fünf Hemden habe und darunter sei eins noch stark zerrissen und nicht einmal geflickt , ihre Schürzen wären aber ganz unbedeutend . » Aber sag nur « , fragte Anna , die eigentlich aus Gewohnheit gern den Mägden zuhörte , » wie habt ihr euch so verfeindet , ihr beiden Schwestern , nachdem ihr hier bloß darum in Dienst getreten , weil ihr so nahe beisammen wohnt . « - Das Mädchen wollte die Ursache nicht sagen , ihre Schwester sei aber an allem schuld , sie wolle ihr aber alles gebrannte Herzeleid antun . - Anna gebot Frieden , aber das half nur gegen schnellen Ausbruch der Feindseligkeiten . Jeden Morgen früh war immer ein dumpfes Schelten der beiden Schwestern am Brunnen , wenn sie früh Wasser holten , ein Keifen , als ob es an Wasser fehle , und doch lief dies im Überfluß . Berthold schalt einmal , als er spät Abends zu Apollonien gehen wollte , daß so viel Wirtschaftsgerät , Eimer , Töpfe und Kupfergeschirr am Brunnen gestanden , er sei darüber gefallen . Verena machte daraus eine seltsame Historie , erzählte Annen , ihr Mann gehe Abends , wenn sie ihn im Garten beschäftigt glaube , gar heimlich zu Frau Apollonien , so daß es Annen gar heiß überlief , sie konnte mit ihrer Mutter nicht mehr frei und offen sprechen . Darauf hörte sie in der Stadt , daß von einem Kobold die Rede sei , der an ihrem Brunnen alles Geschirr reinige , aber auch sehr bösartig sei , wenn einer ihn störe . Sie befragte Berthold , der lachte über das Märchen , er sei so oft am Brunnen gewesen . Verena aber winkte mit den Augen bei dieser Aussage ihrer Herrin und berichtete beim Ausziehen , der Herr poltere oft so spät bei den Geschirren am Brunnen herum , da hielten die Leute ihn für einen Kobold und hätten schon in der Stadt ausgebracht , sie und ihre Schwester hätten sich wegen des Kobolds entzweit , wenn er nicht allen beiden die Arbeit abnehmen wolle , er gehöre nur zum Hause des Bertholds und die Schwester setze immer ihre Gerätschaften unter die ihren , aber das sei Lüge , und rief alle Heiligen zu Zeugen , daß sie sich mit keinem Kobold abgebe . Sabina quälte mit ihrer Zänkerei die Frau Apollonia weniger , weil diese strenger war , sie nistete sich aber auf feinere Art ein . Apolloniens Zärtlichkeit zu Berthold glaubte jetzt , wo er ihr als Schwiegersohn verbunden , keines Zaums zu bedürfen , sie äußerte ihm gern ihr Wohlwollen durch jedes gute Zeichen , nahm jedes von ihm an , fand auch darin einen Ersatz , als es ihr schien , daß die Tochter von ihr unabhängig sei , sie weniger aufsuche und andre Gesellschaft vorziehe . Sabina erfand sich eine Menge Freundlichkeiten von Berthold , die sie der Frau berichtete und ihr schmeichelte , am Abend aber die Schwester damit zu ärgern . Das alles erfuhr Anna , nachdem es kaum einen halben Tag ersonnen oder mißdeutet war , und machte die Stolze ihrem Berthold auch keine Vorwürfe , so spottete sie doch wohl gegen ihn über die Mutter und Berthold verteidigte sie mit Wärme und sagte wohl noch mehr , als er eigentlich glaubte , eben weil ihn die unerklärliche Härte in der Tochter ärgerte . Ein Zufall reifte die Stacheln an der Hecke zwischen beiden Häusern . Apollonia war in ihrer Arbeit sehr emsig , obgleich sie es jetzt nicht mehr bedurfte , nun ein gutes Vermögen mütterlicher Seite ihr zugefallen war . Es brach ihr spät am Webstuhle etwas in dem Kamme , sie schickte Sabina damit zum Verfertiger , daß er es gleich in Ordnung bringe . Es sieht manches wie eine kleine Arbeit dem aus , der sie nicht zu machen versteht . Die Arbeit verspätete sich , die Nacht war dunkel heiß und Apollonia ging selbst ungefähr gegen Mitternacht an den Brunnen , um ihren Henkelkrug zu füllen . Sie nahte sich ohne Absicht leise , denn sie ging bequem und stand nicht ohne Schauder neben einer großen Gestalt , die am Brunnen auf etwas zu warten schien . Kaum hatte sie den Entschluß gefaßt , dies unheimliche Wesen ein wenig zu betrachten , ehe sie entliefe , so wurde ihr der Mond günstig , trat hervor und beschien einen blonden , herrlichen Lockenkopf , der im Augenblicke nach dem Garten Bertholds entsprang . Die Angst und die Besonnenheit geboten ihr zu schweigen , es war Anton , sie konnte nicht zweifeln . Was wollte er so spät ? Berthold war in einem Geschäfte ausgereist , Anna hatte sich den Abend verleugnen lassen . Sie wurde wieder irre an dem guten Glauben , den sie den Entschuldigungen der Tochter am Hochzeitmorgen geschenkt hatte ; ihre Qual war groß , denn ihre Rechtlichkeit war unerbittlich strenge . Sie gewann es über sich , nicht laut zu werden , es fiel ihr ein , daß Berthold von einer Reise nach Hohenstock gesprochen . Sie glaubte , daß sein guter Geist ihm den Rat eingegeben hätte , und beschloß ernstlich , mit allem ihren Einflusse auf ihn , dies Unternehmen zu fördern . Anton , denn er war es wirklich gewesen , hatte nicht geringeren Schrecken über Frau Apollonia , als diese über ihn erfahren , er meinte sich schon beim Meister angeklagt und bestraft . Die Bosheit der Frau , als er damals so unschuldig in Annens Zimmer gekommen , ließ ihn viel schlimmere Bosheit ahnden , nun er in gewissem Sinne schuldig war . Er war wirklich der Kobold , der da nächtlich am Brunnen die Geschirre reinigte , was den beiden nachlässigen Mägden zu beschwerlich war . Er hatte sie in den Vorbereitungen der Hochzeit kennen gelernt und war in dem Drange der Arbeiten für seine Hülfe in der wohlbesetzten Küche von ihnen gelohnt worden . Für diesen Preis setzte er bei dem teuflischen Geize des Meisters , der