nahm das Anerbieten mit Vergnügen an , und beschrieb mit großem Anteile in einem versiegelten Briefe , den sie ihm für die Schwester übergab , die Freude an dem liebenswürdigen Verwandten : sie schätze sie glücklich , wenn der Herzog diesem Vetter auch nur nach gewöhnlicher Familienähnlichkeit sich nähere . Mit vielem Stolz zeigte ihn die Gräfin ihren Bekannten ; dem Grafen wußte er sich durch ein gefälliges Anschmiegen an seine Ideen eben so wert zu machen ; der Graf meinte sie schon in ganz Spanien realisiert und arbeitete Tage lang , ihm alles recht klar und deutlich aufzuschreiben , was er von allem in jenem Himmelsstriche für anwendbar halte . Schon darum war er es sehr zufrieden , als die Gräfin den widersträubenden Marchese fast zwang in ihr Haus zu ziehen : so konnte er mit ihm kürzlich diese Vorschläge durchgehen und sich über Lokalverhältnisse unterrichten . Der Marchese kannte alles , ja er vertraute dem Grafen unter dem Siegel der Verschwiegenheit , daß er von einer Gesellschaft , an deren Spitze der Friedensfürst stehe , abgesendet worden , alle Kultur der andern europäischen Staaten unbemerkt in das Land zu bringen , so daß die schweren Ketten des Vorurteils und der Gewohnheit unbemerkt nicht gebrochen , sondern verrostet , von sich selbst zerfallen würden . Bald kam die Zeit , wo Graf Karl mit den Seinen wieder aufs Land ziehen wollte ; der Marchese konnte sich wegen seiner geheimen diplomatischen Verrichtungen nicht von der Stadt entfernen , und die Gräfin , des Landlebens schon im voraus überdrüssig , täglich geschmeichelt durch neue Feste des Marchese , der sinnreich auch das Unbedeutendste geltend machen konnte , das Geld nie sparte , das Ausländische erhob , ohne das Inländische herabzusetzen , einen Fandango mit einem Walzer schloß , spanische Trachten den Frauen schneiderte und anpaßte und Deutsch von ihnen lernte : die Gräfin konnte sich nicht losreißen von ihm und eine kleine Kränklichkeit ihres Kindes gab den Grund , die Entfernung von einem geschickten Stadtarzte zu bedauern . Der Graf kannte zu genau den melancholischen Zug , den die meisten Schlösser des Landadels tragen , eingeprägt durch die Einsamkeit , welche notwendig aus der verschiedenen Bildung des Landvolkes hervorgeht , ja es war der eigentliche Geist seines Strebens , durch eine bessere Erziehung der Landjugend und selbst durch deren Rückwürkung auf die Eltern den echten Fortschritt der Zeit allgemein zu machen , und also die verschiedenen Stände in einen natürlichen Austausch ihrer Gedanken in gleicher Sprache wieder gesellig einander zu nähern , wie noch vor funfzig Jahren in vielen Gegenden Deutschlands Herren , und Diener an einem Tische mit einander aßen und außer der Beschäftigung keinen Unterschied an einander kannten . Die Freude und die Gesundheit von Frau und Kind lagen ihm näher als seine eigenen Wünsche ; er sah sie in der Stadt so heiter , wie er sie noch nie gekannt . Er selbst bat sie , in der belebten Stadt , wo sich alles nach geschlossenem Frieden neu begrüßte , noch einige Wochen zurückzubleiben , auch wollte er sie dann durch einen neuen Garten , den er in einem Walde entworfen , überraschen ; sie nahm diesen Vorschlag mit Weigerung an , sprach von ihrer Pflicht bei ihm zu bleiben , aber er drang aus Liebe darauf und so entfernte er sich von ihr seit ihrer Verheiratung zum ersten Male auf längere Zeit . Auch Liebe tut oft zu viel , auch sie kann irren . Viertes Kapitel Der Graf reist allein aufs Land Welche schöne Ewigkeit lebt in einer treuen Seele , als er allein auf seinem Gute seine Arbeit beschleunigte , nach wilden Vögeln jagte , nach Adlern , Falken und Geiern , die seine Singvögel störten ; ihm war so alles noch gegenwärtig , wie er als Knabe bei solcher Jagd sich erfreut , wie es ihn so unwiderstehlich über die Berge getrieben , wie er die Falken an die Türe seines Gärtchens angenagelt hatte , und sich als einen Beschützer der Unschuld und des Rechts geträumt . Wie er dann befriedigt die Schätze der dunkelen Erde aufgewühlt , sie ruhig besät und bepflanzt habe , feurig in der Lust seiner Kraft , welche den Spaten Stoß auf Stoß durch den tückischen Bau der Regenwürmer trieb , daß er wie ein Schlangentöter unter dem ringelnden Gewürme stand . Und neben diesem ersten Heldentume stand noch so fest in tiefer Seele die ganze Gegenwärtigkeit erster hoffender Liebe : wie ihm Dolores als Student bei jedem Glockenklange vorgeschwebt ; der Genuß hatte ihm nichts geraubt , er hatte nur dadurch an Erinnerungen gewonnen ; kein Augenblick war ihm leer und was ihn quälte , war allein , daß nicht gleich alles fertig war : Wege , Baumgänge , Denkmale , die er im Geiste schon deutlich sah ; daß er mit Händen nicht greifen konnte die Geliebte , die so deutlich ihm vorschwebte . In solcher Stimmung , wo die Idee sich nicht mit der Idee begnügen will , sondern ungeduldig die Wirklichkeit sucht , schweifte er jagend über den Bergwald und verweilte am liebsten bei den Riesensteinen , die ein untergegangener heiliger Dienst errichtet hatte . Dort grub er in einem Hünengrabe nach dem Nachlasse eines Helden , von dem er endlich nichts mehr fand und kennen lernte , als die Asche in einem zerbrochenen Kruge , dabei eine Streitaxt , silberne Armringe und wenige erbeutete Münzen ; neben ihm einen Aschenkrug , dessen Spindelstein und Ohrenspangen seines Weibes Schönstes und Liebstes , was sie in ihrem Leben gebraucht und getragen , bezeichnete ; rings die Tränensammler leer und ausgetrocknet , - sehr rührend , noch ein Zeichen der Liebe und guten Zusammenlebens aus Zeiten und Völkern , von denen wir , wie von untergegangenen Tiergeschlechtern , nur riesenhafte Knochen haben , und die doch vielleicht unsre Voreltern waren . Mit heiliger Scheu nahete er sich diesen vergessenen Denkmälern ; statt mit voreiliger Neugierde alles herauszureißen , und in irgend einer Sammlung mit andern Kuriositäten zu