siedenden Kessel dieser Atmosphäre packte mich der Frost , zwei , drei Sekunden lang hatte ich eine deutliche Wahrnehmung des Fiebers , das sonst rhythmisch in mir dahinflutete . Ha , jetzt kam die Geschichte zum Klappen , jetzt entlud sich aller aufgestapelter Haß , jetzt gab es Blut und Befreiung von dieser gefährlichen Gemeinsamkeit . Und nun - - - - - - und nun begann Slims Schritt auf dem Kies schwach und gewöhnlich zu werden . Es waren Dutzendschritte , die da herankamen , nicht Slims Kraftschritte . O über die Armseligkeit dieser Schritte ! Ich dachte an die Triumphe , die Slim mit seinem Gange gefeiert hatte , an meine knabenhafte Verzagtheit vor diesem machtvoll scheinenden , gleichmäßigen Tempo . Um es nur zu sagen , ich war kleinlich geworden in seiner erdrückenden Nähe und auf eine Bagatelle von Überlegenheit erpicht . Nun , Slim machte schlapp ; er büßte seine Haltung ein , als er unser ansichtig wurde , sein Zorn wurde zu einem Brei von Leidenschaft und versagte wie nasses Pulver . Er sank mit vertretenen Füßen in das Flußgeröll ein und sah uns wenig an . Slim pflegte in seiner Brutalität oder Gutmütigkeit gut auszusehen ; aber seine Symmetrie war verschoben , das Charakteristische seiner Haltung entwürdigt , wie er sich mit dem Flußgerölle abmühte , und nun sah er im Widerstreit seiner Empfindungen lächerlich aus . Ein Gedanke stieg in mir auf , ich blickte scharf auf seine Füße : Slim zitterte in den Knien ! Und so kam es denn , daß außer einem einzigen Worte Slims nichts gesprochen wurde . Nach dieser Demütigung Slims hätte man ein ehrliches Wort sprechen , das Übel abstellen und einander von mancher Last befreien können . Aber dies Wort kam keinem von uns dreien über die Lippen . Slims Gesicht bewegte sich beinahe schmerzhaft in Grimassen , er lachte aus Scham und Gott weiß was für Gefühlen , als er mit den Sandbänken im Flußbett kämpfte . Und angesichts dieses Lachens , das alles leugnete , wurden uns die braven und tapferen Worte , verstockt und elend wie wir waren , auf der Zunge dick . Unsere Gesichter verschieften sich gleich dem Slims , wurden unsymmetrisch wie unser Inneres . Ha , wir liebten und wir haßten einander , wir waren aufeinander angewiesen und waren doch unerträglich füreinander . Wir konnten einander nichts mitteilen , aber unsere Gedanken lagen offen wie geschlitzte Därme da . Wir platzten vor innerlichen Freisen , unsere Seelen waren wund und geschwollen und schon die Nähe der Fremden schmerzte . Im Höhepunkt dieser Erregtheit wollte ich schreien , bloß furchtbar und töricht herausschreien ; aber ich hielt mich am letzten Haar zurück , denn ich wäre daran gestorben . Ich hätte mich totgeschrien . Diese Krise , während der wir uns aufmerksam und mit leisen Spuren von Spannung beobachteten , dauerte nur Sekunden . Es waren Zeitmaße voll von einer ungeheuren langsamen Ödigkeit . Als diese epileptische Anwandlung sich abschwächte , nahm Slim mit deutlichen Anzeichen der Erschöpfung einen der umherliegenden Menagebeutel und stampfte brummend nach rechts davon . Da tat ich denn desgleichen und marschierte nach links ab . Ich war ihm mit dem Blicke gefolgt , wie er über den weißen Schotter paddelte . Nun wußte ich mich selbst darüber hinpflügend , fühlte den Schmerz und die Wärme am Knöchel und sah die grelle Fläche unter mir . Einmal blickte ich um , ich hatte ein peinliches Gefühl im Rücken verspürt . Es war alles in Ordnung . Niemand hatte ein Schießeisen in Händen . Im Verhältnis zu dem schweren Kies waren meine Beine zu zerbrechlich , zu leicht und zu massearm waren sie . Es ging immer zäher und zäher , und als ich bei der großen schönblühenden Distel stand , die von der Robinsonade noch ersichtlich sein mußte , überkam mich die Sehnsucht . Mein Herz tat weh , ich liebte meine liebe alte Höhle mit dem wunderbaren Schatten , ich verlangte gierig nach van den Dusen , meinem weißen Freunde , nach Zana und den Indianern . Und da lag ich auch unter ihnen und war höchst peinlich berührt von der Anwesenheit eines anderen Weißen . Denn ich war erst gar nicht fortgewesen und legte das Gewehr , mit dem ich nachdenklich gespielt hatte , wieder an seine Stelle . Slim war ungefähr so weit , wie ich gerade in Gedanken gekommen war . Er hatte sich umgesehen . Er bog ein und verschwand von der Bildfläche . Was war die Grundstimmung dieses Strategems ? Ja , ich hatte aparte Pläne . Ich wollte mir eine Robinsonade auf eigene Faust gründen . Dort wollte ich leben und schlafen und arbeiten . Ich wollte jagen und mir mein Brot verdienen . Wie köstlich war es , des Morgens einsam zu erwachen , den ganzen Tag über sozusagen nur einmal statt dreimal auf der Welt zu sein , unbeobachtet und unverantwortlich für die Gedanken anderer , und mit der Aussicht , sich gehen lassen zu dürfen , wie man wollte ? Ach Gott , Einsamkeit ist die Gunst des Schicksals . Besser , laute nutzlose Rede führen und in die Luft singen , statt das Tiefste , das man zu sagen hätte , verschweigen zu müssen . Einsam die Elegie dieser Einsamkeit bis zur Neige genießen , im schönen Singsang der Unbegrenztheit des eigenen Ichs die Zeit verbringen zu können ! Ferne du , du selten gehaltenes Versprechen der Einsamkeit . Dich gedachte ich mit der geringen Distanz von fünfhundert Schritten zu erobern ! So hausten wir an Ort und Stelle , während unsere Gedanken sich um Slim drehten . Seine Abwesenheit hinterließ in unserem kleinen Haushalte eine klaffende Lücke . Wäre der Holländer nicht mit einem Schlage so seltsam geworden , so hätte ich gerne eine kleine Unterhaltung über dieses Thema angeknüpft . Es war nicht hübsch von ihm , daß er Slim auf diese Weise hinausgeekelt hatte . Alles in allem genommen war Slim doch