war auch gut . Nun lag der wackere Kämpfer ausgestreckt , still auf seinem Lager ; er hatte Ruhe - es war , als spiele ein Lächeln des Triumphes um die bleichen Lippen . In ihrer Kammer weinten Mutter und Tochter , aus der Werkstatt erschallte kraftvoll der Hammerschlag Ludwigs ; der Sohn vollendete eben den Sarg des Vaters ; er machte meisterliche Arbeit , es mußte der trefflichste Sarg werden , den er jemals angefertigt hatte . So maß er denn und behobelte die guten Bretter , auf denen des Vaters Augen so oft geruht hatten ; es war ihm während der Arbeit , als ruhten sie noch darauf , und er bestrebte sich mit fieberhaftem Eifer , daß das Stück ohne Fehl und Tadel - ein gutes wackeres Schreinermeisterstück - zustande komme . Wieder war es Nacht ; wieder lehnte Robert Wolf an der Hobelbank neben dem Freunde , und Ludwig Tellering sagte zu ihm : » Was hilft es alles - weiter , immer weiter ; Brett zu Brett , Nagel bei Nagel , Schraube bei Schraube ; - was sorgen wir uns viel um ein Leben , das zuletzt doch hiermit zu Ende ist ? « Dröhnend fiel die Faust des Arbeiters auf den Sarg , dann fuhr er fort : » Weiter , immer weiter ! Wenn ich den stillen Mann dort in der Kammer hier in dieser Kiste in die Erde gelegt haben werde , was dann ? Werde ich dann können , was ich muß ? Kann ich hier in dieser Werkstatt weiterhämmern und weiterhobeln in gewohnter Art ? Es kommt mich ein Grauen an , wenn ich daran gedenke . Ich muß , ich muß ! Sieh um dich , Robert , siehst du nichts im Dunkel der Winkel ? Die Not , der Hunger kriechen gierig daraus hervor . Täglich und stündlich schlage ich sie mit dem Hammer nieder , aber sie richten immer höhnischer die Köpfe auf . Dagegen ist keine Hülfe hier . Ich denke oft , in der Ferne sei Hülfe ; - aber wo ? Ich zerbreche mir oft den Kopf darüber . In die Ferne möchte ich - weit , weit von hier weg ; immer weiter , weiter ! « » Über das Meer , nach Amerika , zu Marie Heil « , sagte Robert , ohne eigentlich zu wissen , was er sagte . Die Ideenverbindung ergab sich von selber ; aber Ludwig starrte den Freund an , als ob er etwas ganz Unbegreifliches , Überraschendes ausgesprochen hätte . » Oh « , sagte Robert , » du bist doch noch glücklich . Wohl ist der Tod deines Vaters ein schmerzliches Ereignis , aber das schreckliche Leiden ist dadurch zu Ende gekommen ; der Gute dort in der Kammer fühlt keine Schmerzen mehr , geh hinein und sieh , wie er lächelt . Du bist immer noch glücklich , Ludwig ; du kannst deine Liebe aufsuchen ; nichts hindert dich , morgen zu gehen , und deiner Mutter und Schwester kannst du drüben vielleicht ein besseres Los schaffen , als hier es möglich ist . Du kannst Marie suchen und wirst sie finden ; ich aber - ich muß meine Liebe fliehen ; - sie haben entdeckt , was ich so tief in meiner und deiner Brust verborgen glaubte ; sie haben es auf die Straße gerissen , die Narren , die bösen Weiber lachen und grinsen darüber , die Freunde schütteln traurig den Kopf - was soll ich tun ? Was soll ich tun ? « Die jungen Herzen schlugen laut und wild ; der tote Greis in der Kammer nebenan regte sich aber nicht , das Lächeln schwand jedoch auch aus den erstarrten Zügen : Staub zu Staub , Asche zu Asche ; ruhig , ruhig , ihr jungen Herzen ! - - Dreiundzwanzigstes Kapitel Es kommt Nachricht von den Wanderern . Robert Wolf läßt sich naßregnen . » Texas ! « Hoch lag der Schnee , und grau war der Himmel , als der Leichenzug des Meisters Johannes Tellering sich durch die Straßen wand ; aber selten wurde der Sarg eines armen Mannes mit so schönen und teuern Blumen geschmückt zur Gruft getragen . Von seinem Turm herab war der Sternseher Heinrich Ulex gestiegen und schritt dicht hinter den Trägern des Sarges ; Polizeischreiber Fiebiger hatte Urlaub vom Rat Tröster , seinem hohen Chef , genommen und ging mit Robert hinter Ludwig und dem alten Ulex . Ein langer Zug Handwerksgenossen in den langen ehrbaren Feiertagsröcken , Zitronen auf den Handwerksemblemen tragend , folgte . Juliane von Poppen und Helene Wienand blieben in der Hofwohnung bei den armen Frauen der Familie . Der Schnee lag hoch , die Luft war dunkel , der Tag ganz geeignet zu einem Begräbnis . An der Grube auf dem Kirchhof hielten weder der Konsistorialrat Krokisius noch die Herren Seelenhirten Nothzwang und Drönemeier Lobreden auf den Verstorbenen . Aber es war viel nachdenkliches und betrübtes Volk zugegen , und das Lob , das leise und mit Tränen in den Augen geflüstert wurde , war auch ein Lob . Es zeigte sich , daß der Meister Johannes ein sehr bekannter , ein sehr angesehener Mann war , und zwar nicht nur bei den Handwerksgenossen . Das Sprichwort meint freilich , man müsse sterben , um gelobt zu werden , wie man freien müsse , wenn man getadelt werden wolle ; aber hier war das Lob so einstimmig und innig , daß wirklich nicht an der Aufrichtigkeit desselben zu zweifeln war . Selbst Julius Schminkert war an diesem Morgen recht ernst gestimmt , und niemand hörte an diesem Tage einen der gewohnten Witze von ihm . Schnell erhob sich über dem Leibe des Meisters Johannes der Hügel , und noch während der Arbeit der Spaten deckte ihn bereits der herabwirbelnde Schnee . Durch ein lustiges Gestöber schritten die Träger , die Leidtragenden nach Hause , und die , deren Heimweg lang war , vergaßen den Toten , bevor