besaß den ganzen rücksichtslosen , katzenzähen Optimismus seiner Rasse . Er hatte den Kretschamwirt von Halbenau vor einiger Zeit mit seinem Wägelchen einfahren sehen ; den suchte er jetzt auf . Kaschelernst und Harrassowitz hatten ein längeres Gespräch im Flur des Gerichtsgebäudes . Die Unterhaltung endete damit , daß Sam die Hand ausstreckte und Kaschelernst grinsend einschlug und » abgemacht ! « sagte . Die Gerichtsuhr hatte zehn geschlagen . Wer sich bis dahin noch im » Löwen « aufgehalten hatte , kam nunmehr herüber , nicht allzu eilig , falls er mit dem Gerichtsgebräuche vertraut war . Aus Halbenau waren eine Anzahl Leute eingetroffen , Freunde der Büttnerschen Familie . Der alte Bauer selbst hatte sich fern gehalten , aber Karl Büttner war gekommen . Er blickte unverständig drein wie gewöhnlich . Die Bedeutung dieses Tages für ihn und seine Familie war dem Denkfaulen schwerlich klar geworden . Hinter den Schranken erschien jetzt der Amtsrichter mit dem Kalkulator . Sie nahmen am grünen Tische Platz . Nun nahm der Termin seinen üblichen Verlauf . Zunächst wurden die Interessenten festgestellt . Harrassowitz , der in diesen Dingen zu Hause war wie der Fisch im Wasser , verlangte Vorweisen der Kaution . Da würde man ja gleich sehen , wer als ernsthafter Bieter in Betracht komme . Vor allem interessierte es den Schlaukopf zu wissen , ob jene beiden , der Güterdirektor und der Rendant des Grafen , mit Geldmitteln versehen seien . Er hatte bereits seinen Geschäftsfreund , den Kommissionär Schmeiß , vorgeschickt , der sollte sich den Herren in möglichst harmloser Form nähern und sie zum Lüften ihrer Maske bringen . Aber die beiden hatten sich zugeknöpft und den diplomatischen Künsten des jungen Schmeiß gegenüber unzugänglich verhalten . Sam paßte genau auf , was der Hauptmann zeigen würde , als er daran kam , Kaution vorzulegen . Staatspapiere , ein ganzes Paket ! Der Mann war also gewappnet und nicht etwa aus bloßer Neugier hier erschienen . Nachdem Namen und Personalien der Interessenten mit gerichtsüblicher Umständlichkeit erfragt und aufgeschrieben waren , wurde zur Feststellung des geringsten Gebotes übergegangen . Dann forderte der Richter zur Abgabe von Geboten auf . Er hatte eine zweistündige Pause angesetzt , innerhalb deren geboten werden konnte . Der Gerichtssaal leerte sich wieder ; nur einige wenige Leute blieben zurück , die hier ebensogut wie anderwärts ihre Zeit mit Nichtstun verbringen zu können meinten . Der Richter arbeitete an seinen Akten . Der Kalkulator schrieb das Protokoll aus , in der Ecke nickte der Gerichtsdiener . Der Geist der Langeweile und der Schläfrigkeit hatte sich über den Raum gesenkt . Der Richter war ein älterer Beamter . Wie viele Grundstücke waren nicht schon im Laufe der langen Praxis unter seinem Hammer weggegangen ! Die Verhandlung pflegte unter seinem Vorsitz glatt , ohne Stocken , wie eine gutgeölte Maschine , zu laufen . Nüchtern , geschäftsmäßig und trocken erklangen seine Fragen . Was kümmerte es ihn , wer schließlich der Ersteher wurde ! Sache des Juristen war es nicht , Mitgefühl zu empfinden ; das hätte ja höchstens seine » strikte Objektivität « trüben können . Für ihn existierte das Stück Erde , welches zufälligerweise einem gewissen Traugott Büttner gehörte , nur insofern , als es durch ein in » legaler Weise « herbeigeführtes Zwangsversteigerungsverfahren in » forensischen Konnex « getreten war zum Gesetz und damit zu ihm , dem Diener des Gesetzes . Dadurch war für den Juristen ein Zaun abgesteckt , innerhalb dessen er sich von Rechts wegen bewegen durfte . Wenn er sich ' s hätte einfallen lassen , den Zaun zu überschreiten , tiefer zu blicken , als seines Amtes war , dann würde er vielleicht entdeckt haben , daß dieses Stück Erde , welches heute unter den Hammer kam , doch noch etwas mehr als ein bloßes Subhastationsaktenstück sei . Er würde gefunden haben , wenn er das » legale « Gewand der Sache zu lüften sich die Mühe , gegeben hätte , daß er nichts Geringeres als das Wohl und Wehe einer Familie , daß er Menschenschweiß und Menschenblut zu » meistbietender Versteigerung « brachte . Und daß so das » von Rechts wegen « eine eigentümliche Bedeutung gewann . Der Saal füllte sich allmählich wieder , als die zweistündige Pause sich ihrem Ende zuzuneigen begann , und das Bieten nahm seinen Anfang . Zunächst erfolgten einzelne Gebote , gleichsam tropfenweise ; denn keiner der Interessenten wollte dem anderen seinen Eifer merken lassen . Bankier Schönberger hatte angeboten mit einer Summe , welche gerade die Höhe seiner Hypothek erreichte . Dann überbot ihn Harrassowitz . Jetzt begann sich der gräfliche Rendant an der Bietung zu beteiligen . Zuerst langsam , dann in immer schnellerer Folge überboten sich Sam und der Rendant mit Beträgen von geringem Umfang . Der Händler legte kühlste Ruhe an den Tag ; die Hände in den Taschen , wiegte er sich auf den Absätzen und suchte den Gegner durch seine überlegen spöttische Miene in Verwirrung zu setzen . Der gräfliche Beamte , ein Graukopf mit glattrasiertem Gesicht , war unruhig . Die Geböte kamen zaghaft und hastig von seinen Lippen . Mehrfach sah er sich nach Hauptmann Schroff um , der weiter hinten unter den Zuschauern mit sichtlicher Spannung dem Gange der Versteigerung folgte . Auf diese Weise hatten sich die beiden bis an die letzte Hypothek herangetrieben , welche Ernst Kaschel gehörte . Der Gastwirt war im Saale anwesend , bot aber nicht mit . Harrassowitz hatte soeben geboten . Der Rendant bat um eine kurze Hinausschiebung des Zuschlags , lief nach hinten und besprach sich mit dem Güterdirektor . » Bis zur Höhe der Schulden , nicht wahr , ging der Limit ? « fragte er . Der Hauptmann stand mit gerunzelter Stirn und überlegte . » Hundert Mark darüber , « sagte er dann . » So viel will ich noch zulegen ; mehr kann ich nicht ! « Der Rendant ging wieder an die Schranken und machte sein Gebot . Sam überbot