oder meinem Selbstgefühl bedrückt . Ich mag es für nichts Besseres ausgeben . Holk , um es rundheraus zu sagen , ist nicht recht geheilt . Wenn er das Fräulein drüben geheiratet und über kurz oder lang eingesehen hätte , daß er sich geirrt , so fände ich mich vielleicht zurecht . Aber so verlief es nicht . Sie hat ihn einfach nicht gewollt , und so besteht denn für mich , um das mindeste zu sagen , die schmerzliche Möglichkeit fort , daß das Stück , wenn sie ihn gewollt , einen ganz anderen Verlauf genommen hätte . Die Reihe wäre dann mutmaßlich nie wieder an mich gekommen . Ich spiele in dieser Tragikomödie ein bißchen die faute-de-mieux-Rolle , und das ist nicht angenehm . « Von diesem Briefe Christinens hatte Holk die Hauptsache wiedererfahren , und was sich darin aussprach , das stand beständig vor seiner Seele , trotzdem der alte Petersen und Arne gemeinschaftlich bemüht waren , seine Hoffnung auf einen guten Ausgang wieder zu beleben . » Du darfst Dich diesem Gefühle von Hoffnungslosigkeit nicht hingeben « , schrieb Petersen an Holk . » Ich kenne Christine besser als ihr alle , selbst besser als ihr Bruder , und ich muß Dir sagen , daß sie , neben ihrer christlichen Liebe , die ja Verzeihung für den Schuldigen lehrt , auch noch eine rechte und echte Frauenliebe hegt , so sehr , daß sie Dir gegenüber in einer gewissen liebenswürdigen Schwäche befangen ist . Ich sehe das aus den Briefen , die von Zeit zu Zeit aus Gnadenfrei bei mir eintreffen . Es liegt alles günstiger für Dich , als Du ' s glaubst und als Du ' s verdienst , und es würde mir meine letzte Stunde verderben , wenn ' s anders wäre . Mit achtzig weiß man übrigens , wie ' s kommt , und dafür verbürge ich mich , Helmuth , daß ich Eure Hände noch einmal wieder ineinanderlege , wie ich ' s vordem getan , und das soll meine letzte heilige Handlung sein , und dann will ich aus meinem Amt treten und abwarten , bis Gott mich ruft . « Das war Anfang April gewesen , daß Petersen so geschrieben , und wenn Holk der mehr als halben Sicherheit , die sich darin aussprach , für seine Person auch mißtraute , so kamen ihm doch immer wieder Stunden , in denen er sich daran aufrichtete . So war es auch heute wieder , und von heiteren Bildern erfüllt , saß er auf dem Vorderbalkon seines Hauses , unter dem Gezweig einer schönen alten Platane , die hier schon gestanden haben mochte , als , vor nun gerade hundert Jahren , dieser ganze Stadtteil erst errichtet wurde . Die hohen , bis auf die Diele niedergehenden und nach unten zu halb geöffneten Schiebefenster gestatteten einen freien Verkehr zwischen Zimmer und Balkon , und das Feuer in seinem Drawing-Room , das mehr des Anblicks als der Wärme halber brannte , dazu die Morgenzigarre , steigerte das Behagen , das er momentan empfand . Neben ihm , auf einem leichten Rohrstuhl , lag die » Times « , die , weil das anmutige Frühlingsbild vor ihm ihn bis dahin abgezogen hatte , heute , sehr ausnahmsweise , beiseite geschoben war . Nun aber nahm er sie zur Hand und begann seine Lektüre wie gewöhnlich in der linken Ecke der großen Anzeigebeilage , wo , durch schärfste Diamantschrift ausgezeichnet , die Familiennachrichten aus dem Londoner High Life verzeichnet standen : geboren , gestorben , verheiratet . Auch heute lösten sich die drei Rubriken untereinander ab , und als Holk bis zu den Eheschließungen gekommen war , las er : » Miss Ebba Rosenberg , Lady of the Bedchamber to Princess Mary Ellinor of Denmark , married to Lord Randolph Ashingham formerly 2d . Secretary of the British Legation at Copenhague . « » Also doch « , sagte Holk , sich verfärbend , im übrigen aber nicht sonderlich bewegt , und legte das Blatt aus der Hand . Vielleicht , daß es ihn tiefer getroffen hätte , wenn ' s plötzlich und als ein ganz Unerwartetes an ihn herangetreten wäre . Dies war aber nicht der Fall . Schon Ausgang des Winters hatte der ihn in seinen Briefen » au courant « erhaltende Pentz diese Vermählung als etwas über kurz oder lang Bevorstehendes angemeldet , und zwar in folgenden Schlußzeilen eines längeren Anschreibens : » Und nun , lieber Holk , eine kurze Mitteilung , die Sie mehr interessieren wird als alle diese Geschichten aus dem Hause Hansen - Ebba Rosenberg hat gestern der Prinzessin Anzeige von ihrer Verlobung gemacht , die jedoch , zu leichterer Beseitigung entgegenstehender Schwierigkeiten , vorläufig noch geheim bleiben müsse . Der , den sie durch ihre Hand zu beglücken gedenkt , ist niemand Geringeres als Lord Randolph Ashingham , dessen Sie sich , wenn nicht von Vincent , so doch vielleicht von einer Abendgesellschaft bei der Prinzessin her erinnern werden . Es war gleich zu Beginn der Saison von neunundfünfzig auf sechzig . Lord Randolph , von dem es heißt , daß er den Grund und Boden eines ganzen Londoner Stadtteils ( vielleicht gerade des Stadtteils , den Sie zurzeit bewohnen ) und außerdem einen Waldbestand von fünfzehn Millionen Tannen in Fifeshire besitze - Lord Randolph , sag ich , hat sich ein Jahr lang in dieser Angelegenheit besonnen oder wohl richtiger besinnen müssen , weil von seiten eines noch viel reicheren Erbonkels allerlei Bedenken erhoben wurden . Und diese Bedenken existieren in der Tat noch . Aber Ebba müßte nicht Ebba sein , wenn es ihr nicht glücken sollte , dem stark exzentrischen Erbonkel den Beweis ihrer Tugenden auf dem Gebiete des Chic und High Life zu geben , und so wird denn die Verlobung ehestens proklamiert werden . Alles nur Frage der Zeit . Übrigens haben sich beide , der Lord und Ebba , nichts vorzuwerfen ; er , wie so viele seinesgleichen , soll