theuerste Wesen , ich als sein ältester und bester Freund - das Aeußerste zu diesem Behuf zu versuchen . Ich eile unverzüglich zu Mr. Moore , um das Ding herauszulootsen . Leben Sie wohl ! « » Und - und diese Autobiographie - mein Bruder hat sie mir niemals erwähnt - « » Das glaub ich wohl ! « murmelte Hobhouse bitter in Parenthese . » Was enthielt sie denn ? ! In Betreff der - der Scheidung nämlich ? Oder - « Ein eigenthümlicher Ausdruck der Spannung , halb lauernd , halb ängstlich , straffte hier die müden Züge Mrs. Leigh ' s. » Hm , hm - « Mr. Hobhouse dehnte seine Worte auffallend . » Erinnere mich nicht so genau . Viel Unsinn . Adieu . « Was bedeutete der seltsame Blick , den Beide an der Thüre wechselten ? Argwohn ? Mißtrauten sie einander ? - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - In dem Drawing Room Mr. Murray ' s , des großen Verlegerfürsten , in Albemarlestreet , befand sich eine Gesellschaft von sechs Personen in heftigem Disput . Den Salon schmückte eine Reihe von Bildern , Porträts berühmter Schriftsteller , deren Werke bei Murray erschienen waren . Standen doch drunten im Portiko zwei bemerkenswerthe Büsten , auf welche weisend der Verleger mit gerechtem Stolz zu äußern pflegte : » Die Werke dieser beiden großen Männer sind hier veröffentlicht . « Der Eine war » the Duke « , der Herzog , der eiserne Herzog Wellington , dessen Depeschen ( dispatches ) vom spanischen Krieg bei Murray erschienen . Der Andere ein weit erlauchterer Geist , dessen Ruhm die Welt bedeckte und der soeben , die Lyra des Dichters mit dem Schwert des Freiheitskämpen vertauschend , den Heldentod für eine glorreiche Sache gestorben war . Aber die Skulptur schien diesem wunderbaren Antlitz nicht gerecht zu werden . Das merkte man so recht , wenn man das Meisterwerk von Philipps , ein Porträt im Rembrand ' schen Stil , über dem Kamin des Salons auf die Streitenden herniederschauen sah . Unwillkürlich fuhr Jeder zurück , von einem seltsamen Schauer ergriffen , wenn er auf die harmonische und übermenschliche Schönheit jener Formen blickte , die im Leben einen Genius des Jahrhunderts beherbergt und jetzt von diesen übernatürlichen Kräften verlassen . Wie der Gott des nimmer fehlenden Bogens , der Gott des Lichtes und der Poesie , die Sonne in Menschengestalt , Phöbus Apollo , blickt er wie aus überirdischen Fernen nieder . Als dieses Antlitz im Theater della Scala in Mailand vor dem vornehmkühlsten Kritiker Frankreichs ( Stendhal ) an einer Logenbrüstung auftauchte , vergaß er , dem Schwanengesang Desdemonas zu lauschen , und blickte auf dies Wunderbild bis zuletzt . » Ja , « gesteht er , » ich war einen Augenblick enthusiasmirt . Nie hab ' ich Aehnliches geträumt . Stets wenn man das Wort Genie nennt , taucht dieser sublime Kopf in meiner Erinnerung empor . Es war das göttliche Bewußtsein der Kraft . « Und dennoch - so lieblich dies Lächeln , das in so joviales Gelächter wie das eines fröhlichen Schulknaben umschlagen konnte , so offen und frei der stolze Blick - auf der Majestät dieser hohen Stirn thront unsterbliche Trauer . Man gedenkt an den Lucifer , den Lichtbringer der Erkenntniß , vor dem Byrons » Kain « erstarrte : » Wer naht dort ? Die Gestalt gleicht der der Engel , doch wehmuthsvoller , düsterer ist der Anblick dieser Erscheinung vergeistigtester Geisteskraft . Was schaudre ich ? Was fürchte ich ihn mehr als andre Geister ? Doch scheint er ja viel mächtiger als sie alle , und schöner , aber doch nicht halb so schön , als er einst war und als er werden könnte . « ..... Unter den sechs Versammelten standen sich zwei Parteien gegenüber . Die bemerkenswertheste Persönlichkeit , ein kleiner Mann von sympathischem Aeußern , war kein Geringerer als Thomas Moore , der Nationaldichter Irlands . An seiner Seite stand Mr. Murray , der Chef des großen Verlagsetablissements , und sein Sohn und Thronerbe . Ihnen gegenüber Ion Cam Hobhouse , Baronet ( später Lord Broughton ) , als Testamentsvollstrecker und intimster ältester , Freund des Todten . Neben ihm zwei Weltmänner , Colonel Doyle als Vertreter der separirten Wittwe und Mr. Wilmot Horton als Vertreter der Schwester . Der Streit nahte seinem Ende . Die Hartnäckigkeit des hochangesehenen Mannes , welcher einzig und allein die Interessen seines verewigten Freundes verfocht , unterstützt vom - ihm selbst sehr gleichgültigen - Interesse der Wittwe , trug den Sieg davon . Folgendes war das Resumé , welches Mr. Hobhouse mit scharfer Bestimmtheit und Klarheit vom Stapel ließ : » Die Sache steht demnach so . Der Verstorbene hat in Venedig an Mr. Moore seine Autobiographie geschenkt und später aus Italien noch Vervollständigungen gesendet . Dies Dokument wurde , auf besonderen Wunsch des Dichters , von seinem Verleger Mr. Murray aus Moore ' s Händen für 2000 Pfd . Sterl . gekauft , mit dem Recht der Veröffentlichung . In seinem letzten Lebensjahr vor seiner Abreise nach Missolunghi ward aber mein Freund von wiederholten Zweifeln heimgesucht , ob die Publikation seinem Rufe zuträglich sein würde . Ich versichere auf mein Ehrenwort und gestützt auf vorgelegte Briefe , daß mein Freund die Absicht hatte , die Dokumente zurückzukaufen . Ich protestire also mit aller Energie als Testamentsvollstrecker des Verewigten gegen eine Publikation , die seinem Ruhme höchst nachtheilig sein kann . Ich halte das betreffende Manuscript für eine seiner ganz unwürdige Leistung und Handlung . Die nächste Verwandte , die Schwester meines Freundes , die ehrenwerthe Augusta Leigh , ist festiglich derselben Ansicht . Die Wittwe vertritt aus guten Gründen denselben Standpunkt . - Zu diesem Zweck hat der nun durch uns zur Erkenntniß der Sachlage gekommene Mr. Moore die betreffenden 2000 Pfd . Sterl . hiermit zur Rückzahlung angetragen