, so ist auch mitten in diesem tumultvoll scheinenden Leben , das zugleich sehr viel ruhige , müßig-einsame , ja langweilige Stunden bietet , für treuen und gründlichen Unterricht gesorgt . Ihr würdet unsere reitenden Grammatiker , unter welchen sogar einige Pedanten sind , aus diesen bärtigen und unbärtigen Centauren wohl schwerlich herausfinden . Euer Felix hat sich zum Italienischen bestimmt , und da , wie Ihr schon wißt , melodischer Gesang bei unsern Anstalten durch alles durchgreift , so solltet Ihr ihn in der Langweile des Hüterlebens gar manches Lied zierlich und gefühlvoll vortragen hören . Lebenstätigkeit und Tüchtigkeit ist mit auslangendem Unterricht weit verträglicher , als man denkt . « Da eine jede Region ihr eigenes Fest feiert , so führte man den Gast zum Bezirk der Instrumentalmusik . Dieser , an die Ebene grenzend , zeigte schon freundlich und zierlich abwechselnde Täler , kleine schlanke Wälder , sanfte Bäche , an deren Seite hie und da ein bemooster Fels hervortrat . Zerstreute , umbuschte Wohnungen erblickte man auf den Hügeln , in sanften Gründen drängten sich die Häuser näher aneinander . Jene anmutig vereinzelten Hütten lagen so weit auseinander , daß weder Töne noch Mißtöne sich wechselseitig erreichen konnten . Sie näherten sich sodann einem weiten , rings umbauten und umschatteten Raume , wo Mann an Mann gedrängt mit großer Aufmerksamkeit und Erwartung gespannt schienen . Eben als der Gast herantrat , ward eine mächtige Symphonie aller Instrumente aufgeführt , deren vollständige Kraft und Zartheit er bewundern mußte . Dem geräumig erbauten Orchester gegenüber stand ein kleineres , welches zu besonderer Betrachtung Anlaß gab ; auf demselben befanden sich jüngere und ältere Schüler , jeder hielt sein Instrument bereit , ohne zu spielen ; es waren diejenigen , die noch nicht vermochten oder nicht wagten , mit ins Ganze zu greifen . Mit Anteil bemerkte man , wie sie gleichsam auf dem Sprunge standen , und hörte rühmen : ein solches Fest gehe selten vorüber , ohne daß ein oder das andere Talent sich plötzlich entwickele . Da nun auch Gesang zwischen den Instrumenten sich hervortat , konnte kein Zweifel übrigbleiben , daß auch dieser begünstigt werde . Auf eine Frage sodann , was noch sonst für eine Bildung sich hier freundlich anschließe , vernahm der Wanderer : die Dichtkunst sei es , und zwar von der lyrischen Seite . Hier komme alles darauf an , daß beide Künste , jede für sich und aus sich selbst , dann aber gegen- und miteinander entwickelt werden . Die Schüler lernen eine wie die andre in ihrer Bedingtheit kennen ; sodann wird gelehrt , wie sie sich wechselsweise bedingen und sich sodann wieder wechselseitig befreien . Der poetischen Rhythmik stellt der Tonkünstler Takteinteilung und Taktbewegung entgegen . Hier zeigt sich aber bald die Herrschaft der Musik über die Poesie ; denn wenn diese , wie billig und notwendig , ihre Quantitäten immer so rein als möglich im Sinne hat , so sind für den Musiker wenig Silben entschieden lang oder kurz ; nach Belieben zerstört dieser das gewissenhafteste Verfahren des Rhythmikers , ja verwandelt sogar Prosa in Gesang , wo dann die wunderbarsten Möglichkeiten hervortreten , und der Poet würde sich gar bald vernichtet fühlen , wüßte er nicht von seiner Seite durch lyrische Zartheit und Kühnheit dem Musiker Ehrfurcht einzuflößen und neue Gefühle , bald in sanftester Folge , bald durch die raschesten Übergänge , hervorzurufen . Die Sänger , die man hier findet , sind meist selbst Poeten . Auch der Tanz wird in seinen Grundzügen gelehrt , damit sich alle diese Fertigkeiten über sämtliche Regionen regelmäßig verbreiten können . Als man den Gast über die nächste Grenze führte , sah er auf einmal eine ganz andere Bauart . Nicht mehr zerstreut waren die Häuser , nicht mehr hüttenartig ; sie zeigten sich vielmehr regelmäßig zusammengestellt , prächtig und schön von außen , geräumig , bequem und zierlich von innen ; man ward hier einer unbeengten , wohlgebauten , der Gegend angemessenen Stadt gewahr . Hier sind bildende Kunst und die ihr verwandten Handwerke zu Hause , und eine ganz eigene Stille herrscht über diesen Räumen . Der bildende Künstler denkt sich zwar immer in Bezug auf alles , was unter den Menschen lebt und webt , aber sein Geschäft ist einsam , und durch den sonderbarsten Widerspruch verlangt vielleicht kein anderes so entschieden lebendige Umgebung . Hier nun bildet jeder im stillen , was bald für immer die Augen der Menschen beschäftigen soll ; eine Feiertagsruhe waltet über dem ganzen Ort , und hätte man nicht hie und da das Picken der Steinhauer oder abgemessene Schläge der Zimmerleute vernommen , die soeben emsig beschäftigt waren , ein herrliches Gebäude zu vollenden , so wäre die Luft von keinem Ton bewegt gewesen . Unserm Wanderer fiel der Ernst auf , die wunderbare Strenge , mit welcher sowohl Anfänger als Fortschreitende behandelt wurden ; es schien , als wenn keiner aus eigner Macht und Gewalt etwas leistete , sondern als wenn ein geheimer Geist sie alle durch und durch belebte , nach einem einzigen großen Ziele hinleitend . Nirgends erblickte man Entwurf und Skizze , jeder Strich war mit Bedacht gezogen , und als sich der Wanderer von dem Führer eine Erklärung des ganzen Verfahrens erbat , äußerte dieser : die Einbildungskraft sei ohnehin ein vages , unstätes Vermögen , während das ganze Verdienst des bildenden Künstlers darin bestehe , daß er sie immer mehr bestimmen , festhalten , ja endlich bis zur Gegenwart erhöhen lerne . Man erinnerte an die Notwendigkeit sicherer Grundsätze in andern Künsten . » Würde der Musiker einem Schüler vergönnen , wild auf den Saiten herumzugreifen oder sich gar Intervalle nach eigner Lust und Belieben zu erfinden ? Hier wird auffallend , daß nichts der Willkür des Lernenden zu überlassen sei ; das Element , worin er wirken soll , ist entschieden gegeben , das Werkzeug , das er zu handhaben hat , ist ihm eingehändigt , sogar die Art und Weise ,