krachen ... « Und der Herr Kommerzienrat war sanft eingenickt . Er hatte den Mund mit den gelben , angefaulten Zähnen halb offen und schnarchte seinen gediegenen Nachmittagsschlaf . Auf der Maximilianstraße klingelte die Pferdebahn , an der Quaistraße rauschte die Isar , im ersten Stock verklimperte Miß Vivian gar gefühlvoll ihre Seele im Wagner ' schen Siegfried-Idyll ; durch das offene Balkonfenster über dem Garten flutete Frühlingshauch und Sonnenduft in linden , würzigen Wellen herein : Raßler schlief in seinem weichgepolsterten Amerikaner wie ein feister seliger Engel im Paradies . Nicht einmal der Anflug einer bösen Traumeslaune wagte ihn heute zu stören ... Und wie er dalag , in holder Bewußtlosigkeit das stilwidrigste Inventarstück seines stilvollen Salons ! Wie er schnarchte und dünstete ! Keine Angst : die Verdauung war wieder wundervoll in Ordnung . Der große Kunstmäzen , als welchen er sich mit Hochgenuß preisen hörte , war vor allem ein großer Künstler im Essen und Trinken . Sein Wahlspruch : » Sehr gut und sehr viel ! « Und heute war das Menü wieder geradezu erhaben gewesen . Krammetsvögelsuppe von göttlichem Wohlgeschmack . Poularde mit frühem Riesenspargel aus dem Süden von überwältigender Qualität . Und das Übrige ! Und das Unsagbare zum Nachtisch ... » Er schnarcht wie ein Sägebock , « spottete die Gusti und legte die Korrespondenz nebenan auf das japanische Serviertischchen . » Der platzt doch noch in seinem Dickwanst ... « Dann huschte sie auf den Zehenspitzen wieder hinaus . Es war keine Zofe mehr in gefährlichen Jahren . Eine Art von abgelagertem weiblichen Faktotum , ebenso allwissend in allen intimen Hausangelegenheiten wie ein Beichtvater in den Sündhaftigkeiten seines Sprengels , und dabei ein seltsames Gemisch von diskreter Unverschämtheit , treuherziger Dienstgefälligkeit und schlauer Berechnung des eigenen Vorteils . Jedermann im Hause schwor auf ihre Zuverlässigkeit , und niemand schwor falsch . Gusti war eine abgefeimte Diplomatin - und , wie alle Diplomaten , wenn ' s schief ging , nie um eine gute Ausrede verlegen . Der Herr Kommerzienrat hatte sie aus seiner ersten Ehe , wo sie als Kindsfrau dem kleinen Eugen ihre Wärterdienste leistete , in die zweite Ehe mit herüber genommen . Die zweite Ehe war seither unfruchtbar geblieben ; Frau Leo Raßler , keiner Kinderwärterin benötigt , erhob die gewandte Gusti zur Würde einer Zofe - was aber kaum mehr als eine Sinekure bedeutete , da die neue Gnädige merkwürdigerweise ihre Leibesbedienung selbst besorgte . Gusti machte sich im Hause nützlich , wo sich irgend eine Gelegenheit bot . Sie war die Vertraute beider Gatten , bis zu einem gewissen Grade , und sie hatte dabei für jeden ein besonderes Ohr und eine besondere Zunge , wobei sie mit großem Geschick jeder Verwechslung gewachsen war . Nie war ihr in diesem Punkte bis jetzt ein Unfall passiert . In der ersten Zeit seiner zweiten Ehe , so vor vier , fünf Jahren , hatte der Herr Kommerzienrat sehr viel auszustehen , bis er sich einigermaßen in das fremdartige Wesen seiner neuen Gattin eingelebt . Gusti griff ihm bei diesem Anpassungsprozeß wacker unter die Arme mit dem Schatze ihrer Erfahrungen und ihrem Instinkte für absonderliche Weiberlaunen und deren oft noch absonderlicheren Art der Befriedigung . Daß sie oft fehl griff , lag an den Umständen , nicht an ihrem Witz und Willen . Wenn ihr der Kommerzienrat sein Leid klagte , daß Frau Leopoldine doch gar so kühl und verschlossen gegen ihn sei , daß er so wenig zärtliches und in der Zärtlichkeit erfinderisches Entgegenkommen bei ihr finde , daß sie die Erfüllung ihrer ehelichen Pflichten so widerwillig und träge , zuweilen sogar unter Widerspruch betreibe und immer neue Ausflüchten ersinne , um seinen Intimitäten zu entschlüpfen , kurz , daß sie ihn auf die schnödeste Weise behandle und seine Liebe nur wie mit Almosen erwidere , die man einem elenden Bettler hinwirft , um Ruhe vor ihm zu bekommen : dann lächelte Gusti spitzbübisch : » Sie fassen die Sache auch gleich zu tragisch auf , gnädiger Herr ; Ihre Frau ist nun einmal anders als die andern , deswegen dürfen Sie nicht verzweifeln . « » Kalt ist sie wie ein Eisblock , « antwortete Raßler bekümmert . » Dann müssen wir den Eisblock aus Feuer bringen . « » Aus Feuer ! Wenn er sich nicht von der Stelle rührt ! Wenn er daliegt wie angefroren ... « » Dann bringen wir das Feuer zu ihm , wir erhitzen die Luft . « Raßler schüttelte den Kopf : » Du redst dummes Zeug Gusti . Das macht der Liebe kein Kind . « » Freilich nicht , wenn Sie sich immer so abschließen , keine Gesellschaften geben , keinen ordentlichen Menschen zu sich einladen , nichts als so grauslich ernsthafte Gschaftlhuber ... Da wird jede Frau verdrossen , besonders eine so junge und schöne wie die Frau Kommerzienrat . Ein solches Kleinod sperrt man nicht in die Truhe . Da verliert ' s seinen Glanz . Das muß aus Licht , dann funkelt ' s und erfreut das Herz . « » Ja , das Herz der anderen . « » Was liegt daran ? Besitzer bleibt man doch und hat im Besitz den schönsten Genuß davon . Na , die Eifersucht , die läßt freilich keinen gescheidten Gedanken aufkommen . « » Ich bin neugierig auf Deinen gescheidten Gedanken . « » Laden Sie Ihre jüngeren Freunde ein , machen Sie wenigstens einmal in der Woche einen lustigen Abend , wo man sich zu einem Spielchen zusammensetzt oder musiziert und tanzt wie in den andern vornehmen Häusern ... « » Jüngere Freunde ! O Du Schlange , sag ' doch gleich Verehrer und Liebhaber ! « pustete der dicke Kommerzienrat . » Ei freilich , na , was wär ' dabei ? Jede schöne Frau von Stand hat ihre Verehrer . Das bringt die Damen in guten Humor und frischt ihre Laune auf - und schließlich schöpft der Mann als der einzig wirkliche Liebhaber den