als der Pförtner sie eingelassen und Konrad sie durch einen schön gewölbten düstern Kreuzgang geführt , empfing sie ein anderer Mönch in einem kleinen wohl durchheizten Seitengemach und bewirthete sie auf ' s Beste . Ein anderer Bruder ging , den Abt von ihrer Ankunft zu benachrichtigen . Nach einer Ruhestunde wurden sie zu diesem beschieden , dem Ulrich das Schreiben des Propstes Kreß überreichte . Der Abt empfing sie mit Wohlwollen , und besonders nachdem er das Ueberbrachte gelesen , drückte er ihnen warm die Hand , und nachdem er sich mit ihnen von dem Propst , von dem zu erwartenden Reichstag und andern weltlichen Dingen unterhalten , forderte er sie auf , ihn in die Kirche zu begleiten , um daselbst das Werk , das ihrer harrte , in Augenschein zu nehmen . Der Novize Konrad und noch ein paar andere Mönche und Novizen schlossen sich ihnen an . So traten sie in die alte , im romantischen Styl erbaute Klosterkirche , die später noch manchen An-und Ausbau erfahren hatte , da die Baukunst schon dem gothischen Styl sich zugewendet und , nebenbei mit italienischer Pracht geschmückt , jenen ruhigen und erhabenen Eindruck vermissen ließ , welchen nur die tadellose Reinheit eines bestimmten Styls hervorzubringen vermag . Es war ein Mißklang zwischen dieser weiten romantisch gewölbten Eingangspforte , den leichten Spitzbogen , welche die bunt gemalten Fenster umschlossen , und den schlanken Säulen kühner Gothik , aus denen der hohe Chor sich bildete . Es war Ulrich gleich bei seinem Eintritt , als ob ein Geist der Unruhe und Zerfahrenheit ihn in dieser Kirche packe , die an den Seitenaltären besonders mit Reliquienschreinen , in denen die heiligen Gebeine in Gold und Juwelen gefaßt von Reichthum strotzten und von frommen Spenden und Prachtgeräthen hierin Ueberladung zeigte , indeß das reine Künstlerauge vergeblich nach schön gemeißelten Ornamenten und nach dem Ausdruck genialer Schöpfungen suchte , wie sein eigener Kunsteifer sie versuchte : das Geistige zur Erscheinung zu bringen im Stein , das Ewige darzustellen im Endlichen . Ein einziges reines Kunstwerk dieser Art hatte die Kirche besessen , und das war eben jetzt zerstört . Es war das Weihbrodgehäuse neben dem Hochaltar , darin das Allerheiligste aufbewahrt war . Es war dies ein kleines gothisches Kunstwerk von kundiger Hand nach dem Albertinischen System des Achtortes säulenartig aufgeführt . An der einen Seite stand eine Statue der Madonna , an der andern Seite die des Johannes . Gothische , mit zierlichem Laubwerk umrankte Spitzbogen stiegen darüber empor , auf dessen höchster Spitze ein Engel schwebte . Dieses durchbrochene Thürmlein , das sich über dem Hostienschrein selbst befunden hatte , war herabgefallen und lag sammt dem Engel halbzerschmettert daneben . Es sollte die Aufgabe der herzugerufenen Baubrüder sein , diese Stücke wieder zusammenzufügen , wo es thunlich , oder durch neue zu ergänzen . Der feine Sandstein , dessen man dazu bedurfte , lag bereit . Als sie in die Kirche eingetreten waren , lagen einzelne Mönche vor den verschiedenen Altären betend auf den Knieen . Sie ließen sich durch die Kommenden nicht in ihren frommen Uebungen stören und sahen sich nicht nach ihnen um . Ulrich warf auf jeden von ihnen einen Blick , so gut es im Vorüberbergehen und von Weitem gehen wollte , ob er vielleicht Amadeus unter ihnen gewahre . Doch sah er ihn nicht . Nur über Einen blieb er im Zweifel , der in einer Seitennische nicht weit vom Hochaltar in einer dunklen Ecke knieete und den Kopf so tief geneigt hatte und in die gefaltenen Hände gedrückt , daß keine Spur von seinem Gesicht zu sehen war . Die große Gestalt und der Kranz von grauschwarzem Haar um sein Haupt gemahnte an ihn - aber unter den mehr als hundert Mönchen , welche das Kloster einschloß , konnten viele dergleichen haben . Hieronymus und Ulrich bewunderten und prüften das Kunstwerk , seine Zerstörung bedauernd , und letzterer sagte nach genauer Untersuchung desselben sowohl als der Wölbung der Kirche und allen , das Tabernakel nah ' und fern umgebenden Gegenständen zornig aufflammend und mit großer Bestimmtheit : » Herr Abt ! hier ist ein unerhörter Frevel geschehen . Dies Thürmlein ist nicht von selbst herabgefallen , das hat die vandalische Hand eines Niederträchtigen herabgeworfen . Hier ist noch schlimmeres und Schändlicheres geschehen denn Kirchenraub - hier ist bloßer Muthwillen geübt worden am Allerheiligsten - am Allerheiligsten , das die Kirche bewahrt und besitzt , am Allerheiligsten auch der Kunst . Das ist das Werk einer gewaltsamen , absichtlichen Zerstörung von menschlicher Hand . Habt Ihr keine Untersuchung angestellt , den Schuldigen zu finden ? Ich denke , ich darf mich rühmen , beseelt zu sein vom Geiste christlicher Milde und Vergebung - aber gegen solch ' ungeheuren Frevel , den nur ein Mensch verübt haben kann , der allen Sinnes für das Heilige baar zu einer Bestie herabgesunken , die aus Bosheit sich an einem Tabernakel vergreifen kann , dem jeder fromme Christ nur mit einer Kniebeugung sich nähert , und die so ihre Rohheit und Scheußlichkeit an einem erhabenen Meisterwerk der Kunst auslassen kann , das ein Heiligthum an sich ist , auch wenn es an einer andern Stelle stünde und eine profane Bestimmung hätte - für eine solche Bestie kenne ich kein Erbarmen ! « Er hatte laut und vom heiligen Feuer entflammt gesprochen ; der tiefgebückte Mönch war noch tiefer zusammengesunken und hatte einen jammernden Ton von sich gegeben ; der Abt und die Mönche sahen einander erstaunt an und Konrad sagte : » Ich habe dasselbe gleich gesagt , aber Niemand hat mir glauben wollen - so mußte ich schweigen . « » Das ist wahr , « sagte der Abt ; » aber es ist doch auch ganz unmöglich , daß hier ein solcher schauderhafter Frevel geschehen konnte . « » Aber immerhin möglicher , als daß dies wohlgefügte Werk von allein herabstürzen konnte ! « sagte Hieronymus kaltblütig , der nun auch seinerseits dasselbe untersucht ; » ohnehin hat