Vorbilde streng unsere Pflichten zu erfüllen . Und ich kann ' s nicht glauben . Ohne Ruh ' und Rast schau ich zum Fenster hinaus , ob er nicht des Weges kommt in seinem braunen Rock . Er hat sich schon ein wenig stützen müssen ; ist wohl doch gebeugt gewesen unter seinen weißen Haaren . Ohne Ruf ' und Rast geh ' ich am Pfarrhofe vorüber ; es ist kein Klopfen mehr an den Fensterscheiben , es lächelt kein freundliches Gesicht mehr heraus . Da stehe ich still und meine , ich müsse laut seinen Namen rufen . Und ich kann es nicht glauben , daß er dahin ist . Bei dem Leichenbegängnisse ist der Holdenschlager Pfarrer dagewesen . Er hat sich baß gewundert über die allgemeine Trauer , die in den Winkelwäldern herrscht . Selbst der Branntweiner Hannes ist zum Grabe gekommen und hat eine Scholle hinabgeworfen . Nur der alte Rüpel ist nicht zu sehen gewesen ; der hat wohl im Urwaldfrieden das Grablied gesungen . Zu Winkelsteg haben die Glocken gesprochen . Und als letztlich auch die Glocken stumm geworden , da sind die Leute still davongezogen in ihre armen , zerstreuten Wohnungen . Nur ich allein stehe noch da und starre hinab auf den falben Tannensarg . Vor achtzehn Jahren habe ich den Mann das erstemal gesehen . Er ist am Grabe gestanden , das sie in der Wolfsschlucht dem » Glasscherbenfresser « gegraben . Seit zwölf Jahren ist er Pfarrer zu Winkelsteg gewesen . Die Leute wissen es nicht und messen es nicht , wie viel sie ihm zu verdanken haben . Heute blicke ich nieder auf seinen Schrein ; ja , das ist der Schlußpunkt zu der Antwort Einspanig . Wie ich darüber noch sinne , kommt die alte Haushälterin des Winkelhüterhauses , meine ehemalige Wirtin , herbeigewackelt . Sie guckt auch in die Grube , fährt sich mit der Hand über das Gesicht , tappt nach meinem Arm und sagt : » Gott geb ' ihm den ewigen Frieden ! Das ist ein braver Mann gewesen . Aber ein Fabelhans auch ! Wie ein Vogel ist sein Sinn herumgeflogen in der weiten Welt , und auf keinem Fleck , hat er gesagt , wär ' die Welt mit Brettern verschlagen . Und jetzt - gucket einmal recht hinab , Schulmeister ! Da unten ist sie - Gott geb ' ihm den ewigen Frieden - da unten ist sie mit Brettern verschlagen . « Das Wort ist gesagt und hastig humpelt sie auf ihren Krücken davon . Und sie hat halt doch endlich recht , die Alte . So unbegrenzt der menschliche Geist auch fliegen mag in den Weiten , sein letztes Ziel wird umschlossen von den Brettern des Sarges . - Glücklicher Schläfer , dir ist ein unendlicher Raum jetzt die Truhe . Noch nicht lang ' , und dir war zu eng die unendliche Welt . - Großer Dichter , vergib , daß ich dein Wiegenlied zur Grabschrift wandle . Ostern 1832 . Die Seuche ist erloschen . Man sieht viele blasse , abgehärmte Gesichter umherwandeln . In den Mulden der Waldberge und in den Spalten der Felsen schießen Wildwasser zur Tiefe . Der Wasserfall über die Breitsteinerwand ist meines Erlebens noch nie so groß und schön gewesen , als jetzt . Aber es ist gar kein Fallen , es ist ein lindes Niederschweben von der Höhe , aus der Ferne gesehen . Doch wer die Wassermassen in der Nähe betrachtet ! Das ist ein gar gewaltiges Losreißen und wuchtiges Niederstürzen , daß der Erdboden klingt . Warum erhebt sich unsere Seele zu einem Wohlbehagen , wenn man die Wirkung einer großen Kraft sieht ? - Im Miesenbachgraben und in den Karlehnen donnern die Schneelahnen . Hoch über den Firnen blaut der Himmel . Da wir in der Kirche keine Auferstehungsfeier haben , so drängt es die Leute , das Osterfest in anderer Weise zu begehen . Der Charsamstag ist vorbei ; das Turmkreuz der Kirche schimmert im Abendrot viel glühender als sonst . Es wird heute aber nicht Nacht ; ein neues Leben steht auf . Die Leute gehen im Festkleide aus ihren Wohnungen hervor . Ein neuer Tag bricht an am Abende und Festfeuer leuchten auf den Höhen . - Wer von diesen Menschen weiß es denn , daß auch die alten Deutschen zu solcher Jahreszeit der Göttin des Frühlings Freudenfeuer angezündet ? Wem nur dieser Einfall ist beigekommen ? Da oben auf dem Bühel steht ein alter , einzelner Fichtenstamm ; den haben sie vom Fuß bis zur Wipfel mit dürrem Gezweige , Moos und Stroh umflochten . Wenige Schritte seitwärts haben sich die Leute um ein kleines Feuer versammelt und singen Lieder . Weiber mit verdeckten Handkörben sind auch dabei und Kinder spielen mit gefärbten Eiern . Es ist schon spät in der Nacht ; der Lazarus will mit der Lunte gehen , daß er die Osterkerze in Brand stecke , da huscht durch den finsteren Wald der alte Rüpel herbei , reißt seine Binsenhaube vom Haupte und sagt : » Gelobt sei Jesu Christ , der am Kreuz gestorben ist ! « Wir sind alle hellverwundert , daß der Alte wieder einmal unter die Leute geht , und ich will ihn sogleich einladen , daß er sich zu mir und dem Grassteiger setze , wo wir einen Mostkrug stehen haben . » Dank für die Ehr ' ! « sagt der Rüpel und zieht seine Strohharfe unter dem Rock hervor , und in die Flamme hineinstarrend , hebt er an zu reden : » Komm just von Jerusalem her . Alle drei Kreuz auf dem Berg Kalvari stehen leer . Christi Leib haben sie gelegt in ein neues Grab , die Seel ' ist gefahren zur Höllen hinab . Die Altväter täten warten schon hart . Dem Abraham hat das Feuer versengt den langen Bart ; der Moses ist schon tausend Jahr im Rauchfang gesessen und hat auf seine zehn Gebot vergessen . Der Adam ,