er sagen wollte : » So sieht er auch aus . « Damit schritten sie über den Hof auf den schmalen Gang zu , der durch das Schilf führte . Eine halbe Stunde später hatte die kleine Kolonne den vorausbestimmten Rendezvousplatz , das Neu-Manschnower Vorwerk , erreicht . Sie fanden den Kniehaseschen Trupp , der keinen Aufenthalt gehabt hatte , schon vor . Krull und Reetzke , nachdem alles erzählt worden , was zu erzählen war , erboten sich , den Gefangenentransport , der auf Frankfurt ging , zu übernehmen : eine Verstärkung dieser Eskorte war nicht nötig , da sowohl Muschwitz wie Rosentreter froh schienen , ihre Winterhütte mit unfreieren , aber bequemeren Verhältnissen vertauschen zu können . Die Frau , in betreff deren Zweifel herrschten , wem von den beiden sie zugehörte , folgte stumm , einen kleinen Schlittenkasten ziehend , in den sie das Kind hineingesetzt hatte . Die Hohen-Vietzer traten gleichzeitig mit dem Abmarsch der Gefangenen ihren Rückweg an . Und zwar über das am diesseitigen Ufer liegende Manschnow . An der Mühle vorüberkommend , teilten sie dem alten Kriele mit , in welchem Stalle er seinen Braunen wiederfinden würde ; auf dem Schulzenamte aber wurde Befehl zurückgelassen , daß die Manschnower , zu deren Revier die Insel gehörte , den Schuppen durchsuchen und durchgraben und alles geraubte Gut , das sich etwa finden würde , nach Frankfurt hin abliefern sollten . Sechzehntes Kapitel Von Kajarnak , dem Grönländer Um zwei Uhr waren unsere Hohen-Vietzer wieder in ihrem Dorf und eine halbe Stunde später wußte jeder bis auf die letzten Lose hinaus , daß die Strolche gefunden und auf dem Wege nach Frankfurt seien . Im Kruge , wo sich bald einige Bauern , auch Kallies und Kümmritz , versammelten , entsann man sich Muschwitzens sehr wohl , der immer ein Tagedieb und Taugenichts gewesen sei , und erging sich in Vermutungen , woher er den französischen Soldatenrock genommen haben könne , Vermutungen , die mit Totschlag begannen und über qualifizierten Diebstahl hin einfach bei Tausch oder Kauf endigten . Dies letztere war denn auch das wahrscheinlichste . In Küstrin , wo der Typhus jeden Tag die Reihen der französischen , zum Teil aus Hessen und Westfalen bestehenden Garnison lichtete , war zu solchen » Geschäften unter der Hand « die reichlichste Gelegenheit gegeben . Von Rosentreter wußte niemand . Das Lob des Hütejungen war auf aller Lippen . Auch im Herrenhause riß das Erzählen gar nicht ab . Kathinka und Tante Schorlemmer wollten alles bis auf die kleinsten Züge wissen , und als es unten im Wohnzimmer nichts mehr zu berichten gab , wurde oben in Renatens Krankenzimmer das Berichterstatten fortgesetzt . Lewin saß eine Stunde lang an ihrem Bett und ließ der Reihenfolge nach erst das Absuchen des Wäldchens , dann den Überfall und den Transport der Gefangenen an ihrem Auge vorüberziehen . Nichts wurde vergessen ; namentlich hob er aus seinem Gespräche mit dem jungen Scharwenka hervor , daß Maline unrecht habe , pries Hanne Boguns Umsicht und schilderte schließlich den Eindruck , den die auf dem Rohrwerder mitgefangene Frau auf ihn gemacht habe . So kam die Tischstunde heran . Der alte Vitzewitz war in bester Laune , und so unbequem es ihm sein mochte , mit seiner Hypothese von den » Marodeurs « und » Deserteurs « eine arge Niederlage erlitten zu haben , so gewann er es doch über sich , was sonst nicht seine Art war , über sich selbst und seinen Rechnungsfehler zu scherzen . Wußte er doch , daß er schließlich recht behalten würde . Alles war nur Frage der Zeit . Gleich nach Tisch sollte zu Graf Drosselstein nach Hohen-Ziesar hinübergefahren werden ; Tubal und Kathinka schuldeten ihm ohnehin noch ihren Besuch , der , wenn er überhaupt noch gemacht werden sollte , nicht hinausgeschoben werden konnte . Denn am andern Tage schon sollte von Schloß Guse aus die Rückkehr beider Geschwister nach Berlin angetreten werden . Krist mit den Ponies hielt schon vor der Treppe , als die Tafel aufgehoben wurde ; wenige Minuten später bog der Wagen von der Auffahrt her in die Dorfstraße ein . Kathinka , einer ihrer Passionen folgend , hatte die Leinen genommen und fuhr . Als sie an Miekleys Mühle vorüberkamen , begegnete ihnen Doktor Leist von Lebus , der sich getreulich einstellte , um nach seiner Kranken zu sehen . Nur kurze Grüße wurden gewechselt . Alte-Doktor Leist , der seit zwanzig Jahren im Hohen-Vietzer Herrenhause so gut Bescheid wußte wie in seinem eigenen , stieg , nachdem er ein paar Worte mit Jeetze gewechselt und von dem großen Ereignis des Tages gehört hatte , treppan und trat bei Renaten ein . Nur Maline war bei ihr . Das Schlafzimmer , jetzt auch Krankenzimmer , lag auf der der Gerichtsstube entgegengesetzten Seite des Hauses und war nur durch eine Giebelwand von dem mehrgenannten alten Querbau getrennt , der ehedem als Bankettsaal , dann als Kapelle gedient und nun längst schon seine früheren Bestimmungen mit der bescheidenen einer großen Obst- und Rumpelkammer vertauscht hatte . Am Ende des Korridors befand sich eine schmale Tür , die mit Hilfe einer hochstufigen Treppe die Verbindung mit diesem alten Querbau unterhielt . Doktor Leist trat an das Bett der Kranken , fühlte den Puls und sagte dann , während er eine fieberstillende Arzenei auswickelte : » Hier bring ich etwas . Der alte Doktor Leist ist wie der Weihnachtsmann ; er bringt immer etwas mit . « » Nur der Weihnachtsmann bringt Süßes , und Doktor Leist bringt Bitteres . « » Nicht doch , nicht doch , Renatchen . Da sollten Sie den alten Leist doch besser kennen . Der weiß , was sich schickt , und kennt seine deutschen Sprichwörter . Gleich und gleich gesellt sich gern . Und für so liebe kleine Fräuleins ist das Bittere gar nicht da . « » Also sauer ? « » Sauer und süß ; eine Doppellimonade . « » Das ist recht