« » Wie kannst du sagen , dein Vater sei kein Mann ! « rief der Vormund . » Er ist kein rechter Mann , ich behaupt ' s noch einmal . Er hat mir zugetraut , ich werd mein Mädle betrügen und mein leiblich ' s Kind verleugnen . Das tut kein rechtschaffener Mann . Dann ist er in der Hand meiner Stiefmutter wie ein Rohr , das im Wind hin und her schwankt : das eine Mal sagt er , er gebe nie seinen Konsens zu meiner Heirat , das andere Mal will er mir des Küblers Häusle dazu kaufen . « » Hat Er das vierte Gebot ganz vergessen « , rief der Pfarrer , » daß Er im Beisein Seines Vaters und vor uns so verächtliche Reden wider ihn ausstößt und den kindlichen Respekt ganz hintansetzt ? Aber freilich , Er macht ' s der Obrigkeit auch nicht besser , Er sagt ja , wenn Er Geld habe , so brauche Er keinen Pfarrer und keinen Amtmann , um Seinen Kopf durchzusetzen . « Friedrich warf einen Blick ingrimmiger Verachtung auf den Pfarrer . » Der Herr Amtmann « , sagte er , » wird wohl wissen , daß seine Macht nicht über die ganze Welt reicht und daß auch noch eine Obrigkeit über ihm ist . Was aber Sie , Herr Pfarrer , anbelangt , so haben Sie meinem Schwäh ' rvater mit Drohungen das Versprechen abgepreßt , daß er seiner Tochter und mir die Einwilligung verweigere . Sie nennen das , was zwischen zwei jungen Leuten vorgeht , die einander lieb haben , eine böse Tat . Ist ein Seelsorger nicht dazu da , daß er böse Taten in der Gemeinde gutmachen hilft ? Ist er nicht dazu da , daß er die Gefallenen wieder aufrichtet ? Ist er nicht dazu da , daß er den unterstützt , der den guten Willen hat , das Geschehene ungeschehen oder doch wenigstens wett- und ebenzumachen ? Sie wissen von Amts wegen , daß ich geschworen hab , meiner Christine mein Wort zu halten und sie zu heiraten , und Sie wollen dahin arbeiten , daß ein Schaf aus Ihrer Herde mit Gewalt meineidig gemacht werden soll ? Sie schärfen von der Kanzel und in der Kinderlehre die Pflichten zwischen Eltern und Kindern ein , und Sie muten einem Vater zu , daß er seine Tochter soll zur * * werden lassen ? « Er wollte fortfahren , aber der allgemeine Tumult übertäubte ihn . Mit Ausnahme des Amtmanns , der behaglich sitzen blieb , war der ganze Konvent aufgestanden und donnerte auf den frechen Redner hinein . Besonders heftig eiferte der Pfarrer , dessen kleine , magere Gestalt sich seltsam von dem wohlbeleibten Umfange seines weltlichen Mitbeamten neben ihm unterschied . Da er in dem Geschrei der übrigen Mitglieder , welche ihn gegen die Lästerungen des Angeklagten in Schutz nehmen zu müssen glaubten , mit seiner Stimme nicht durchdringen konnte , so setzte er sich schnell wieder , ergriff die Feder und schien sich heftig schreibend im Protokoll Recht verschaffen zu wollen . Als der Tumult verstummte , sagte der Amtmann zum Pfarrer : » Haben Sie auch im Protokoll angemerkt , Herr Pfarrer , wie rechtfertig er ist ? « » Jawohl , Herr Amtmann « , antwortete der Pfarrer mit großer Befriedigung und zeigte ihm das Protokoll . » Sehen Sie , hier steht ' s schon geschrieben : Bei aller seiner äußersten Bosheit will er immer noch recht haben . « » Ich hoff , es ist noch eine Gerechtigkeit über uns « , versetzte Friedrich . » Ebersbach ist noch nicht die Welt , ich will mich schon vor dem Herrn Vogt und Spezial verantworten , Euer Protokoll und Bericht , Ihr Herren , ist nicht nötig . « » Schweig Er nur jetzt still « , sagte der Amtmann ruhig . » Sein Maß wird nachgerade ziemlich voll sein . Übrigens bin ich der Meinung , Herr Pfarrer , daß der Kläger zum Schluß aufgefordert werden solle , zu erklären , ob er denn seinen Konsens zu der Heirat noch nicht geben wolle . « » Jawohl « , sagte der Pfarrer , » die Frage ist der Form wegen notwendig , und ich stelle sie hiermit an den Herrn Sonnenwirt . « Der Sonnenwirt war bestürzt darüber , daß die beiden Vorgesetzten , deren Ansichten er doch hauptsächlich bis jetzt gefolgt war , sich gegen ihn einer Fragestellung bedienten , die ihn gleichsam im Stiche ließ . Er kratzte sich hinter dem Ohr und stotterte endlich : » Ich weiß nicht , was ich tun soll , ich sehe eben nichts anderes voraus , als daß es sein Verderben ist . « » Gut « , sagte der Pfarrer . » Es können nunmehro beide abtreten , und wird das alles ans Oberamt berichtet werden . « Vater und Sohn gingen miteinander vom Rathause fort und nach Hause , ohne unterwegs ein Wort miteinander zu reden . Sie waren nicht mehr weit von der Sonne entfernt , als eine Stimme über ihnen rief : » Herr Sonnenwirt , schämt er sich nicht , Seinen Sohn vor Kirchenkonvent zu verklagen , wo die alten Weiber hinlaufen ? « Sie blickten in die Höhe . Es war der Invalide , der sich seit langer Zeit zum erstenmal wieder am Fenster sehen ließ . » Auch wieder einmal unters Gewehr getreten ? « rief Friedrich hinauf . » Und Er « , sagte der Invalide zu ihm , » hätt ' s auch nicht so weit kommen lassen sollen . Ich hab ' s Ihm schon einmal gesagt . « » Damals war ' s schon zu spät « , lachte Friedrich . » Auf Wiedersehen ! « Sein Vater war , ohne dem Invaliden zu antworten , vorausgegangen . Unter der Haustüre wartete er auf ihn . » Willst du dein Mütterlich ' s nehmen und nach Amerika gehen ? « sagte