Gefühl der allgegenwärtigen Gottheit , die das Moos am Baume mit eben der Weisheit schuf , als das Auge des Beobachters , und den denkenden Geist , der fähig ist , diese Betrachtungen anzustellen . Der einige , allwissende , allmächtige Schöpfer erfüllet das Ganze , sein Hauch schwebt in den säuselnden Lüften um uns , seine väterliche Fürsorge offenbaret sich in dem Instinkte jedes Thiers , dem Bau jedes Nestes . Scheint dir dieser Ersatz zu gering für jene fabelhaften Wesen ? Und warum bemühest du dich , dem Glauben an sie einen neuen Sinn unterzuschieben ? Laß sie entfliehen mit dem Strom der Zeit , der sie der Vergangenheit zuträgt - sie gehören nicht mehr in unser Zeitalter . Ein neues besseres System steht da , die Menschheit soll es ergreifen , oder es ergreift sie mit mächtigem Arm ; denn es ist ein Kind des Geistes der Zeit , und unwiderstehlich wie er . Noch habe ich einen Einwurf zu beantworten . Das Christenthum , sagst du , ist den Künsten nicht günstig . Ein Theil der Antwort liegt schon im Vorhergehenden . Das Zeitalter ist ihnen ungünstig . Es ist wahr , das Christenthum duldet nicht Bilder und Zeichen desjenigen , der weit über alle Vorstellung , über jeden Begriff erhaben ist . Schließen doch selbst die wilden Germanier ihre Gottheit nicht in Tempel , als in eine unwürdige Beschränkung ein : so darf und muß der Christ auch seinen Gott auf die höchste , reinste Weise verehren . Aber das Rad der Veränderung wälzt sich unablässig fort , und der menschliche Geist steht nie stille . Es werden Zeiten kommen , wo in sicherer Ruhe der thätige Trieb sich erfindend , bildend entfalten wird . Wenn einst nach Jahrhunderten die Stürme vertobt haben , deren Beginn wir nun erleben , wenn alle wilden Nationen , die jetzt über die gesittete Welt hereinzubrechen , und Cultur , Künste , Wissenschaft und Ordnung zu stürzen drohen , sich unter einander bekämpft , verjagt , und blutig aufgerieben haben werden : dann wird in dem allgemeinen Schrecken nur die Religion allein aufrecht stehen , sie wird das Heiligste und Höchste des Menschen bewahren , sie wird dem Uebermuth roher Barbaren Ehrfurcht gebieten , ihre sanfte Macht der wilden Gewalt das Gleichgewicht halten , in die Hallen ihrer Tempel werden sich Künste und Wissenschaften vor dem Sturm retten , und wenn es auf dem müden Erdkreis stille geworden , wird ein schönerer Tag aus ihnen über die neugeborne Welt hervorgehen . Leb ' wohl ! Fußnoten 1 Als das Volk in den ersten Zeiten der Republik einst gegen den Senat und die Reichen aufgebracht war , und sich außer Rom auf einem Berge gelagert hatte , brachte es der Consul Menenius Agrippa durch die bekannte Fabel von dem Magen und den Gliedern des Leibes wieder zur Ordnung , und in die Stadt zurück . 60. Marcius Alpinus an Lucius Scribonianus . Nicäa , im December 302 . Du willst Nachrichten , Neuigkeiten von mir hören . Was , bei allen Göttern , soll ich dir aus diesem Neste von Stadt schreiben ? Es geht Alles seinen langsamen regelmäßigen Gang fort , und da eine große Anzahl der hiesigen Einwohner Christen sind , so ist dieser Gang so stille und erbaulich , daß Jemand , der aus einem raschern abwechselndern Leben kömmt , hier Gefahr läuft , vor langer Weile zu sterben . Zwei Monate bin ich hier - sie dünken mich zwei Jahre - und bin entschlossen , nicht mehr lange hier zu seyn . Es bereiten sich wichtige Vorfälle im Stillen vor , es sind viele Hände geschäftig . Daß meine Freunde unter der Zahl sind , ist natürlich . Aber nicht allein , was für mich gethan wird , soll mir zum Nutzen gereichen , auch was meine Feinde wider mich zu thun meinen , soll sich unter ihren Händen in Waffen gegen sie verkehren . Man hat mich vom Hofe entfernt , und glaubt mich auch von jeder Einwirkung entfernt zu haben . Ich lasse sie bei dem Glauben , der sie vergnügt und sicher macht , und spiele hier die Rolle des gestürzten Günstlings mit Anstand und Demuth . Galerius kann meiner nicht entbehren , das weiß ich . Constantin haßt mich , und braucht mich vielleicht doch einst . Diocletian ist ein untergehendes Gestirn . Die Christen arbeiten in Geheim für sich , Galerius offenbar gegen sie , der Augustus schwankt , - ein böses Anzeichen bei einem Manne , der sonst den Zweifel nicht kannte . Eine Partei muß siegen . Es kommt nur darauf an , sich die Hände so frei zu erhalten , daß man sie zur rechten Zeit ohne Schande ergreifen kann , und dafür wollen wir sorgen . Du willst wissen , was ich von Galerius Maaßregeln gegen die Christen denke ? Sie scheinen mir , wo nicht ganz zwecklos , doch zweckwidrig . Sollte es möglich seyn , die christliche Religion auszurotten , woran ich je mehr und mehr zweifle , nicht aus Achtung für sie - eine solche Abgeschmacktheit wirst du mir nicht zutrauen - sondern weil ich sie zu fest begründet glaube : so müßte es nicht mit offenbarer Gewalt geschehen . Verfolgung , Strafen , Gefahren exaltiren solche Menschen noch mehr , sie machen sie eigensinnig , unüberwindlich . Von innen , in ihren edelsten Theilen müßte diese Secte angegriffen , in sie der Keim des Verderbens gelegt werden , der dann den ganzen Körper langsam vergiften , und zur Auflösung bereit machen könnte . Aber ein solches Mittel wird ein Mensch , wie Galerius , nie ergreifen . Constantin wird eine bedeutende Rolle spielen , die Natur hat ihn dazu bestimmt , er kann nicht untergeordnet bleiben , und es ist ein sicheres Zeichen seines Scharfblickes , daß er es mit den Christen hält , und also den Geist der Zeit für sich hat . Das ist auch wohl bei einem so klugen Mann