die Punkte , von denen ausgelaufen wurde , zurückreiten , rannten lustig vor , standen aber dann auf den Stellen , über welchen ein Zauber zu brüten schien , wie angemauert still . Nachdem diese Vereitlungen sich drei- bis viermal wiederholt hatten , wurde einigen Reitknechten geheißen , die Hinterteile der Widerspenstigen mit Peitschenhieben zu bearbeiten , was offenbar nur für einen Ausbruch roher Leidenschaftlichkeit gelten konnte , denn man durfte doch unmöglich beabsichtigen , am Tage des Turniers die Kämpfer auf eine so lächerliche und unwürdige Weise von hinten flott zu machen . Auch halfen jene Hiebe nur insoweit , daß die Pferde ausschlugen , und beinahe einen der Züchtiger getroffen hätten ; vorne wichen und wankten sie nicht . Hierauf stiegen Caspar und Max ab , schleuderten unter lauten , landüblichen Flüchen ihre Lanzen weg , und setzten sich zum Enterbten , der seinerseits bei dem Anblicke dieser Hemmung wieder etwas heitrer zu werden begann . Demnächst ritten zwei andre Vettern , welche Konrad und Bernhard hießen . Deren Pferde blieben keineswegs stehen , schossen vielmehr , als ihre Herrn eben meinten , einander mit den Spitzen der Lanzen erreichen zu können , recht und links abspringend , vorbei , im wütenden Laufe über die niedrigen Schranken hinwegsetzend , grade auf die Tribünen zu . Da die Pfeilerbogen derselben nicht so hoch waren , daß ein ausgewachsner Mann zu Pferde darunter wegkommen konnte , so wären die Reiter verloren gewesen , wenn sie sich nicht rasch bügellos gemacht und zur Erde gelassen hätten . Glücklicherweise lag auf jeder Seite ein großer Haufen Sand , welcher noch umher verbreitet werden sollte . Auf diese natürlichen Betten stürzten die Jünglinge , und diese Sandhaufen waren es , welche ihr Leben retteten . Denn obgleich dem einen das Blut aus Mund und Nase quoll , und der andre mehrere Minuten betäubt dalag , so zeigte sich doch , als man die Helme abnahm , und die Panzer aufschnallte , außer einigen Quetschungen und Schrunden kein Schaden . Sie standen auf , der Betäubte zuletzt , gingen zum Enterbten , dem die Schadenfreude immer heller aus dem Gesichte leuchtete , begehrten kein Lanzenrennen weiter , sondern nur den Feldscherer , der denn auch bald nachher mit Bindzeug und Seifenspiritus ankam . Hermann sah die Herzogin die Hände ringen und suchte alles fernere Stechen und Tjosten zu hindern . Seine Zurufungen fruchteten aber nichts . Gleichsam als ob der Anblick der Gefahr etwas Verführerisches habe ! Die folgenden sechs Paare stürzten sich nur noch heftiger in den Kampf . Bei ihnen nahmen Ungeschick und Zufall mannigfaltigere Gestalten an . Mehrere fielen ohne Umstände von den Pferden , einer stach , seine Lanze zu hoch führend , durch das Visiergitter des Gegners und bohrte diesem beinahe das Auge aus , etliche rannten so zusammen , daß , wie sie sich nachmals ausdruckten , ihre Rippen knackten . Auch die armen Tiere , welche nicht so geschickt , wie ihre Vorgänger , die Kämpfe des Mittelalters zu vermeiden wußten , litten , denn zwei Pferde wurden lahm und eins brach im Niedersitzen auf die Kruppe , einen Fuß . Kurz , es wurde offenbar , daß weder Rosse noch Reiter zu dem Ritterspiele paßten . Es waren noch vier Paare übrig , und grade die gewandtesten ; lauter Kavallerie-Offiziere . Obgleich diese mit bedenklichen Blicken das Schlachtfeld überschauten , so machten sie sich doch auch fertig , Wunden und Beulen zu gewinnen . Da hörte Hermann mehrere Male seinen Namen überlaut rufen , wandte sich um , und sah die Herzogin leichenblaß neben der Droschke stehn . Sie winkte ihn ängstlich herbei , und er verfehlte nicht , dem Zeichen eiligst zu folgen , nachdem er den noch unversehrten Kämpfern geboten hatte , wenigstens bis zu seiner Rückkunft ihren Eifer zu mäßigen . Ein Strom von Tränen floß aus ihren Augen ; die armen feinen Lippen zitterten , sie war außer sich . Ohne der Menschen zu achten , welche sich in großer Anzahl versammelt hatten , der Waffenprobe zuzusehn , ergriff sie leidenschaftlich seine Hand , verwünschte das Turnier , den unseligen Domherrn , welcher es angegeben , den Arzt , der ihr nicht mit besserem Rate beigestanden , Wilhelmi , dem Grillen lieber wären , als die Angelegenheiten seiner Freunde ; rief , daß wenn Hermann im Schlosse geblieben wäre , er es ihr ausgeredet haben würde . Augenblicklich sollten Schranken und Gerüste abgebrochen werden , denn sie wolle nicht eine zweite Angst , wie die heutige , erleben . Hermann gab ihr die heiligsten Versichrungen , daß niemand an Leib und Leben geschädigt sei , daß es doch noch zu einem schönen gefahrlosen Feste kommen solle , und daß er schon einen Gedanken darüber habe , den er ihr sofort mitteilen werde . Er hob sie sanft in den Wagen , und hieß den Kutscher auf der Stelle nach dem Schlosse fahren . Sie ruhte willenlos auf dem Sitze , ließ geschehen , was er anordnete , und bat ihn nur beim Wegfahren mit leiser Stimme , ja gleich nachzukommen . Er eilte zu den Edelleuten zurück und verkündete ihnen den Willen der Fürstin . Die noch nicht gekämpft hatten , waren im stillen zufrieden , daß es nicht dazu kommen sollte . Aber alle riefen : » Was wird nun aus unsren schönen Mänteln und Trikots , worin wir tanzen wollten ? « » Sie werden alle in Ihren Mänteln tanzen , es gibt doch ein Fest ! « versetzte Hermann zuversichtlich . » So ? « fragte der Enterbte höhnisch . » Wollen Sie etwa eine Freiredoute geben ? « Man warf die Rüstungen ab . Zwei Birutschen wurden vom Schlosse herbeigeschafft , in welche man die Wunden und Gequetschten lud . Langsam ritten die unversehrt Gebliebenen beiher . Die Reitknechte folgten mit den hinkenden Pferden an der Hand . Das , welches den Fuß gebrochen hatte , und jämmerlich stöhnte , blieb zurück . So sehr verunglückte eine Nachahmung