dem gnädigen Fräulein irgend etwas bedenklich erscheine . Dann bat er auch Frau von Katzenstein , die Kranke zu beaufsichtigen . Die alte Dame wollte eben noch einmal zu Klaudine hineingehen , um ihm Nachricht von ihr zu holen . Er stand wartend im Flur . Jetzt hörte er Klaudine drinnen sprechen – mit wem wohl ? Deutlich konnte er jedes Wort verstehen . » Vergeben Sie mir ! « scholl laut die Stimme der Prinzeß Helene , aber es klang nicht flehend , es klang wie befehlend . Lothar runzelte die Stirn , er hatte Mühe , an sich zu halten , um nicht sofort hineinzugehen . Frau von Katzenstein kam zurück . » Durchlaucht ist bei Fräulein von Gerold « , flüsterte sie . » Seine Hoheit haben mir befohlen , Sie um Verzeihung zu bitten , Fräulein von Gerold « , klang es abermals da drinnen . » Ich bitte also hiermit um Verzeihung . Haben Sie es gehört ? « Außer sich trat der Baron über die Schwelle des matt erleuchteten Zimmers . Über das weiße Mädchengesicht dort in den Kissen des Liegestuhles ergoß sich Purpurglut , als sie ihn erblickte . » 0 mein Gott ! « stammelte sie und machte eine abweisende Bewegung mit der gesunden Hand . Es hatte sie nicht befremdet , daß er hier eindrang , sie dachte weiter nichts , als daß jetzt ein vernichtender Schlag auf dieses trotzige Geschöpfchen fallen müsse , das da so hochmütig an ihr Lager getreten war , um auf höheren Befehl » abzubitten « . Die Prinzessin hatte ihn nicht bemerkt , sie stand da wie der verkörperte Trotz . Ihre Zerknirschung verwandelte sich , angesichts der Verhaßten , in Empörung . » Sie wollen wohl nicht ? « fragte sie . » Ich habe nicht lange Zeit zu warten , ich muß nach Neuhaus , Mama hat Frau von Berg nach mir geschickt , ich fahre aber nicht mit ihr , ich will nicht . Ich werde Baron Gerold um seinen Wagen ersuchen . Also zum drittenmal – ich bitte Sie um Verzeihung , Fräulein von Gerold ! « » Prinzessin , ich weiß zwar nicht , wofür eine Verzeihung erbeten wird – aber von Herzen gern « , erwiderte Klaudine mit bebenden Lippen . » Durchlaucht , auf diese Weise eine schwer Gekränkte und Leidende um Verzeihung zu bitten , ist neu « , scholl jetzt Lothars erregte Stimme . Die Prinzessin wandte sich , wie von einem elektrischen Schlag getroffen . Klaudines Augen sahen mit flehender Angst zu den seinen hinüber . Sie hielt den Atem an – oh sie wußte ja aus eigener Erfahrung , wie furchtbar sie wirken kann , die Gewißheit , den geliebten Mann verloren zu haben ! » Es gehört die ganze große Güte und Selbstlosigkeit meiner Braut dazu , um Eurer Durchlaucht die so eigentümlich erbetene Verzeihung zu gewähren . « Totenstille herrschte im Gemach . Klaudine sah wieder jene rote heiße Flut vor ihren Augen . Wie ? Konnte ein Mann so schonungslos verfahren mit der , die er liebte , um die er geworben hatte , seit Wochen schon ? War es ein Akt der Verzweiflung , weil er sie aufgeben mußte ? Sie streckte die Hand aus . » Prinzessin « , sagte sie matt , als wollte sie um Verzeihung bitten . Aber die zierliche , weiße Gestalt schwankte nicht , wie Klaudine gefürchtet hatte , sie schüttelte das dunkle Köpfchen mit dem kurzen Gelock stolz in den Nacken zurück . » Meinen Glückwunsch « , sprach sie kurz . Einzig in der erzwungenen lauten Stimme erkannte Klaudine die furchtbare Erschütterung des Mädchens , dessen glühende Liebe soeben den Todesstreich empfangen hatte . Die Prinzessin übersah die Hand , die sich ihr bot . Stolz neigte sie den Kopf . » Begleiten Sie mich , Baron ! « sagte sie befehlend und ging voran . Lothar faßte statt ihrer die dargebotene Hand und führte sie an die Lippen . Klaudine entzog sie ihm hastig und unwillig . » Wozu ? « fragte sie und drehte den Kopf nach der Wand , » das ist überflüssig bei unserem Abkommen . « Sie waren gegangen . Klaudine klingelte und ließ sich bei der Nachttoilette helfen und die Lichter löschen . Frau von Katzenstein schlich behutsam durch das dämmernde Gemach dem Bette zu – es rührte sich nichts hinter den Vorhängen , die Kranke schlief wohl schon den Schlummer der Erschöpfung ? Als Frau von Katzenstein aber genauer hinsah , erblickte sie das Mädchen im Bette sitzend . » Aber Klaudine , Sie ruhen noch immer nicht ? « flüsterte die freundliche alte Dame besorgt und drückte einen Kuß auf das schöne Antlitz . » Eben erfahre ich von Ihrer Verlobung « , setzte sie bewegt hinzu , » Gott segne Ihren Herzensbund , meine liebste Gerold ! « Dann ging sie still hinaus . Klaudine griff sich wild an die Stirn . » Herzensbund ! « sagte sie bitter , » welch furchtbarer Hohn ! « Sie grübelte und grämte sich bis über Mitternacht hinaus , bis sich ihre Gedanken verwirrten . Der schrecklichste Tag ihres Lebens war vorüber . Was würde ihm nun noch folgen an Qual und Herzensleid ? 26. In der Frühe des folgenden Tages ward Klaudine durch einen Boten der Herzoginmutter , welche ihr einen köstlichen Blumenstrauß nebst einem Brillantring sandte , aus schwerem bleiernem Schlaf geweckt . Es tat ihr weh , sich auf das Gestern besinnen zu müssen , und nur mit Anstrengung konnte sie sich erheben . Die Kammerfrau der Herzogin erschien , als sie eben angekleidet war , und beschied sie in das Krankenzimmer . Mit müden Schritten trat sie über die Schwelle . Das ganze purpurrote Gemach war von Sonnenglanz erfüllt , am Lager seiner Gemahlin stand der Herzog mit den kleinen Prinzen , die beiden jüngsten hielten Rosen in den Händen , der älteste etwas anderes , das funkelte und blitzte . Der