ein Härchen hätte fassen können , indem er die Locken als schnöden Luxus erklärte , und er sah dann mit seinem kahlen Rosenköpfchen noch viel lustiger aus . Im Essen war er hinwieder Epikureer , und die gewöhnliche Dorfkost verschmähend , schmorte er sich ein saures Eichhörnchen , briet ein Fischchen oder eine Wachtel , die er gefangen hatte , und aß ausgesuchte kleine Böhnchen , junge Kräutchen und dergleichen , wozu er ein halbes Gläschen alten Wein trank . Als Stoiker hingegen richtete er allerhand spaßhafte Händel an und brachte die Leute in Harnisch , um in dem entstandenen Lärm dann einen kalten Gleichmut zu behaupten und sich nichts anfechten zu lassen ; insbesondere aber erklärte er sich als einen Verächter der Frauen und führte einen beständigen Krieg mit ihnen , welche mit ihren sinnlichen Reizen und ihrem eitlen Wesen die Männer ihrer Tugend und Ernsthaftigkeit berauben wollten . Als Cyniker verfolgte er die Frauen und Mädchen überall mit Natürlichkeiten , als Epikureer mit erotischen Witzen , und als Stoiker sagte er ihnen Grobheiten , war aber immer zu finden , wo drei beieinanderstanden . Sie wehrten sich mit geräuschvollem Entsetzen gegen ihn , so daß überall , wo er erschien , ein lustiger Spektakel losging ; nichtsdestoweniger sah man ihn ziemlich gern ; die Männer achteten nicht auf ihn , und die Kinder hingen mit großer Liebe an ihm ; denn mit diesen war er auf einmal wie ein Lamm und stand in dem besten Verhältnisse zu ihnen . Er hatte die Allerkleinsten zu besorgen , und er tat dies so vortrefflich , daß man noch nie einen so wohlgearteten Schlag kleiner Jüngelchens und Dirnchens im Dorfe gesehen hatte . Deshalb übersah man seine übrigen Geschichten , die er anrichtete und die man seiner tollen Jugend zuschrieb ; und selbst daß er sich für einen Atheisten ausgab , konnte ihn der Gunst des weiblichen Dorfes nicht berauben . Er fand sich auch im Hause meines Oheims ein , wo eine gute Anzahl Mädchen und junger Bursche , die durch vielfältigen Besuch noch verstärkt wurde , für seine Aufführungen empfänglich war . Ich gesellte mich dem Philosophen bei , einesteils von seinem Philosophieren angezogen , andernteils von seinem Weiberkriege , da dieser gerade mit meiner schiefen Lage zu den Mädchen zusammentraf . Wir machten große Spaziergänge , auf welchen er mir die Systeme der Reihe nach vortrug , wie er sie im Kopfe hatte und wie ich sie verstehen konnte . Es kam mir alles äußerst wichtig und erbaulich vor , und ich ehrte bald , gleich ihm , jede Lehre und jeden Denker , gleichviel ob wir sie billigten oder nicht . Über den christlichen Glauben waren wir bald einig und machten in die Wette unsern Krieg gegen Pfaffen und Autoritätsleute jeder Art ; als ich aber den lieben Gott und die Unsterblichkeit aufgeben sollte und der Philosoph dieses mit höchst unbefangenen Auseinandersetzungen verlangte , da lachte ich ebenso unbefangen , und es kam mir nicht einmal in den Sinn , die Sache ernstlich zu untersuchen . Ich sagte , am Ende wäre die Hauptformel einer jeden Philosophie , und sei diese noch so logisch , eine ebenso große und greuliche Mystik wie die Lehre von der Dreieinigkeit , und ich wollte von gar nichts wissen als von meiner persönlichen angeborenen Überzeugung , ohne mir von irgendeinem Sterblichen etwas dazwischenreden zu lassen . Außerdem daß ich nicht wußte , was ich anfangen sollte ohne Gott , und ich der Meinung war , daß ich einer Vorsehung im Leben noch sehr benötigt sein würde , band mich eine Art künstlerischen Fühlens an diese Überzeugung . Ich glaubte , daß alles , was Menschen zuwege bringen , seine Bedeutung nur dadurch habe , daß sie es zuwege zu bringen vermochten und daß es ein Werk der Vernunft und des freien Willens sei ; deshalb konnte mir die Natur , an die ich gewiesen war , auch nur einen Wert haben , wenn ich sie als das Werk eines mir gleich fühlenden und voraussehenden Geistes betrachten durfte . Ein sonnedurchschossener Buchengrund konnte nur dann ein Gegenstand der Bewunderung sein , wenn ich ihn mir durch ein ähnliches Gefühl der Freude und der Schönheit geschaffen dachte . » Sehen Sie diese Blume « , sagte ich zum Philosophen , » es ist gar nicht möglich , daß diese Symmetrie mit diesen abgezählten Punkten und Zacken , diese weiß und roten Streifchen , dies goldene Krönchen in der Mitte nicht vorhergedacht seien ! Und wie schön und lieblich ist sie , ein Gedicht , ein Kunstwerk , ein Witz , ein bunter und duftender Scherz ! So was macht sich nicht selbst ! « - » Auf jeden Fall ist sie schön « , sagte der Philosoph , » sei sie gemacht oder nicht gemacht ! Fragen Sie einmal ! Sie sagt nichts , sie hat auch nicht Zeit dazu , denn sie muß blühen und kann sich nicht um Ihre Zweifel kümmern ! Denn das sind alles Zweifel , was Sie vorbringen , Zweifel an Gott und schnöde Zweifel an der Natur , und es wird mir übel , wenn ich nur einen Zweifler höre , einen empfindsamen Zweifler ! O weh ! « Er hatte diesen Trumpf beim Disputieren älterer Leute gehört und brachte denselben wie ähnliche Fechterkünste , die er sich angeeignet , gegen mich vor , so daß ich schließlich geschlagen wurde ; besonders sagte er zuletzt immer , ich verstehe eben die Sache noch nicht und wüßte nicht richtig zu denken , was mich dann gewaltig erboste , und wir gerieten manchmal in grimmigen Zank . Doch vereinigten wir uns immer wieder , wenn wir mit den Mädchen zusammentrafen , wo wir einen gemeinsamen Kampf zu bestehen hatten , von allen Seiten angegriffen Wir schlugen unsere Feinde eine Zeitlang mit unseren Sarkasmen siegreich zurück ; wenn sie aber nicht mehr weiterkonnten und zu sehr gereizt waren , so ging der Krieg in Tätlichkeiten über ; eine einzelne begann