sich beruhigen , Justizrath Schlurck hätte den Schrein gefunden , hätte ihn mit sich nach der Hauptstadt genommen , ..... sich verfärbte und stutzte ..... Statt sich zu freuen , daß seine und seines Sohnes Ehrlichkeit nun in das hellste Licht gesetzt war , griff der Alte sich in sein weißes Haar , riß die starren blinden Augen bis zu den dicken weißen Augenbrauen auf und tastete so krampfhaft erregt um sich her , als wäre ihm die niederschlagendste Mittheilung von der Welt gemacht worden . Darauf länger zu achten und zu forschen , behielt sich Dankmar vor . Er mußte die Natur dieser Menschen erst kennen lernen . Die sonderbar und falsch angebrachten Bibelsprüche , die der alte Zeck , wie nach seiner sogleich gemachten Entdeckung Viele in und um Plessen , im Munde führte , deuteten auf seltsame Anomalieen . Statt diesen nachzuforschen , beschäftigte sich Dankmar einstweilen lieber mit einem alten Bekannten , den er hier zu seiner Freude wiederfand . Es war dies Niemand anders als Bello , der Hund des Fuhrmanns Peters . Er und der kleine bejahrte unansehnliche Spitz kannten sich schon von Angerode her , schon vom Lyceum , das die Gebrüder Wildungen dort besucht hatten . Wie Dankmar in die Schmiede trat , wo der Blinde noch mit gewaltigem Arm , wie in mechanischer Gewohnheit , auf glühende Hufeisen schlug , während der Taube den Blasebalg am Feuer zog , bis sich Beide ablösten und umgekehrt ihr Geschäft verrichteten , sprang das noch immer lahme Thierchen , das lange zottige Haar vom Dampf der Feueresse ganz geschwärzt , zu Dankmar hinauf , winselte , schmiegte sich , blaffte vor Freude , als wollte es sagen : Da ist Einer , der sich meiner erinnert ! Ich weiß , du kommst um mich zu holen , du alter Gönner vom Gasthof zum Einhorn in Angerode , wo du als Lyceist zu Mittag speistest , du bringst mir Grüße von meinem Herrn und meiner Frau ! ... Und des Thierchens Erregung war so lebenvoll , in dem Grade fast sprechend , daß es Dankmarn , wenn er noch unruhig gewesen wäre über seinen Verlust , so hätte zu Muthe werden müssen , als spräche ihm Jemand : Das Thier will dir ja etwas sagen , es weiß ja , wer der Räuber deines Eigenthums ist und wird ihn dir ohne Zweifel bei erster Begegnung zeigen , verrathen ! .. Bald sprang Bello zu ihm , bald gegen den alten Schmied auf , zerrte an Dankmar ' s Rockschooß , bellte den Blinden an , bis dieser , den Moment wahrnehmend , so gewaltig mit dem Fuß gegen den Störenfried austrat , daß er sich , an seinem wunden Bein getroffen , heulend und winselnd in eine dunkle Ecke der Schmiede verkroch . Ei , wie grob ! rief Dankmar . Nennt Ihr das Pflege ? Ich denke , Ihr seid ein Arzt für Thiere ? Nehmt den Bello nur mit ! .. hatte darauf der alte Schmied gesagt ; er ist geheilt , so weit wie ' s möglich war , bei seinem strampligen , unruhigen Wesen ! Die Bestie ist wie alle Fuhrmannshunde nur auf ' s Kläffen dressirt ; für Bandage und Kost verlange ich nichts ! Ich mag den Hund nicht ! Seitdem hatte Dankmar den für immer lahmen Bello zu sich genommen , in der Krone ihn säubern und waschen lassen und war von ihm auf seinen kleinen Spaziergängen , trotzdem er kläglich hinken und humpeln mußte , schon allwärts treu und munter begleitet worden . Die schöne , liebliche , sonnenhelle Natur war es zuvörderst , die Dankmarn bestimmte , dem magern Gaule des guten dicken Pelikanwirthes einen ganzen Tag Ruhe zu gönnen . Bring ' ich doch Freude mit ! sagte er sich . Trost und den Hund für Peters ! Dem Bruder die Beruhigung über mein eigenes Unheil und , was auch etwas werth ist , die Erzählung meiner Abenteuer . Dankmar fühlte , wenn er die Fenster des kleinen Zimmers , das er in der Krone bewohnte , öffnete , so recht jene reine selige Stimmung , die Jeder kennen muß , der einmal von einer großen Gefahr oder den Ursachen einer großen Befürchtung befreit wurde und dann zugleich die Muße fand , diese Seligkeit der Erlösung ganz zu genießen .... Die rebenlaubumkränzten Fenster gingen nach dem schönen Dorfe Plessen hinaus . Jedes Haus hatte da seinen Garten , den die Natur pflegte , wenn auch vielleicht die Menschenhand erlahmt war , seit die Zustände der Herrschaft sich so ins Ungewisse verliefen . Auch ordnen die Geringen sich lieber einer kraftvollen Macht unter , als einem schlaffen und ungeregelten Regimente . Diese Bauern und Häusler waren frei , aber nicht in dem Grade , sich ganz auf eigene Hand unabhängig zu fühlen . Ihre Abgaben an den Fürsten Waldemar waren schon seit lange capitalisirt . Die neue Zeit hatte wol an den vielen kleinen noch übriggebliebenen Laudemialgefällen rütteln können , aber nicht an den einmal bestimmten Abfindungssummen . Da gab es nun Mismuth , Unfriede , Zorn , Gewaltthat genug . Doch wirkliche Widersetzlichkeiten zeigten sich nur in Randhartingen , dem größten und selbständigsten Orte im Hohenberg ' schen , im Ullagrunde , wo neben einem reichen Bauer , Namens Sandrart , viele Arme wohnten , in Schönau , wo dem Fürsten von Hohenberg manche Gerechtsame gehörten und der Haidekrüger Justus , noch entschiedener aber Drossel , der Wirth zum Gelben Hirsche , die Leidenschaften in Gährung hielt . Hier in Plessen merkte der Herrschaftsdirektor von Zeisel nicht so auffallend , wie bedenklich seine Stellung wurde . Plessen hing vom Schlosse und dem Leben auf ihm seit Jahren ab . Und schon seit Jahren fehlte die von oben strömende Befruchtung . Die Menschen ließen recht den Kopf hängen und welkten in ihren Hoffnungen so hin oder verwilderten wie ihre Gärten und die kleinen Hecken , die sie trennten . Plessen war sonst so lieblich ! Die