jener Festung wurde zu diesem Zwecke eingerichtet ; sowohl der Kaiser selbst als seine hohen Gäste sollten in einzelnen , im Parke zerstreut liegenden Pavillons vertheilt , jeder mit seiner Dienerschaft für sich allein , die Nacht zubringen , und schon wurde Alles aufgeboten , diese Gebäude zu kleinen Feenpalästen umzuwandeln , in welchen der ausgesuchteste Luxus unter dem einfachen Scheine idyllischer Ländlichkeit , wie die Großen sie lieben , sich verbarg . Bei nächtlicher Zeit sollten in gemeine Soldaten verkleidete Verschworene in diesen , der Freude geweihten Aufenthalt einfallen ; dort sollte unter dem Alles verhüllenden Schleier der Dunkelheit das Gräßliche vollbracht werden ; ohne Schonung des edelsten unschuldigsten Blutes , waren dreizehn Opfer jener Nacht schon gezählt ; schaudernd wenden wir uns von diesen Gräuelbildern ab