, und zwar neben Schiller und Goethe auch Wieland und Klopstock , und dann Bulwer und Cooper , und ein Buch , das hieß das Buch der Natur . Hieraus hatte sie sich ein wunderliches Wesen entwickelt , das ebenso weltfremd war wie des Jünglings , nur daß in ihrer Seele sonderbare Phantasiegebilde lebten , in denen die verschiedenartigen Helden ihrer Bücher sich zusammengeschlossen hatten . So einigten sie sich bald zu gegenseitiger Liebe , und nachdem sie sich zuerst am Tage häufig im Garten getroffen hatten , verabredeten sie sich endlich auch zu Zusammenkünften in nächtlicher Weile . Indem nun aber in dem Jüngling damals zweierlei entgegengesetzte Wesen waren , kam er zu widersprechenden Handlungen , denn durch die Reden seines Oheims war auf der einen Seite seine Phantasie derartig verändert , daß er in seiner Liebe keine Grenzen mehr innehielt , auf der andern Seite aber blieb er in seinem eigentlichen Kern doch ein ganz anderer Mensch wie der Oheim und wurde durch seine Liebe feinfühliger und gewann eine mehr edle Gesinnung , so daß ihm nun dessen Gespräche zuwider wurden , weil es ihm schien , als ob etwas Heiliges durch sie beschmutzt werde , während er doch selbst nach dem Sinn dieser Gespräche gehandelt hatte , und dann wurde ihm dieser Widerspruch immer quälender , so daß er am Ende , trotz seiner immer noch wachsenden Leidenschaft für seine Geliebte , nicht mehr bei dem Oheim ausharren konnte und Abschied von ihm nahm . Dabei wußte er keinerlei Rat , was nun mit seiner Verbindung mit dem jungen Mädchen geschehen sollte , denn sie als seine Braut zu erklären , wagte er vor seiner Familie nicht , und so schob er diese Sorge auf die Zukunft , indem er sich für die Gegenwart nur dem Gram über die Trennung hingab . Nun geschah es aber , daß die natürlichen Folgen eintraten . Wie seine Geliebte das merkte , schrieb sie in ihrer tödlichen Angst an ihn einen Brief und erzählte ihm das , er aber war inzwischen wieder gänzlich in sein eigentliches Wesen verfallen , indem er eine heftige Angst vor den Menschen hatte und nicht wußte , was er tun müsse ; aus dieser Verfassung heraus schrieb er an sie zurück , und wie sie mit ihrem großmütigen Herzen diesen Brief verstanden hatte , da wußte sie genau , daß sie nun allein stand in der Welt und ihr keinerlei Hilfe kommen werde , und so gab es nach ihrer Vorstellung denn nur einen einzigen Weg noch , den sie gehen konnte . Inzwischen war Roch wieder in seine Universitätsstadt zurückgekehrt , und indem sein unruhig gemachtes Gewissen ihn zwecklos hin und her trieb in einsamen Wanderungen , wurde er noch einsamer , wie er schon gewesen , und hatte wenigen Schlaf . Da geschah es ihm , daß er in einer Nacht ein Gesicht sah , nämlich , er saß in seiner Stube und ohne Licht , und hatte seit Stunden schon sich in Gedanken abgegrämt , und es mochte schon gegen Mitternacht sein , da erblickte er plötzlich deutlich den Weidenbaum , auf dessen schrägem Stamm jetzt Schnee lag , und unter ihm eine schwarze Stelle des Flusses , der sonst unter schneebedecktem Eise dahinschoß , aber an dieser einen Stelle war er frei , und an dem Baum , vor der eisfreien Stelle kauerte seine Geliebte und hatte nackte Arme und loses Haar , wie sie aus dem Bett gestiegen , und blickte in das dunkle Wasser , und ganz deutlich sah er die kurze Oberlippe , welche die Zähnchen sehen ließ , und das rührte ihn besonders am Herzen , daß er diese Oberlippe so deutlich sah , aber ganz blaß war das Gesicht und grauenhaft ernst und entschlossen ; er schrie laut auf und stürzte auf das Bild zu , aber indem glitt die Gestalt nach vorn über in das dunkle Wasser , und noch während er schrie , war auch schon das ganze Bild verschwunden . Wie er die Nacht verbracht hatte , erhielt er am andern Morgen einen Brief von ihr , in dem sie ihm ihre Absicht mitteilte , daß sie aus dem Leben gehen wolle ; und so hatte er nun die Bestätigung , denn bis dahin hatte er noch nicht geglaubt , daß das Gesicht ihm einen wahren Vorgang geoffenbart . Über dieses verfiel er in eine schwere Krankheit , und nachdem er die überstanden , kam ein langdauernder Trübsinn über ihn , er gab alle seine früheren Pläne auf und verwendete seine Zeit auf die Arbeit in den okkulten Wissenschaften ; denn nach seinem Erlebnis hatte nichts mehr Bedeutung für ihn , was in dem engen Kreise geschehen war , der durch das Licht erleuchtet ist , und nur das erschien ihm wichtig , was in der unendlichen Dunkelheit verborgen ruht , die jenseits dieser nahen Grenze liegt , und so fand er eine Beruhigung für sein Gewissen , denn in Wahrheit war ja , was er getan , unwichtig und sinnlos gewesen , und seine Bedeutung war gar nicht verständlich für den blöden Blick , den wir hier haben . So war es möglich für ihn , daß er sich am Leben erhielt . Mit diesem Roch nun freundete sich Karl an , und seine Lehren nahm er mit großer Begierde auf . Wie die beiden derart vertraut miteinander geworden waren , da erzählte ihm Roch , er habe sich schon lange einen Freund gewünscht , mit dem zusammen er einen wichtigen Versuch anstellen könne , der deshalb zwei Personen erfordere , weil er mit Gefahren verknüpft sei , denn in einem alten mystischen Buche , das nur handschriftlich vorliege , habe er eine Vorschrift für ein Räucherpulver gefunden , das früher von Beschwörern benutzt wurde , um Geister erscheinen zu lassen , und enthalte das in seinen wirksamen Bestandteilen gewisse berauschende Stoffe , die wohl geeignet sein möchten , den gewünschten Zweck zu erfüllen , da von ähnlichen Stoffen bekannt sei ,