Augenblick nicht im Überflusse sitzen , hören deswegen unsere Pflichten auf ? Sollen wir des , wegen nicht mehr Christen sein Denk auch , wenn wir später wieder zu Geld kommen sollten , so könnten wir das doch nicht mehr gut machen , was wir den Leuten weh getan , und was man uns deshalb nachgeredet hätte , wäre an unserm Namen kleben geblieben unabänderlich . Kosten soll es dich nichts . Ich habe auch noch Geld , welches mein ist , womit ich machen kann , was mir beliebt , dir geben oder andern Leuten , je nachdem ich es nötig finde , und habe ich keines mehr , so will ich schon zu Gelde kommen , das sage ich dir frank und frei . Betrügen will ich dich nicht , obgleich es mir ein sehr Leichtes wäre , des Jahrs viele viele Gulden in meine Tasche zu machen , ohne daß du das Geringste merken solltest . Aber weißt , das Geld , welches wir haben , sei es viel oder wenig , ist mein so gut als dein , ich verdiene daran so viel als du ; ich regiere die Haushaltung , du das Feld , stehe mit dir auf , gehe mit dir zu Bette , bin nicht deine Magd , sondern deine Frau . Zu billigen Dingen nehme ich Geld , frage oder frage nicht , nach meinem Belieben . Hältst du mir dieses vor , so rechne ich mit dir und will dir zeigen , wer daran schuld ist , daß wir kein Geld haben , du oder ich . « Uli war noch Keiner von denen , auf welche eine feste Sprache keinen Eindruck macht . Er besaß noch das Gerechtigkeitsgefühl , welches die Streitsucht dämpft , sobald das Recht des Andern klar ist . » Tue nur nicht so , « sagte er , » wie eine Katze am Strick . Es hat dir noch niemand gesagt , du sollest kein Geld haben oder du vergeudest , du tuest nichts . Daß du mit den Leuten bekannt bist , das wußte ich nicht , und wenn es einem zuweilen wunderlich in den Kopf schießt , das soll dich nicht wundem . Da sollte ich eigentlich Kühe kaufen , mit Pferden wäre auch was zu machen . Schweine müssen auch gekauft sein , du redest ja alle Tage davon , und kein Geld ! Ich liege da wie ein Hungriger , dem die Hände gebunden , das Maul verstopft ist , mitten unter Brot und Würsten . « Dieses Einlenken von Uli führte zu einer ehelichen anständigen Ratssitzung , in welcher man in reiflicher Erwägung , daß man kein Geld habe und solches bedürfe , beschloß : es solle das Nötige von Ulis Ersparnissen aus der Kasse erhoben werden . Vreneli schlug als zweiten Artikel vor , daß die übrigen ausstehenden Gelder mit allen Mitteln eingetrieben , die Schuldner zur Rechnung angehalten würden . Auf die Versicherung von Uli , das verstehe sich von selbst und bedürfe keines weitern Beschlusses , ließ Vreneli den Artikel fallen , und es wurde zur Tagesordnung geschritten . Fünfzehntes Kapitel Wie viel man an einem Tage gewinnen und wie viel man verlieren kann Am Sonntag also mußte Vreneli zu Gevatter stehen , da gab es einen kleinen Streit . Uli sagte : » Nimm das Fuhrwerk , es ist weit und die Rosse haben nicht viel geschafft . « » Will nicht die vornehme Frau machen , « sagte Vreneli , » das würde sich übel schicken für uns . « » Bist noch immer böse ? « sagte Uli , » das wäre dumm . « » Nein , « sagte Vreneli , » bin weder böse noch dumm , aber wo du recht hast , da gestehe ich es gerne . Ich will nicht über meinen Stand hinaus und nie vergessen , daß wir nichts haben und nichts sind als Arbeitsleute . Wir haben wohl Rosse im Stall , aber sie sind nicht unser , das große Bauernwesen ist wohl da , aber wir sind nicht der Bauer , und den Schein , als wären wir es , will ich mir nicht geben . Fahren ist für vornehme Leute oder wenigstens für solche , welche es scheinen möchten . « Und was Uli auch sagte , Vreneli blieb auf seinem Sinn . Als am Morgen in aller Frühe Vreneli zum Gehen fertig stund und noch links und rechts befahl , wie es gehen solle den Tag über , da wollte Uli dem Vreneli wieder kanzeln . Vreneli war ganz einfach angezogen , hatte nicht etwa die Hochzeitkleider an , um im Glanze aufzutreten , hatte nicht einmal seine schweren silbernen Göllerkettelein eingehängt und gar nichts von Seide am Leibe und doch derlei Dinge im Schranke . » Wann willst dann dies brauchen ? « frug Uli . » Das wäre ein Anlaß gewesen , die Kleider verderben dir , wenn du sie nicht brauchst . « » Habe deswegen nicht Kummer , « sagte Vreneli , » dafür laß mich sorgen , und wenn wir mal Bauer und Bäurin sind , dann sollst du Wunder erleben , wie ich aufziehen will . Bis dahin will ich lieber , die Leute sagen : Die kömmt doch gering da , her , sie werden es nicht besser vermögen , als : Die mag wohl , wird meinen , man wisse nicht , wer sie ist ; der wird es noch anders kommen . Sieh , Mannli , vornehm täte ich gerne ; im Guttätig- , nicht im Hoffärtigsein , da ist ein Unterschied , den mußt du noch lernen , er hat viel auf sich . Doch behüte dich Gott und lebe wohl , muß pressieren , es ist ohnehin wohl spät . « Als Uli dem Weibchen nachsah , mußte er sich gestehen , daß heute , trotz der einfachen Kleidung , wohl kaum ein schmuckeres Weibchen auf Berner Wegen gehen werde , als eins eben