, liebe Anna-Maria , recht gut , erwiederte der alte Baron . Es war in der Nachmittagsstunde des Tages nach dem ereignungsreichen Balle in Barnewitz ; die Redenden befanden sich in demselben , nach dem Garten hinaus liegenden Zimmer des Schlosses , in welchem vor ungefähr acht Tagen die Unterredung zwischen der Baronin und Melitta stattgefunden hatte . Die Baronin saß wieder , wie damals , in der Nähe der geöffneten Flügelthür , die nach dem großen Rasenplatz führte , auf welchem Melitta ' s Augen Oswald zum ersten Male erblickten , und wieder nähte die musterhaft fleißige Frau emsig und unverdrossen , als müßte sie sich ihr tägliches Brod mit der Nadel verdienen . Der Baron saß ihr gegenüber in demselben Schaukelstuhl , in welchem sich Melitta gewiegt hatte . Er erwachte soeben aus einem erquickenden Nachmittagsschlaf und schaute mit den alten , glanzlosen Augen freundlich durch die offene Thür auf den Rasenplatz , wo sein Liebling , der Pfau , das prächtige Gefieder im Sonnenschein erglänzen ließ . Recht gut ! wiederholte er , die Glieder streckend . Aber Du siehst doch sehr angegriffen aus ; sagte die Baronin , die großen , kalten grauen Augen forschend auf die verwitterten Züge des Barons heftend ; diese anspruchsvollen , lärmenden Gesellschaften sind wahres Gift für Dich ; und ich habe mir schon , während Du schliefst , im Stillen rechte Vorwürfe gemacht , daß ich gestern nicht früher zum Aufbruch mahnte . Aber ich versichere Dich , liebe Anna-Maria , ich befinde mich vortrefflich , das heißt , nicht schlechter als gewöhnlich , ober doch nicht viel schlechter , sagte kleinlaut der gute alte Mann . Du mußt Dich in dieser Zeit noch recht in Acht nehmen , sagte die Baronin , wieder emsig nähend ; heute über acht Tage spätestens müssen wir reisen , und Du wirst zu den Strapazen einer so großen Tour Deine ganze Kraft nöthig haben . Wollte Gott , wir wären Alle schon glücklich wieder hier ! Ich entschließe mich wahrlich höchst ungern dazu . Deine angegriffene Gesundheit - die Gefahren einer Seereise - und dann : wird Dir das Bad in Helgoland auch wirklich gut thun ? Doctor Braun versichert es freilich , aber wer kann den Aerzten trauen ? Schlägt eine Kur an , triumphiren sie , und schlägt sie nicht an , sind nicht sie daran Schuld , sondern der Patient , der sich nicht ordentlich gehalten hat . Und was kümmert es den Herrn Doctor , ob Du gesund oder krank zurückkommst , ob Du lebst oder stirbst - aber ich , aber wir , - o Grenwitz , was sollte wohl aus uns werden , wenn Du uns genommen würdest ! Die Baronin blickte von ihrer Arbeit empor , und in ihren Augen blinkte etwas , das man bei einer andern Frau für eine Thräne gehalten haben würde . Der alte Baron erhob sich von seinem Stuhl , trat auf seine Frau zu und küßte sie zärtlich auf die Stirn . Du mußt Dir nicht solche Gedanken machen , liebe Anna-Maria , sagte er gütig . Der liebe , Gott wird mich noch nicht so bald sterben lassen ; ich bete jeden Morgen zu ihm und danke ihm für jeden neuen Tag , den er mir schenkt , nicht meinethalben , denn ich bin ein alter Mann und sterben müssen wir ja Alle einmal - sondern Deinethalben , weil ich weiß , wie sehr Dich mein Tod schmerzen würde , und auch , weil ich noch gern , bevor ich sterbe , Deine und Helenen ' s Zukunft gesichert sehen möchte . Der alte Mann hatte sich wieder gesetzt und aus einer goldenen Dose , die neben ihm auf einem runden Tischchen stand , eine Prise genommen , um die Rührung , in die er sich hineingesprochen hatte , schneller zu überkommen ; die Baronin nähte wieder eifrig an ihrer Arbeit . Du bist so gut , sagte sie , viel zu gut , denn Du bist es selbst gegen die , welche Deine Güte in keiner Weise verdienen , und Du hast Dir dadurch manche schwere Sorge bereitet , deren Du mit ein wenig mehr - ich will nicht sagen : Egoismus , denn ich hasse das Wort - aber mit etwas mehr Discretion überhoben gewesen wärest . Du bist jetzt für meine und Helenens Zukunft besorgt , mit Recht besorgt . Diese Sorge wäre unnöthig , hättest Du nicht , als Du vor vierundzwanzig Jahren das Majorat erbtest , die Güter zu wahren Spottsummen an Leute verpachtet , die jetzt auf Deine Kosten reich geworden sind und noch dazu die Unverschämtheit haben , uns als habsüchtig zu verschreien , weil wir im nächsten Jahre die Contracte nicht unter den alten Bedingungen erneuern wollen ; und hättest Du nicht - was ich nie habe begreifen können und nie begreifen werde , - damals ohne alle Noth die enormen Schulden Harald ' s übernommen deren Abtragung Alles verschlang , was Deine und später unsere Sparsamkeit von unsern Renten erübrigen konnte . Dem alten Baron schien das von seiner Gemahlin angeschlagene Thema nicht besonders angenehm ; er nahm , während sie sprach , eine Prise über die andere und antwortete , als sie jetzt schwieg , nicht ohne einige Lebhaftigkeit : Ich kann Dir nicht ganz Unrecht geben , liebe Anna-Maria , aber auch nicht ganz Recht . Die alten Contracte sind allerdings den Pächtern sehr günstig , aber die Zeiten waren damals auch andere ; das Geld war nach dem Kriege äußerst knapp , die Güter im Allgemeinen standen sehr niedrig im Werth , und unsere Güter waren , allerdings durch Harald ' s Schuld , in Grund und Boden gewirthschaftet . Die Pächter hatten wahrlich im Anfang ihre liebe Noth , und wenn sie jetzt mit der Zeit reich und unverschämt geworden sind , so bin ich an dem einen so wenig Schuld , als an dem andern . Ich habe es gut mit ihnen gemeint , das