her . Ich fühle vor Erwartung kaum den Boden unter mir . Plötzlich taucht das Haus in der Altschulgasse vor mir auf . Jedes Fenster erkenne ich wieder : die geschweifte Dachrinne , das Gitter , die fettig glänzenden Steinsimse - alles , alles ! » Wann ist dieses Haus abgebrannt ? « , frage ich den Schieläugigen . Es braust mir in den Ohren vor Spannung . » Abgebrannt ? Niemals nicht ! « » Doch ! Ich weiß es bestimmt . « » Nein . « » Aber ich weiß es doch ! Wollen Sie wetten ? « » Wieviel ? « » Einen Gulden . « » Gemacht ! « - Und Tschamrda holt den Hausmeister heraus . » Ist dieses Haus jemals abgebrannt ? « » I woher denn ! « Der Mann lacht . - Ich kann und kann es nicht glauben . » Schon siebzig Jahr ' wohn ' ich drin , « beteuert der Hausmeister , » ich müßt ' s doch wahrhaftig wissen . « - - - Sonderbar , sonderbar ! - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Der Fährmann rudert mich in seinem Kahn , der aus acht ungehobelten Brettern besteht , mit komischen schiefen Zuckbewegungen über die Moldau . Die gelben Wasser schäumen gegen das Holz . Die Dächer des Hradschins glitzern rot in der Morgensonne . Ein unbeschreiblich feierliches Gefühl ergreift Besitz von mir . Ein leise dämmerndes Gefühl wie aus einem früheren Dasein , als sei die Welt um mich her verzaubert - eine traumhafte Erkenntnis , als lebte ich zuweilen an mehreren Orten zugleich . Ich steige aus . » Wieviel bin ich schuldig , Herr Tschamrda ? « » Einen Kreuzer . Wenn Sie mitg ' holfen hätten rudern , - hätt ' s zwei Kreuzer ' kost . « - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Denselben Weg , den ich heute nacht im Schlaf schon einmal gegangen , wandere ich wieder empor : die kleine , einsame Schloßstiege . Mir klopft das Herz und ich weiß voraus : jetzt kommt der kahle Baum , dessen Äste über die Mauer herübergreifen . Nein : er ist mit weißen Blüten besät . Die Luft ist voll von süßem Fliederhauch . Zu meinen Füßen liegt die Stadt im ersten Licht wie eine Vision der Verheißung . Kein Laut . Nur Duft und Glanz . Mit geschlossenen Augen könnte ich mich hinauffinden in die kleine , kuriose Alchimistengasse , so vertraut ist mir plötzlich jeder Schritt . Aber , wo heute nacht das Holzgitter vor dem weißschimmernden Haus gestanden hat , schließt jetzt ein prachtvolles , gebauchtes , vergoldetes Gitter die Gasse ab . Zwei Eibenbäume ragen aus blühendem , niederem Gesträuch und flankieren das Eingangstor der Mauer , die hinter dem Gitter entlang läuft . Ich strecke mich , um über das Strauchwerk hinüberzusehen , und bin geblendet von neuer Pracht : Die Gartenmauer ist ganz mit Mosaik bedeckt . Türkisblau mit goldenen , eigenartig gemuschelten Fresken , die den Kult des ägyptischen Gottes Osiris darstellen . Das Flügeltor ist der Gott selbst : ein Hermaphrodit aus zwei Hälften , die die Türe bilden , - die rechte weiblich , die linke männlich . - Er sitzt auf einem kostbaren , flachen Thron aus Perlmutter - im Halbrelief - und sein goldener Kopf ist der eines Hasen . Die Ohren sind in die Höhe gestellt und dicht aneinander , daß sie aussehen wie die beiden Seiten eines aufgeschlagenen Buches . - Es riecht nach Tau , und Hyazinthenduft weht über die Mauer herüber . - - - Lange stehe ich wie versteinert da und staune . Mir wird , als träte eine fremde Welt vor mich , und ein alter Gärtner oder Diener mit silbernen Schnallenschuhen , Jabot und sonderbar zugeschnittenem Rock kommt von links hinter dem Gitter auf mich zu und fragt mich durch die Stäbe , was ich wünsche . Ich reiche ihm stumm den eingewickelten Hut Athanasius Pernaths hinein . Er nimmt ihn und geht durch das Flügeltor . Wie es sich öffnet , sehe ich dahinter ein tempelartiges , marmornes Haus und auf seinen Stufen : ATHANASIUS PERNATH und an ihn gelehnt : MIRJAM , und beide schauen hinab in die Stadt . Einen Augenblick wendet sich Mirjam um , erblickt mich , lächelt und flüstert Athanasius Pernath etwas zu . Ich bin gebannt von ihrer Schönheit . Sie ist so jung , wie ich sie heut nacht im Traum gesehen . Athanasius Pernath dreht sich langsam zu mir , und mein Herz bleibt stehen : Mir ist , als sähe ich mich im Spiegel , so ähnlich ist sein Gesicht dem meinigen . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Dann fallen die Flügel des Tores zu , und ich erkenne nur noch den schimmernden Hermaphroditen . Der alte Diener gibt mir meinen Hut und sagt - ich höre seine Stimme wie aus den Tiefen der Erde - : » Herr Athanasius Pernath läßt verbindlichst danken und bittet , ihn nicht für ungastfreundlich zu halten , daß er Sie nicht einlädt , in den Garten zu kommen , aber es ist strenges Hausgesetz so von alters her . Ihren Hut , soll ich ausrichten , habe er nicht aufgesetzt , da ihm die Verwechslung sofort aufgefallen sei . Er wolle nur hoffen , daß der seinige Ihnen keine Kopfschmerzen verursacht habe . «