fröhlich an . Er bückte sich und wühlte unter feuchtem , altem Laube kleine , weiche , blaue Blumen , die Lieblinge des Menschenherzens , ganz ans Licht . Einhart stand ewig . Er hielt die Veilchenköpfchen sorglich aufgerichtet über der braunen Erde , ohne sie zu brechen . Er ging am Beete entlang Schritt für Schritt , allen kleinen , blauen Blumen , die ans Licht drängten , die Last des alten Laubes fortzuräumen . Er sah auch lange in die Ferne hinaus . Freie Felder lagen nach einer Seite um sein Haus . Der blaukittelige Schwenkfeld stand am Fenster des Ateliers und lachte verstohlen hinter dem blaßgrünen Vorhang hervor , weil er den Meister lächeln gesehen . Die ferne Birkenallee hatte einen Duft von Dunkelröte gegen den milchigblauen Morgenhimmel . Die braunen Knospen drängten . Einhart war noch immer stehen geblieben . Auch als man schon einige Kisten für die Frühlingsausstellung auf den schweren Speditionswagen aufgepackt , und das Gefährt mit den plumpen Rappen und dem vierschrötigen Kutscher längst dröhnend um die Straßenbiegung verschwunden war . Einharts Stirn schien jetzt im Lichte des Vorfrühlings bleich und frei . Er strich sich einen Strähn seiner Dunkelhaare aus der Stirn . » Ach du Gott im Himmel ! « sagte er . » Ich vermale das ganze Leben und die schönste Stunde ! « Schwenkfeld hatte an dem Morgen lange vergeblich gewartet , daß der Meister irgend eine Arbeit vornehmen würde . Einhart saß dann zurückgelehnt in einem Lehnstuhl und rauchte eilig . Und lief wieder hinaus und sah in die Ferne . Es hatte ihn fast erschrocken , wie er merkte , daß der neue Frühling sich schon zu regen begann . Weil er plötzlich keinen Ausweg zum Leben offen sah . Wie Einhart dann ausging gegen die Stadt zu , wollte er an verschiedenen Türen pochen . An Poncets . Aber er zögerte . Er wußte nicht , wie bei Poncet finden , was er in dem Frühling suchen ging . An dem Portale der Gräfin Schleh . Aber er zögerte auch hier , weil er wußte , daß drinnen seine Ahnungen vielleicht still würden über tausend Dingen des vornehmen Behagens . So war er zurückgegangen , lief weiter hinaus die Chaussee und dann einen Feldweg hin , bis wo voll frischen Grüns eine schmale Wiese leuchtend dalag , feucht umweht , hinter einem kleinen Saumhügel voll Jungwald , der auch im Lichte stand . Einige Weidenknorren reckten sich mit Blütenräupchen über den Bach . Die Wellen , klar und kühl , schäumten und gurgelten . In kleinen Gruppen lebten schlohweiße Schneeglöckchen auf im grünen Grase . Meister Einhart war ein rechter , loser Zigeuner . Hut und Stock hatte er irgendwo hingeworfen . Er pflückte die kühlen , frischen Blumen in seine braunen Hände . Er war voll tiefen Erstaunens . Er trug die weißen , reinen , kleinen Kelche wie neue , verschlafene Wunder sorglich in den Händen vor sich und vergaß sich ganz in deren Anschauen . 5 Der Sommer war für Einhart überreich an Arbeit hingegangen . Nachdem ihn erst die Frühlingsfeier eine flüchtige Weile untätig eingesponnen , und nachdem ihm dann die Ausstellung seiner neuen Bilder zum ersten Male eine erlesene Auszeichnung eingetragen , war er mit viel selbstvergessener Laune und Heiterkeit aufs Radieren verfallen , daß buchstäblich gar nicht für ihn daran zu denken gewesen , aufs Land oder an die See zu gehen . Im Herbst noch zu rechter Zeit weckte ihn ein Brief der Gräfin Schleh zum Leben . Sie schrieb : » Lieber Meister ! Kommen Sie ! Sie finden liebe Gäste . Auch teilnehmende Menschen in der Nachbarschaft . Traurige und Fröhliche ! Und Völker von Rebhühnern sitzen im hohen Mais und streichen rauschend von dannen , wenn Sie nahe gehen . Früchte hängen im Obstgarten an den Bäumen . Feigen an den Spalieren . Und Jung und Alt hat den Glanz des Herbstes in den Augen , und goldene Fäden um Stirn und Wange oder in den Kleidern . Kommen Sie , lieber Meister Selle ! « Der Brief hatte Einhart lachen gemacht . Er hatte dann Finis unter das Blatt geschrieben , das er vor sich hatte , hatte auch noch um das Wort allerlei spielende Kinder und lachende Gesichter gezeichnet . Und dann befand er sich bald auf dem weißen Schlosse der Gräfin . Die alte Dame empfing ihn in einem gewölbten Zimmer zu ebener Erde , darin die Wände einfach weiß getüncht und die behaglichen Möbelstücke mit dunklem Leder überzogen waren . Auch einige alte , bunte Stiche , Szenen aus dem Schäferleben darstellend , in dunklen Rahmen , erhöhten das Bild alteingesessener , friedsamer Beschaulichkeit . Die alte , leicht verwachsene , sonngebräunte Gräfin war voller Güte . Sie saß in einem blaßseidenen , weiten Reifrock und griff nach einem Stabe , als sie sich von dem schweren Ledersessel aufhob . Ein gelbfleckiger , mächtiger Bernhardiner stand oder ging gutmütig neben ihr . Die vornehme Frau sprach zu Einhart mit ihrer liebenswürdigsten Teilnahme , daß ihre kleinen , ausdrucksvollen Augen lachten und ihre feuchten , vollen Lippen lachten . Sie zeigte ihm auch gleich nur ganz nebenbei eine Sammlung edler Steine , die zufällig noch dastand , das Vermächtnis eines unverheirateten Sonderlings , köstliche , juwelische Dinge von hohem Werte , ein ganzer Kasten voll , in Seidenlager eingebettet ein jedes Stück , noch ungefaßte , seltene Kleinodien aus aller Herren Ländern . Man trat auch gleich einen Augenblick auf die Terrasse hinaus , um in den Park und in die alten Silberkuppeln hundertjähriger Pappelbäume hineinzusehen . Dann führte ihn die heitere Herrin , immer geschäftig plaudernd , durch das lichte , weite Treppenhaus , worin einige Diener herumstanden . Und an den eisengetriebenen Geländern hinauf in die oberen Zimmer und Säle . Auch durch den weiten Rundbau der großen Bibliothek führte sie ihn , zeigte und erklärte ihm dort zwei goldene , indische Götzenaltäre , die einander gegenüber an der Wand standen