ausgestellten Posten kommen . Er meldete , daß ein Ben Khalid gekommen sei , um seinem Scheike eine wichtige Nachricht zu bringen . Er sprach vorsichtigerweise mit so unterdrückter Stimme , daß kein dazu Unberufener seine Worte hörte . Der Hadschi erteilte ihm die ebenso heimliche Weisung : » Sag dem Ben Khalid , sein Scheik sei zornig darüber gewesen , daß er gestört werden solle ; er wünsche , bis morgen früh in Ruhe gelassen zu werden ; es sei hier alles in Ordnung , und der Bote möge also wieder gehen . « Der Haddedihn entfernte sich . Inzwischen war den Mekkanern nun auch die Sprache gekommen . Sie wagten es , Halefs Peitsche wegen , zwar nicht , ihre Interjektionen direkt gegen uns zu richten , sondern warfen sie Scheik Tawil zu , aber bestimmt waren diese Worte doch , von uns gehört zu werden . Da plötzlich wurden sie still ; sie richteten ihre Blicke nach der westlichen Felsenecke , um welche jetzt der fortgeschickte Haddedihn mit den Soldaten kam . Jeder von diesen hatte das Gewehr geschultert und führte sein Kamel an der Leine . Jetzt war es köstlich , das Gesicht unseres kleinen Hadschi zu sehen , welcher mit kaum verhaltener Wonne den Eindruck beobachtete , den das Erscheinen der Asaker auf den Ben Khalid und die Mekkaner machte . Diese waren still , ganz still und folgten mit vor Ueberraschung weit geöffneten Augen den Soldaten , welche nach der Stelle gingen , die ihnen als die ihrige zum Lagern angedeutet wurde . » Nun ? « fragte Halef endlich den Scheik . » Du wolltest sie doch erschießen . Da sind sie . Thue es ! « Da schrie ihn dieser im höchsten Grimme an : » Jil ' an daknak - verflucht sei dein Bart ! Du bist ein Betrüger von innen und von außen . Ich mag mit dir nichts mehr zu schaffen haben ! « Wer die Vorliebe Halefs für seinen an Haaren allerdings sehr armen Bart kennt , der kann sich denken , wie sehr er sich durch diesen Zuruf beleidigt fühlte . Er riß seine Peitsche heraus , strich mit ihr pfeifend durch die Luft und antwortete zornig : » Das glaube ich , daß du nichts mehr mit mir zu schaffen haben willst , denn du mußt nun trotz deiner bergeshohen Dummheit doch einsehen , daß du das Spiel jetzt ganz verloren hast . Was aber meinen Bart betrifft , so hat ihn mir noch niemand schänden dürfen ; den deinigen jedoch werde ich bei deinem nächsten schmutzigen Worte dir mit der Kurbadsch so aus dem Gesichte holen , daß auch kein einziges Haar dort sitzen bleibt ! Wir sind mit euch vollständig fertig bis zum Morgen . Ihr laßt kein Wort mehr vernehmen , sonst rede ich in der Sprache zu euch , die man nicht nur klatschen hört , sondern auch mit dem Verstande und mit der Haut zu gleicher Zeit versteht ! Versucht jetzt zu schlafen ! Nach dem Erwachen wird euch der Morgengruß der Bastonnade ! « Diese an die Gefangenen gerichteten Worte konnten wir auch auf uns beziehen , da es nun wirklich Zeit zum Schlafen war . Da galt es freilich , uns gegen die Beni Khalid sicher zu stellen , und darum gab Halef in Beziehung auf den Wachtdienst , an welchem sich auch die Soldaten zu beteiligen hatten , so umfassende Befehle , daß wir eine Ueberrumpelung nicht zu befürchten hatten . Feuermaterial war , wenn sparsam damit umgegangen wurde , zur Genüge vorhanden , um wenigstens einigermaßen Licht zu haben beim Tränken der Kamele , welches , allerdings in Pausen für das Ansammeln des Wassers , während der ganzen Nacht fortgesetzt werden mußte . Wir drei , Halef , Kara und ich , wollten nicht am Feuer bleiben , sondern wir holten unsere Pferde und führten sie zum Tachtirwan hinüber , um zum Schutze für Hanneh und den Münedschi uns dort niederzulegen . Der Perser kam uns nach , und wir hatten natürlich nichts dagegen , daß er bei uns blieb . Selbstverständlich wurde das heutige Erlebnis erst noch gründlich durchgesprochen . Der Befriedigtste von uns allen war Khutab Agha . Noch vor kurzer Zeit ein Gefangener und mit geöffneten Adern dem Tode geweiht , war er jetzt frei , befand sich im Besitze der geraubten Gegenstände und hatte dazu die Gewißheit , die Diebe streng bestraft zu sehen . Das Paket lag natürlich bei ihm , denn es wäre ihm nicht eingefallen , sich nur einen Augenblick davon zu trennen . Zu erwähnen brauche ich wohl nicht , daß Hanneh teils ihres Planes , teils auch ihrer Bastonnadenentscheidung wegen von Halef mit den wohlklingensten Censuren bedacht wurde . Sie nahm sie als ganz selbstverständlich , weil wohlverdient , entgegen und zog sich dann befriedigt hinter die Vorhänge ihrer Sänfte zurück . Der Münedschi saß mit dem Rücken an den Felsen gelehnt und schlief . Für die Befriedigung seiner leiblichen Bedürfnisse hatte Hanneh während des Abends gern gesorgt . Speise war von ihm nur wenig , Wasser aber öfters genommen worden . Dann hatte er , den Fackelgang zu den Beni Khalid abgerechnet , die ganze Zeit in seinem eigentümlichen traumwachen Zustande und dabei fast immer rauchend , zugebracht . Wie uns Hanneh am nächsten Tage berichtete , war es für sie nicht bequem gewesen , ihm so oft Feuer zu geben . Tabak und Kibritat108 hatte sie allerdings für ihn genug gehabt ; aber da das Aufleuchten der Hölzer nicht zu uns hinüberscheinen durfte , war sie gezwungen gewesen , das Anbrennen hinter der Sänfte vorzunehmen und da die ersten Züge immer selbst zu thun . Auf die Gefahr hin , indiskret zu erscheinen , will ich die hochverräterische Bemerkung machen , daß die Beduininnen im Anzünden eines Tschibuk nicht ganz unbewandert sind und man von Hanneh in keiner Beziehung sagen konnte , sie stehe ihren Stammesgenossinnen nach . Alt , sehr alt und ganz durchsogen freilich