Leben lang hab ' i ' mi g ' forchten , daß i ' den da krieg - und jetzt sag i ' richtig - von selber - ja . « » Par dépit , « dachte Edda , - » so geht es . « Sie hätte es als Demütigung empfunden , die Gastfreundschaft des Pankratius , mit dem sie immer auf Kriegsfuß gestanden , anzunehmen und blieb bei ihrem Berliner Plan . Kurz bevor sie reiste , erhielt sie einen Brief aus Amerika ; der war nicht , wie sie zuerst dachte , von ihrem Bruder , - es war Mr. Daniel Horatio Macpherson , der ihr schrieb . Vincenz hatte ihn aufgesucht , und er versprach , für ihn zu tun , was in seiner Macht lag ; vor allem aber - der Brief wand sich nicht eben geschickt um das , was er im Grunde sagen wollte , herum , - vor allem aber legte er sich ihr zu Füßen . Wann und wo immer sie über ihn verfügen wollte , - er wäre bereit . Nachdenklich hatte Edda gelesen . Sie rümpfte die Nase und schüttelte den Kopf . Ihre im Grunde durchaus unsinnliche Natur , deren Neigungen in bloßer Gefallsucht gipfelten , - die vielleicht auch noch durch ihr dürftiges Eheleben stumpfer geworden war , - sträubte sich gegen die Wünsche des Amerikaners . Und so kam auch sie nach Berlin . Olga hatte sie gebeten , bei ihr zu wohnen , aber nachdem sie ihr kleines Logis besehen hatte , lehnte sie ab , weil da doch kein Platz war . Man mietete sie auf einem möblierten Zimmer ein . Jetzt hieß es , Brot für Edda zu finden . Die Geschwister gingen systematisch ans Werk . Man sandte ein gutverfaßtes Rundschreiben an alle Redaktionen , welche Modeberichte und Modebilder brachten , legte einige frühere Veröffentlichungen von Eddas Entwürfen bei und betonte diskret die Tatsache , daß es sich um die Witwe des jüngst verstorbenen großen Gelehrten handle . Neben mancher Ablehnung , - weil der Posten schon besetzt sei , - kam auch hier und da eine halbe Zusage . Die Dame wurde gebeten , sich um eine bestimmte Stunde in der Redaktion einzufinden . Da diese Stunde gewöhnlich am Vormittag lag , so war das Problem für Edda nicht leicht zu lösen . Sie lag in dem schlechten Bett der Berliner möblierten Stube , - oh , wie bereute sie , nicht wenigstens ihr Bett aus dem Schiffbruch gerettet zu haben ! - sie lag da , und die Sonne funkelte durch die Jalousienstäbe , ihre Strahlen brachen sich im Messingleuchter auf dem Nachttischchen ; aber Frau Edda umklammerte , halb schlafend , ihre kleine Uhr , öffnete ab und zu die wie zugeklebten Augenlider und warf einen Blick auf das Zifferblatt in ihrer krampfhaft geballten Hand . Endlich entwand sie sich , matt und gequält , dem Bett . Das tägliche Bad , die Übungen , das alles mußte entfallen . In dieser » Hetzjagd « war dazu keine Zeit . Sie sollte sich selbst frisieren , und es fiel ihr schwer und machte sie nervös . Trotzdem warf sie , wenn sie mit der Toilette fertig war , einen befriedigten Blick in den Spiegel , denn die schleppenden , schwarzen Kleider und der wallende Witwenschleier ließen sie noch schöner erscheinen . Ratlos , mit einem Gefühl des Unbehagens und der Ablehnung stand sie vor dem Phänomen : Berlin . Diese gräßlichen Entfernungen , dieser beängstigende Verkehr , diese nach ihren Begriffen geschmacklos gekleideten Frauen und vor allem die Hast , mit der hier jeder seinen Geschäften nachjagte , - das alles flößte ihr Widerwillen ein . Ach , wie sehnte sie sich nach Wien ! Nach dieser eleganten Residenz , die Großstadt war und in der doch alles im behaglichen Tempo der Kleinstadt vor sich ging . Nach diesem Wien , wo man sich kannte , wo man sich zu bestimmter Stunde mit Sicherheit im Café traf , wo die Bezirke , in denen man » zu tun hatte « , so hübsch eng arrondiert waren , daß man sie bequem erreichte , - nach Wien , wo sie ihren Fiaker und ihr elegantes Heim besessen hatte . Es war ihr ganz schrecklich , sich durch das Gedränge der Berliner Hauptverkehrsstraßen zu Fuß durchzuwinden , oder gar die gefährliche Jagd auf einen Omnibus zu machen , auf den sie so schlecht hinaufspringen konnte , weil der Zugang nicht , wie sie es von Wien gewohnt , seitlich , sondern hinten war . Wie schwer war es , die nötige Beweglichkeit aufzubringen , um hier die Verkehrsmittel richtig zu benutzen , - wo sie doch ihre lange Schleppe zu halten , dabei ihre Pakete selbst zu tragen hatte . Sogar das Telephon war ihr hier , wo sie auf die öffentlichen Sprechstellen angewiesen war , ein Greuel . Sie fand sich in der Zelle beengt , wußte nicht , wohin sie den Schirm , das Täschchen , die Pakete legen und wie sie es vermeiden sollte , mit dem riesigen Hut , den sie auch in der Trauer trug , an allen Seiten anzustoßen . Es kamen ihr Tränen in die Augen , wenn sie sich erinnerte , wie sie zuhause telephoniert hatte , - an dem kleinen , maurischen Taburett , auf dem der Tischapparat stand , behaglich im Schaukelstuhl zurückgelehnt , oder im Bett , wohin ihr das Mädchen den Apparat mit der entsprechend langen Schnur bringen mußte . Oh , wie sie die Armut haßte und fürchtete ! Nein , Armut und Frau Edda , - das waren zwei Dinge , die nur das grausamste Schicksal zusammengepreßt hatte . Sie lehnte sich gegen diese neue , harte Armut mit der ganzen Revolution der Dame auf , - der Dame , wie sie als höchstes Zuchtprodukt europäischer Höflichkeit geworden war . Ihre tausend wirklichen Bedürfnisse , ihre physische Konstitution , ihre Rasse , ihr persönlicher Habitus konnten sich