Seligkeit . Wie Himmelsblumen werden oft Träume durch die Menschennacht getragen , und am Tageslicht bezeichnet nur ein fremder Frühlingsduft die Spuren der verschwundenen . Die Sonne blitzte ihm reiner und näher , die Menschen sah er wie durch einen Traum der Trunkenheit schöner und werter gehen , und die Quellen der Nacht hatten seine Brust mit so viel Liebe vollgegossen , daß er nicht wußte , wohin er sie leiten sollte . Zu Papier sucht ' er sie anfangs zu bringen , aber kein Streckvers und kein Kapitel gelang . Er hatte einen Tag wie nach einer vertanzten Nacht : man will nichts machen als höchstens Träume , und auch nicht anderes haben - alles soll sanft sein , sogar die Freude - sie soll nicht mit Windstößen an den Flügeln reißen , still sollen die ausgestreckten Schwingen das dünne Blau durchschneiden und durchsinken - nur Abendlieder will der Mensch sogar am Morgen , aber kein einziges Kriegslied , und ein Flor , aber ein hellgefärbter , bezieht und dämpft die Trommel des Erden-Tobens . Walt konnte nichts anders machen - » nur heute kein Instrument , das gebe Gott ! « wünschte er - als einen Spaziergang in das van der Kabelsche Hölzchen , das er einst erben kann , und wo er den entfremdeten Grafen zum erstenmale auf der Erde gesehen . Um ihn flogen , gingen , standen Träume aus tiefen Jahrhunderten - aus Blüten- und Blumenländern - aus Knabenzeiten - ja ein Träumchen saß und sang im spannenlangen grünen Weihnachts-Gärtchen der Kindheit , das sich der kleine Mensch auf vier Rädern am Faden nachzieht . Siehe , da bewegte vom Himmel sich ein Zauberstab über die ganze Landschaft voll Schlösser , Landhäuser und Wäldchen und verwandelte sie in eine blütendicke Provence aus dem Mittelalter . In der Ferne sah er mehrere Provenzalen aus Olivenwäldern kommen - sie sangen heitere Lieder in heiterer Luft - die leichten Jünglinge zogen voll Freude und voll Liebe mit Saitenspielen in die Täler vor hohe goldbedeckte Burgen auf fernen Bergspitzen - aus den engen Fenstern sahen ritterliche Jungfrauen herunter - sie wurden herabgelockt und ließen in den Auen Zelte aufspannen , um mit den Provenzalen ein Wort zu reden ( wie in jenen Zeiten und Ländern , wo die Erde noch ein leichtes Lustlager der Dichtkunst war , und der Troubadour , ja der Conteur sich in Damen höchsten Standes verlieben durfte ) - und ein ewiger Frühling sang auf der Erde und im Himmel , das Leben war ein weicher Tanz in Blumen . » Süße Freudentäler hinter den Bergen « , sang Walt , » ich möchte auch hinüberziehen in das morgenrote Leben , wo die Liebe nichts verlangt als eine Jungfrau und einen Dichter - ich möchte drüben in wehender Frühlingsluft mit einer Laute zwischen den Zelten mitgehen und die stille Liebe singen und schnell aufhören , wenn Wina vorbeiginge . « Darauf kehrte Walt in sein Kämmerchen zurück , fand aber , mit seiner geographischen und historischen Provence in der Brust , so wenig Platz darin , daß er mit einiger Kühnheit - denn die Poesie hatt ' ihn sehr gleich und frei gemacht - in Neupeters Park hinabspazierte , wo er Floren , mit Früchten wie eine Pomona beschwert , in den Wurf kam und die Hand gab . Dem Dichter glänzet die ganze Welt , doch aber eine herzogliche , königliche Krone matter als ein schöner weiblicher Kopf unter Krone und Herzogshut , oder als ein anderer , der nichts aufhat als den Himmel über sich ; er ist bescheiden , wenn er einer Fürstin , und aufgerichtet , wenn er einer Hirtin die Hand gibt ; nur zu den Vätern beider lässet er sich oft gar nicht herab . In einer Laube fand er ein Strumpfhand . Ein italischer Vers - denn Raphaela verstand welsch , obwohl er nicht - und ihr Name war darauf gestickt . Da er an diesem geistigen Morgen merkte , daß er einen provenzalischen Ritter und Poeten zugleich in sich verbinde : so faßt ' er den freien Entschluß , das Strumpfband - denn er hielts für ein Armband - selber Raphaelen , die er brieflesend schleichen sah , mit einigen bedeutenden Worten zu überreichen . Er legte das Band weich vorn auf die flache Hand wie auf einen Präsentierteller und trug es ihr zart mit der Wendung entgegen die er aus vielen andern über weltlichen Arm und Arm aus den Wolken ausgelesen - : er sei so glücklich gewesen , ein schönes Band der Liebe zu finden , eine Sehne an Amors Bogen , gleichsam den größern Ring an schöner Hand , und er wisse nicht , wer glücklicher sei , der , so ihn abzöge , oder der ihn anlegte . Raphaela errötete beschämend-verschämt , nahm das Band , steckt ' es schnell ein und ging stumm fort ; Walt dachte : fast ein gar zu zartes Gemüt ! Er brachte noch viel von seiner Morgenfreude an die Wirtstafel : als er zu seinem Erstaunen da erfuhr - was er schon längst gewußt - , daß an der Juden-Vigilie , am Freitag , die Katholiken fasteten . Er legte Messer und Gabel neben den Teller hin . Keinen Bissen - und wär ' er aus dem Reichs-Ochsen in Frankfurt bei der Kaiserkrönung ausgeschnitten gewesen - hätt ' er noch an die Zunge heben können . » Ich will nicht köstlich schwelgen « , dachte er - betagtes Vakzinefleisch war aufgesetzt - , » in der Stunde , wo eine so wohlwollende Seele wie Wina darben muß . « Wie eine Ehefrau hatte er bei der Gleichgültigkeit gegen eigene Eß-Entbehrungen ein weinendes Erbarmen über fremde . Er dachte nach und fand es immer härter , daß die Kirche auch Nonnen fasten ließe , nicht die Mönche allein ; da es vielleicht schon genug wäre , wenn nur Spitzbuben , Spieler , Mörder nichts Rechts zu essen hätten . Er ging in die Kopierstube zum General , nicht