Demuth gebeugt hatte . An der jungen , kaum neunzehnjährigen Frau an seiner Seite waren die drei Jahre fast spurlos vorübergegangen . Die langen braunen Locken wallten noch wie einst über Hals und Schultern , in den blauen Augen lächelte wieder das ganze sonnige Glück früherer Tage und das rosige Antlitz hatte den vollen Zauber der Kindlichkeit behalten , aber es lag doch ein Hauch von Ernst auf ihrem ganzen Wesen , der verrieth , daß sie jetzt wohl etwas Anderes kennen gelernt , als Kinderspiele und Kinderthorheiten , und daß sie keine unwürdige Gefährtin des Mannes sein werde , der nun wirklich gekommen war , sie „ mit hineinzureißen in sein Leben voll Kampf und Streit “ . Bruno hatte ihre Hand ergriffen und führte sie dem Pfarrer zu . „ Mein Weib ! “ sagte er einfach , aber es lag eine ganze Welt von Leidenschaft und Zärtlichkeit in dem einen Worte . „ Ich konnte nicht abreisen , Hochwürden , ohne Ihnen meine Lucie zuzuführen . Sie wollte mich nicht allein in ’ s Gebirge lassen , denn sie kann noch immer nicht vergessen , was mir einst hier drohte , und ich – “ er beugte sich zu ihr nieder und sah ihr tief in ’ s Auge , „ ich wäre auch schwerlich ohne sie gegangen ! “ In dem Gesichte des alten Pfarrers zeigte sich eine gewisse zaghafte Verlegenheit bei dieser Vorstellung ; für den katholischen Priester haftete doch noch immer etwas von einem Sacrilegium an dieser Vermählung des einstigen Mönches , als aber Lucie halb schüchtern , halb freundlich zu ihm aufblickte und ihm mit kindlicher Vertraulichkeit die Hand hinstreckte , da siegte das Herz des alten Mannes über alle priesterliche Bedenken , er faßte die Hand der jungen Frau und drückte sie herzlich in der seinen . „ Wir sind gestern noch bis A. gefahren , “ fuhr Bruno fort , „ um heute in aller Frühe hier zu sein und Sie möglichst unbemerkt aufsuchen zu können . Ihres freundlichen Empfanges war ich zwar sicher , aber ich möchte nicht , daß mein Besuch , wenn er bekannt würde , Ihnen Ungelegenheiten dem Stifte gegenüber bereitet . “ Der Greis lächelte . „ Fürchten Sie nichts ! Ich bin Jenen zu unbedeutend , als daß sie sich viel um mein Thun und Lassen kümmern sollten ; das geschah nur , so lange Sie unter meinem Dache weilten . Ueberdies wird das Regiment im Stifte nicht mehr mit der alten Strenge gehandhabt , es wird jetzt Manches geduldet , was früher nicht ungestraft hätte hingehen dürfen . “ „ Ich weiß es ! Mit dem Prälaten ist die eigentliche Seele des Klosters gewichen , dessen Macht sich jetzt reißend schnell ihrem Ende zuneigt . Daß jener mächtige Arm auch noch aus Rom herüberreichen kann , habe ich erfahren ! Manches Hemmniß , mancher Stein in meinem Wege kam unzweifelhaft von seiner Hand – es ist ihm dennoch nicht gelungen , mich unschädlich zu machen ! “ Er wandte sich nach dem Fenster und blickte hinaus auf die Häuser des Dorfes , in die er als Priester so oft eingetreten war ; der Pfarrer benutzte diese Bewegung , sich Lucie zu nähern und ihr hastig einige Worte zuzuflüstern , es schien fast eine Bitte zu sein . Die junge Frau fuhr überrascht auf und warf einen besorgten Blick auf ihren Gatten , erst nach einer wiederholten leisen Bitte des alten Geistlichen näherte sie sich ihm . „ Bruno , unser Hiersein ist doch nicht so ganz verborgen geblieben , als wir glaubten ; der Herr Pfarrer hat bereits seit gestern Abend einen Gast im Hause , der Dich zu sprechen wünscht . “ „ Mich zu sprechen ? “ wiederholte Bruno befremdet und völlig ahnungslos , „ und dazu wählt man diesen Ort und diese Stunde ? Warum nicht Dobra , wo ich doch ganz offen zu finden war ? “ Der Pfarrer schwieg verlegen , muthiges persönliches Eingreifen war seine Sache nicht und er mochte auch wohl von früheren Zeiten her den Starrsinn seines ehemaligen Caplans zur Genüge kennen , aber Lucie kam ihm zu Hülfe . Sie ergriff Bruno ’ s Hand und zog ihn rasch zu der Thür des Nebenzimmers , die in diesem Augenblick geöffnet ward – Graf Rhaneck stand auf der Schwelle . Ein leichtes Zucken flog über sein Antlitz hin , als er die Beiden vor sich sah . Der Graf hatte vielleicht noch niemals so bitter seine Vereinsamung gefühlt , so tief die Oede und Leere seines jetzigen Lebens empfunden , wie hier beim Anblick seines Sohnes und des lieblichen jungen Wesens , das sich an dessen Seite schmiegte . Bruno dagegen war zurückgewichen , die Ueberraschung schien ihm im höchsten Grade peinlich zu sein , und als Lucie jetzt Miene machte , sich zu entfernen , hielt er sie heftig zurück . „ Du bleibst , Lucie ! Ich habe keine Geheimnisse vor Dir , am allerwenigsten mit dem Herrn Grafen Rhaneck . “ Die junge Frau legte leise den Kopf an seine Schulter . „ Laß mich gehen , Bruno ! “ flüsterte sie bittend . „ Dies einzige Mal muß ich Dich doch wohl Deinem Vater lassen , es würde ihm wehe thun , stände ich jetzt zwischen Euch ! “ Ohne eine Antwort abzuwarten , zog sie ihren Arm aus dem seinigen und in der nächsten Secunde waren die Beiden allein . Der Graf kam langsam näher . „ Wir haben uns lange nicht gesehen , Bruno ! Hat mein Sohn auch jetzt keinen Gruß , kein einzigem Wort für seinen Vater ? “ Bruno schwieg , er schickte nur einen unruhigen und ungeduldigen Blick nach der Thür hinüber , in der Lucie mit dem Pfarrer verschwunden war , als wolle er sie selbst für diese kurze Zeit nicht im Schutze eines Anderen wissen ; der Graf fing diesen Blick auf . „ Deine Gattin hat es herausgefühlt , wie furchtbar schwer es