Fletschend und schnappend hinkte er auf mich los . Ich aber hatte wieder einen Stein aufgehoben und traf so wuchtig die Schnauze , daß er umfiel und nicht mehr jappte . Nun wandte ich mich dem toten Menschen zu . Der bildete eine unförmige Masse von zernagten Gliedern . Ich zog Gewänder und Stiefel ab und reinigte sie im Wasser . Die Kleidung war von fürnehmer Art. Zum Trocknen breitete ich sie in die Morgensonne . Besonders willkommen waren mir die Waffen des Toten , ein Karbiner , auch Munition , ein Pistol und ein Stoßdegen , dazu ein Beutel mit einer ansehnlichen Summe Geldes . Schließlich kam mir noch der Federhut zustatten . Bald hatte ich meine geringe Kleidung mit der neuen Montur vertauscht . Nachdem ich die Schärpe mit dem Degen umgehängt , Karbiner und Pistol geladen hatte , war ich bemüht , das entlaufene Roß des Toten auszuspähen und verfolgte eine Stunde lang die Stapfen , so kreuz und quer in der Gegend gingen . Auf einmal waren sie tief in den Boden gestampft und führten schnurgerade aus . Weil nun dabei auch Wolfsspuren waren , so zog ich den Schluß , die Raubtiere würden das Pferd gänzlich verjagt haben . Das war nun freilich ein großer Verlust , nachdem ich schon gehofft hatte , durch Aneignung des Pferdes den Kahn einzuholen , der mein Weib entführte . Mit Zähneknirschen gestund ich mir , daß ich zu Fuße dem Zetteritz nicht zu folgen vermöchte ; mutlos warf ich mich ins Gras . Nur das eine Ziel gab es jetzo für mich : die verlorene Eheliebste wieder zu gewinnen . Es fiel mir bei , daß Zetteritz zu Thekla die Äußerung getan : » Weibsröcke führen wir halt nicht ; da muß Sie schon warten , bis wir in Güstrow sind « . Hieraus entnahm ich , daß Zetteritz nach der Stadt Güstrow wolle ; beschloß also unverzüglich dorthin aufzubrechen und mir baldigst ein Reisepferd anzuschaffen . Aus meinem Magdeburger Schulunterricht wußte ich , daß Güstrow gen Mitternacht in Mechelnburg gelegen . Wanderte also längs der Elbe , so daß die Morgensonne meine rechte Wange beschien . Mittag war ' s , als mir ein breiter Fluß in die Quere kam , der in die Elbe mündete . Von einem Fährmann , der hier hausete , vernahm ich , es sei die Havel . Um Geld erhielt ich Wegzehrung und ließ mich übersetzen . Im Dorfe drüben gingen mir die Leute scheu aus dem Wege . Doch mein freundlicher Zuruf lockte einen Bauernknecht herbei , und auf meine Frage nach einem Pferd erhielt ich von ihm den Bescheid , seines Vaters Bruder habe ein herrenlos Soldatenroß in seinem Stall geborgen ; das werde käuflich zu haben sein . Der Bauer , zu dem wir gingen , wollte anfangs nichts von einem eingefangenen Rosse wissen , ward aber gefügig , sobald ich aus meinem Geldbeutel eine gute Summe herfürholte . Nachdem das Tier gut gefüttert , auch mit Zaum und Sattelzeug versehen war , schwang ich mich hoffnungsvoll hinauf und trabte auf die Stadt Pritzwalk los , die ich noch vor Abend erreichte . Wiewohl zum Umfallen erschöpft , begnügte ich mich mit kurzer Rast und legte noch etliche Meilen zurück , bis ich bei Nacht zu einem Städtlein gelangte , an einem großen See gelegen . Hier pochte ich einen Wirt heraus , ließ mein Pferd einstellen , aß und trank , legte mich und schlief wie ein Stein . In sonniger Maienfrühe ging es weiter , und bereits mittags langte ich am Ziel , in der Mechelnburgischen Residenz Güstrow an . Im nächsten Gasthaus stieg ich ab , und auf meine scheinbar gleichgültige , doch mit Herzklopfen getane Frage , ob kaiserisch Volk hier sei , erfuhr ich , vor fünf Tagen seien hier allerdings Dragoner im Quartier gewesen , aber nur eine Nacht , auf dem Rückzuge vor dem anmarschierenden Schweden . Ich forschte nun behutsam weiter , ob etwan ein Rittmeister namens Zetteritz in Güstrow erwartet werde . » Zetteritz ? « versetzte der Wirt . » So hieß ja die adlige Frau , die von den Dragonern geleitet wurde und bei mir Losament hatte . Die ist aus Sorge vor dem Feinde nach Wittenberge gereiset - vor vier Tagen - ihrem Sohne entgegen - und der soll sie nach Magdeburg holen . « Ich hatte Mühe , meinen Schrecken über diese Enttäuschung zu verhehlen . Doch während ich der Hoffnung schon Valet sagte , kam der Wirt , der Rücksprache mit seinem Knecht genommen hatte , wieder zu mir . » Mein Krischan hier will vernommen haben , Frau Zetteritz sei zu ihrem Schwäher nach Rostock gereist , an dessen Verteidigung ihr Sohn , ein Offizier , mitzuwirken habe . « Ich atmete auf , wandte mich sogleich an den Knecht und erhielt aus seinem Munde in glaubhafter Weise diese Auskunft . Nach Rostock also ! Unverzüglich und mit verhängtem Zügel trabte ich gen Schwaan und erreichte dies Städtchen , an der Warnow gelegen , nach wenigen Stunden . Ließ mich über den Fluß setzen und begrüßte nach einem mehrstündigen scharfen Ritte von einer Anhöhe die Rostocker Türme . Zugleich aber sah ich drei bewaffnete Reiter mir entgegentraben , lenkte daher mein Pferd flugs vom Wege ab , hinter Gebüschen mich zu bergen . Doch bemerkt hatten mich die Reiter , und ich gebrauchte die Sporen . Ein Schuß krachte hinter mir , die Kugel hörte ich sausen , und nun hub ein Wettrennen an . Mein gutes Pferd blieb im Vorteil , und ein Buchenwald kam mir zustatten , zwischen dessen hohen Stämmen sich reiten ließ . Als ich darin einen Weg fand , verfolgte ich ihn , die sinkende Sonne zur Linken . Damit die Verfolger meine Fährte verlieren sollten , bog ich vom Wege ab , wo der Waldboden mit welkem Laube bedeckt war , ritt einen Bogen und kam dann wieder auf den Weg . Als der Wald aufhörte und