grenzenlose Unzulänglichkeit meiner Kunst ! Sprechen wollte ich mit feurigen Zungen - und ich stammelte wie ein unmündiges Kind . Erheben wollte ich mich auf den Flügeln der Morgenröthe - und ich watschelte dahin , wie eine fluglahme Ente . Selige Ahnungen , Offenbarungsträume schossen durch mein Hirn - ein taumelnder Drang fluthete empor - und ich krümmte mich ohnmächtig unter der Befangenheit meiner Aeußerungskräfte . Zu groß für den Markt und zu klein für die Einsamkeit - und doch auch wieder zu groß selbst für die Einsamkeit , deren letzte Resultate ich intuitiv vorwegnehme - sie könnte mir schließlich nur eine Schaale kleinerer Mittelerkenntnisse zusammenhäufen ! - dort verachtend , hier verzweifelnd - dort sehend , hier blind - und doch zugleich auch sehend - nüchtern und trunken in Einem : so schließe ich ab , da sich in mir Alles vollendet und beschlossen hat , was innerhalb dieser engen Bedingnisse sich vollenden und beschließen kann . Mit übermenschlichen Ahnungen ausgerüstet - im letzten Lebensmomente noch einmal durchschüttelt von den Cyclonen einer Himmel und Erde durchstürmenden Leidenschaft - - nun stiller schon und klarer - - nun ganz geläutert - gehe ich dahin , wo ich sein werde , wenn ich nicht mehr bin ... Noch einmal locken mich die Reize der Natur - aber ich erinnere mich , daß ich schon verlernt habe , mich von ihrer nackten Keuschheit naiv rühren zu lassen - ich dachte schon zu viel . Noch einmal locken mich Liebe und Schönheit .. Aber ich erinnere mich , daß ich alle Liebeswonne gekostet habe und sie doch - vergessen konnte - und Weibesschönheit dünkt mich nun so unwerth , so niedrig , so reizlos . Noch einmal lockt mich des Lebens ganzer Wirrwarr - aber ich erinnere mich , daß mir das Auf und Nieder als solches niemals genügt hat - daß ich je und je nach dem Endsinn gesucht - und da ich ihn nimmer gefunden , fortsuchen würde - ein armer räthselgepeinigter Frager und Rufer und Taster . Nein ! Nein ! Das Schwimmen hat keinen Sinn , wenn Einer sein Ziel , seine Landungsschwelle nicht weiß , nicht kennt . Ich überlasse es lieber den Klüglingen , dieses Schwimmen - den Klüglingen , die das Denken verlernt , und den Dümmlingen , die keines Zieles bedürfen in ihrer geistigen Armuth . Und nun reden sie noch vom Stolze und dem Freimuth und der Heiterkeit der Weisen , die Alles erkannt und durchschaut haben und dennoch leben , weiterleben und weiterschreiten , der Stunde heiter entgegenharrend , die sie von hinnen ruft . Ich frage Euch , ihr Weisen , was wartet ihr auf diese Stunde ? Wollt ihr dem großen Enteignungsprocesse der Natur nicht zuvorkommen ? Ihr Kleingeister ! Wer hat denn die Wahrheit dieses Enteignungsprocesses gefunden ? Eure Erkenntniß , welche die Natur überwunden hat . Und Ihr habt den Zusammenhang erkannt - und wollt Euch dennoch dem klaren Resultate entziehen ? Soll ich das Feigheit nennen oder Selbstverblendung ? Oh ! Ihr habt nichts Großes erkannt , wenn Ihr behauptet : Nur im Werden erhelle sich das Sein . Ich habe eine satte Angst und Bangniß um Euch : wenn das Stündlein ruft , werdet Ihr noch nicht zu Ende sein mit Eurer kleinen Leidenschaft für das Werden und Wachsen mit der Natur - sie wird Euch mit der Keule der anagkh aufs Haupt schlagen , diese letzte , nothwendige Stunde - Ihr aber werdet verdutzt und verblüfft , Ihr werdet unfertig sein - und das Evangelium von der Naturüberwindung durch das Naturbegreifen wird Euch nicht ganz erfüllen . Geht ! Ihr seid nicht vom Geschlechte der Starken und Freien - vom Geschlechte der Gott - und Weltverächter ! Ihr seid Schwächlinge , Ihr seid Memmen und Lügner . - Ich aber bin stark und frei , weil ich erkannt habe , daß ein Jeglicher sein eigener Richter sein soll - und daß ein Jeglicher die große Pflicht hat , sich das Todesurtheil zu sprechen , wenn er die Erkenntniß empfangen hat ! Ich habe überwunden . Nicht schmerzlos . Aber ich ward wunschlos . - « * * * Adam lehnte sich zurück . Er fühlte sich doch merkwürdig ergriffen . Er athmete tief auf . Mit herber , schneidender Wucht warf sich der Gegensatz zwischen dem Einst und dem Jetzt auf ihn . Und nun schoß es durch seine Brust wie ein brennender Strom von Wuth und Scham vor sich . Ja ! das waren Lebensquintessenzen , an sich erfahrene , unwiderlegliche , in tiefstem Grunde alle Werdenskräfte berücksichtigende Wahrheiten . Und es war ihm einmal so ernst gewesen um diese Wahrheiten . Sie hatten ihn so ganz erfüllt . So ganz . In einer großen Stunde hatte er sie herausgeschüttelt und aufs Papier gefetzt mit dem glühenden Enthusiasmus des Triumphators , der überwunden hat , der wunschlos geworden ist . Wunschlos ! Wunschlos ? Oh nein ! Nicht wunschlos . Denn er hatte ja weitergelebt . Er hatte es ja nach dieser gewaltigen Vereinheitlichung der Erkenntniß doch vermocht , weiterzuleben . Und was heißt » weiterleben « anderes , als Zeit , Lust , Gelegenheit finden , tausend neue Wünsche zu gebären und nach ihrer Erfüllung zu trachten ? Das hatte er gethan . Und es war ihm auch gar nicht so schwer geworden , das zu thun . Als die Begeisterung der Stunde vorüber , als das Seherauge sich geschlossen , hatte ihn die klammernde Nesselwelt der kleinen Alltagspflichten wieder eng und compromißlüstern gestimmt . Das » Verrath « an sich zu nennen - nun ! ein Schwärmer konnte sich diesen tauben , unfruchtbaren Luxus wohl gestatten . War er aber ein Schwärmer ? War er ' s geblieben ? Kaum . Er war doch in Vielem recht praktisch , recht positiv geworden . Er hatte doch wieder Gefallen daran gefunden , tiefinnerste Genugthuung , von rothen Frauenlippen reife Küsse zu pflücken , Frauenreize mit vollendeter Virtuosität , mit feinster ästhetischer Differenzirtheit zu genießen