ferner Zauberwelt . » Wo bin ich denn , « rief ich voll Entzücken aus , » haben mich die Heiligen gewürdigt , in einem Himmelslande zu wohnen ? « Der Geistliche lächelte wohlbehaglich , indem er sprach : » Ihr seid in Italien , mein Bruder , in Italien ! « - Meine Verwunderung wuchs bis zum höchsten Grade , ich drang in den Geistlichen , mir genau die Umstände meines Eintritts in dies Haus zu sagen , er wies mich an den Doktor . Der sagte mir endlich , daß vor drei Monaten mich ein wunderlicher Mensch hergebracht und gebeten habe , mich aufzunehmen ; ich befände mich nämlich in einem Krankenhause , das von Barmherzigen Brüdern verwaltet werde . Sowie ich mich mehr und mehr erkräftigte , bemerkte ich , daß beide , der Arzt und der Geistliche , sich in mannigfache Gespräche mit mir einließen und mir vorzüglich Gelegenheit gaben , lange hintereinander zu erzählen . Meine ausgebreiteten Kenntnisse in den verschiedensten Fächern des Wissens gaben mir reichen Stoff dazu , und der Arzt lag mir an , manches niederzuschreiben , welches er dann in meiner Gegenwart las und sehr zufrieden schien . Doch fiel es mir oft seltsamlich auf , daß er , statt meine Arbeit selbst zu loben , immer nur sagte : » In der Tat ... das geht gut ... ich habe mich nicht getäuscht ! ... wunderbar ... wunderbar ! « Ich durfte nun zu gewissen Stunden in den Garten hinab , wo ich manchmal grausig entstellte , totenblasse , bis zum Geripp ausgetrocknete Menschen , von Barmherzigen Brüdern geleitet , erblickte . Einmal begegnete mir , als ich schon im Begriff stand , in das Haus zurückzukehren , ein langer , hagerer Mann , in einem seltsamen erdgelben Mantel , der wurde von zwei Geistlichen bei den Armen geführt , und nach jedem Schritt machte er einen possierlichen Sprung und pfiff dazu mit durchdringender Stimme . Erstaunt blieb ich stehen , doch der Geistliche , der mich begleitete , zog mich schnell fort , indem er sprach : » Kommt , kommt , lieber Bruder Medardus ! das ist nichts für Euch . « - » Um Gott , « rief ich aus , » woher wißt Ihr meinen Namen ? « - Die Heftigkeit , womit ich diese Worte ausstieß , schien meinen Begleiter zu beunruhigen . » Ei , « sprach er , » wie sollen wir denn Euern Namen nicht wissen ? Der Mann , der Euch herbrachte , nannte ihn ja ausdrücklich , und Ihr seid eingetragen in die Register des Hauses : Medardus , Bruder des Kapuzinerklosters zu B. « - Eiskalt bebte es mir durch die Glieder . Aber mochte der Unbekannte , der mich in das Krankenhaus gebracht hatte , sein , wer er wollte , mochte er eingeweiht sein in mein entsetzliches Geheimnis ; er konnte nicht Böses wollen , denn er hatte ja freundlich für mich gesorgt , und ich war ja frei . - Ich lag im offnen Fenster und atmete in vollen Zügen die herrliche , warme Luft ein , die , durch Mark und Adern strömend , neues Leben in mir entzündete , als ich eine kleine , dürre Figur , ein spitzes Hütchen auf dem Kopfe , und in einen ärmlichen erblichenen Überrock gekleidet , den Hauptgang nach dem Hause herauf mehr hüpfen und trippeln als gehen sah . Als er mich erblickte , schwenkte er den Hut in der Luft und warf mir Kußhändchen zu . Das Männlein hatte etwas Bekanntes , doch konnte ich die Gesichtszüge nicht deutlich erkennen , und er verschwand unter den Bäumen , ehe ich mit mir einig worden , wer es wohl sein möge . Doch nicht lange dauerte es , so klopfte es an meine Türe , ich öffnete , und dieselbe Figur , die ich im Garten gesehen , trat herein . » Schönfeld , « rief ich voll Verwunderung , » Schönfeld , wie kommen Sie her , um des Himmels willen ? « - Es war jener närrische Friseur aus der Handelsstadt , der mich damals rettete aus großer Gefahr . » Ach - ach , ach ! « seufzte er , indem sich sein Gesicht auf komische Weise weinerlich verzog , » wie soll ich denn herkommen , ehrwürdiger Herr , wie soll ich denn herkommen anders , als geworfen - geschleudert von dem bösen Verhängnis , das alle Genies verfolgt ! Eines Mordes wegen mußte ich fliehen ... « » Eines Mordes wegen ? « unterbrach ich ihn heftig . - » Ja , eines Mordes wegen , « fuhr er fort , » ich hatte im Zorn den linken Backenbart des jüngsten Kommerzienrates in der Stadt getötet und dem rechten gefährliche Wunden beigebracht . « - » Ich bitte Sie , « unterbrach ich ihn aufs neue , » lassen Sie die Possen , sein Sie einmal vernünftig und erzählen Sie im Zusammenhange oder verlassen Sie mich . « - » Ei , lieber Bruder Medardus , « fing er plötzlich sehr ernst an ; » du willst mich fortschicken , nun du genesen , und mußtest mich doch in deiner Nähe leiden , als du krank dalagst und ich dein Stubenkamerad war und in jenem Bette schlief . « - » Was heißt das , « rief ich bestürzt aus , » wie kommen Sie auf den Namen Medardus ? « - » Schauen Sie « , sprach er lächelnd , » den rechten Zipfel Ihrer Kutte gefälligst an . « Ich tat es und erstarrte vor Schreck und Erstaunen , denn ich fand , daß der Name Medardus hineingenäht war , sowie mich bei genauerer Untersuchung untrügliche Kennzeichen wahrnehmen ließen , daß ich ganz unbezweifelt dieselbe Kutte trug , die ich auf der Flucht aus dem Schlosse des Barons von F. in einem hohlen Baum verborgen hatte . Schönfeld bemerkte meine innere Bewegung , er lächelte ganz seltsam ; den Zeigefinger