war , zeigten doch keine übermäßige Verzierung oder gar Überladung . Mein Gastfreund , Gustav und ich waren gekleidet , wie man es zu ländlichen Besuchen zu sein pflegt . So ließen wir uns in die prachtvollen Polster , die hier überall ausgelegt waren , nieder . Auf einem Tische , über den ein schöner Teppich gebreitet war , standen Erfrischungen verschiedener Art. Andere Tische , die noch in dem Zimmer standen , waren unbedeckt . Die Geräte waren von Mahagoniholz und schienen aus der ersten Werkskätte der Stadt zu stammen . Eben so waren die Spiegel , die Kronleuchter und andere Dinge des Zimmers . Eine Ecke an einem Fenster nahm ein sehr schönes Klavier ein . Die ersten Gespräche betrafen die gewöhnlichen Dinge über Wohlbefinden , über Wetter , über Gedeihen der Feld-und Gartengewächse . Die Männer nannten sich wechselweise Nachbar , die Frauen benannten sich gar nicht . Als man etwas Weniges von den dastehenden Speisen genommen hatte , erhob man sich , und wir gingen durch die Zimmer . Es war eine Reihe , deren Fenster größtenteils gegen Mittag auf die Landschaft hinaus gingen . Alle waren sehr schön nach neuer Art eingerichtet , besonders reich waren die Palisandergeräte im Empfangszimmer der Frau , in welchem so wie in dem Arbeitszimmer der Mädchen wieder Klaviere standen . Der Herr des Hauses führte besonders mich in den Räumen herum , dem sie noch fremd waren . Die übrige Gesellschaft folgte uns gelegentlich in das eine oder andere Gemach . Aus den Zimmern ging man in den Garten . Derselbe war wie viele wohlgehaltene und schöne Gärten in der Nähe der Stadt . Schöne Sandgänge , grüne ausgeschnittene Rasenplätze mit Blumenstücken , Gruppen von Zier- und Waldgebüschen , ein Gewächshaus mit Kamelien , Rhododendren , Azaleen , Eriken , Kalzeolarien und vielen neuholländischen Pflanzen , endlich Ruhebänke und Tische an geeigneten schattigen Stellen . Der Obstgarten als Nützlichkeitsstück war nicht bei dem Wohnhause , sondern hinter dem Meierhofe . Von dem Garten gingen wir , wie es bei ländlichen Besuchen zu geschehen pflegt , in die Meierei . Wir gingen durch die Reihen der glatten Rinder , die meistens weiß gestirnt waren , wir besahen die Schafe , die Pferde , das Geflügel , die Milchkammer , die Käsebereitung , die Brauerei und ähnliche Dinge . Hinter den Scheuern trafen wir den Gemüsegarten und den seht weitläufigen Obstgarten an . Von diesen gingen wir in die wohlbestellten Felder und in die Wiesen . Der Wald , welcher zu der Besitzung gehört , wurde mir in der Ferne gezeigt . Nachdem wir unsern ziemlich bedeutenden Spaziergang beendigt hatten , wurden wir in eine ebenerdige große Speisehalle geführt , in welcher der Mittagtisch gedeckt war . Ein einfaches , aber ausgesuchtes Mahl wurde aufgetragen , wobei die Dienerschaft , hinter unseren Stühlen stehend , bediente . Hatte sich die Familie Ingheim schon bei dem Besuche auf dem Rosenhause als unter die gebildeten gehörig gezeigt , so war dies bei unserem Empfange in ihrem eigenen Hause wieder der Fall . Sowohl bei Vater und Mutter als auch bei den Mädchen war Einfachheit , Ruhe und Bescheidenheit . Die Gespräche bewegten sich um mehrere Gegenstände , sie rissen sich nicht einseitig nach einer gewissen Richtung hin , sondern schmiegten sich mit Maß der Gesellschaft an . Einen Teil der Zeit nach dem Mittagessen brachten wir in den Zimmern des ersten Stockwerkes zu . Es wurde Musik gemacht , und zwar Klavier und Gesang . Zuerst spielte die Mutter etwas , dann beide Mädchen allein , dann zusammen . Jedes der Mädchen sang auch ein Lied . Natalie saß in den seidenen Polstern und hörte aufmerksam zu . Als man sie aber aufforderte , auch zu spielen , verweigerte sie es . Gegen Abend fuhren wir wieder in das Rosenhaus zurück . Als Gustav aus unserem Wagen gesprungen war , als mein Gastfreund und ich denselben verlassen hatten , und ich die edle , schlanke Gestalt Nataliens gegen die Marmortreppe hinzu gehen sah , blieb ich ein Weilchen stehen , und begab mich dann auch in meine Zimmer , wo ich bis zum Abendessen blieb . Dieses war wie gewöhnlich , man machte aber nach demselben an diesem Tage keinen Spaziergang mehr . Ich ging in mein Schlafzimmer , öffnete die Fenster , die man trotz des warmen Tages , weil ich abwesend gewesen war , geschlossen gehalten harte , und lehnte mich hinaus . Die Sterne begannen sachte zu glänzen , die Luft war mild und ruhig , und die Rosendüfte zogen zu mir herauf . Ich geriet in tiefes Sinnen . Es war mir wie im Traume , die Stille der Nacht und die Düfte der Rosen mahnten an Vergangenes ; aber es war doch heute ganz anders . Nach diesem Besuche auf dem Inghofe folgten mehrere Regentage , und als diese beendigt waren und wieder dem Sonnenscheine Platz machten , war auch die Zeit heran genaht , in welcher Mathilde und Natalie das Rosenhaus verlassen sollten . Es war schon mehreres gepackt worden , und darunter sah ich auch die beiden Zithern , die man in samtene Fächer tat , welche ihrerseits wieder in lederne Behältnisse gesteckt wurden . Endlich war der Tag der Abreise festgesetzt worden . Am Abende vorher war schon das Hauptsächlichste , was mitgenommen werden sollte , in den Wagen geschafft , und die Frauen hatten am Nachmittage an mehreren Stellen Abschied genommen : bei den Gärtnerleuten , in der Schreinerei und im Meierhofe . Am andern Morgen erschienen sie bei dem Frühmahle in Reisekleidern , während noch Arabella , das Dienstmädchen Mathildens , diejenigen Sachen , die bis zu dem letzten Augenblick Leim Gebrauch gewesen waren , in den Wagen packte . Nach dem Frühmahle , als die Frauen schon die Reisehüte aufhatten , sagte Mathilde zu meinem Gastfreunde : » Ich danke dir , Gustav , lebe wohl , und komme bald in den Sternenhof . « » Lebe wohl , Mathilde « ,