machen , ihre Entfernung für gut , für nöthig halte , und ihm des Sohnes unbedingten Gehorsam gelobt , wenn sie selbst ihn begleite . Ihre Freunde dagegen hatten die Annen durch das Verhältniß zur Capacelli erschwerte Stellung in Haus und Gesellschaft auf den Zustand ihres Gemüths übertragen ; Niemand begriff , daß sie die ihr aufgedrungene Rolle der mishandelten unglücklichen Gattin so ruhig hinnahm , weil sie ihr Einsamkeit und ein leichteres Aufathmen gönnte . Erst als Kronberg einen Schritt thun wollte , der sie zu einer öffentlichen Erniedrigung gezwungen hätte , stieg der Gedanke einer Trennung in ihr auf . St. Luce schrieb oft . Er war Kronbergs Freund geblieben und bis zu Otto ' s Ankunft , die Annen abermals zum Schreiben veranlaßte , das einzige Verbindungsglied zwischen den getrennten Gatten unter sich und Gotthard , der noch immer in Paris sich aufhielt . Kronberg hatte noch nicht geantwortet . Als Franzose hatte St. Luce den Vorfall mit der Capacelli leichter genommen , als Geierspergs und die Andern . Er warf Kronberg immer noch die Dummheit eines unnützen éclat vor . Allerdings war er jetzt auf einen momentanen gänzlichen Sieg der Spanierin gerüstet ; auch er hielt die Trennung Anna ' s von Roderich für eine vielleicht dauernde , an gerichtliche Scheidung zu denken , fiel ihm nicht ein . Wie es nur dahin gekommen ? übersann er auf einem langen , einsamen Spaziergange ; war doch eigentlich seit Anna ' s Krankheit nichts Bedeutendes geschehen ! Kronberg war ja so reich , es konnte Annen wahrhaftig einerlei sein , mit welcher hübschen Frau er einen Theil seines vielen Geldes durchbrachte ; eifersüchtig war sie ja nicht . Uebrigens wenn er nun Pferde , Spiel und andere Zerstreuungen geliebt hätte , wäre es besser gewesen ? - Eine deutsche Frau freilich kann sogar auf Jagdhunde eifersüchtig sein , man hat das erlebt , brummte er vor sich hin . C ' est à peu près égal ! - Wenn sie am Ende doch so eine Art kleinstädtischer Eifersüchtelei - quelque idée de petite ville - gehabt hätte ? - Nun saß sie ganz unnütz in Brandenburg , allein , ohne Zweifel gedrückt von der neuen Schwierigkeit , die ihre bürgerliche Geburt dort dem Fortkommen der Kinder in den Weg legte ! Fameuse bêtise allemande ! murmelte er immer ärgerlicher . Sein Verdruß hatte den alten Herrn bereits um halb Wien herumgetrieben , als eine rufende , athemlose , vom Laufen halb erstickte Stimme : Monsieur ! Monsieur de St. Luce ! ihn Halt machen hieß . Es war Duguet , der , in einer Art Gefühlsstrangulation heftig gesticulirend , auf ihn zustürzte , eine Neuigkeit der wichtigsten Art schien ihm fast die Besinnung zu rauben , doch hatte er äußerlich alle Flaggen des innern Jubels aufgesteckt , sein Hut saß fast verkehrt , sein rothes Schnupftuch flog in der Luft über die Büsche weg , wie sonst die Serviette über die Möbeln . Unglücklicherweise war er vor lauter Bewegung fast sprachlos . Endlich brachte er die Worte heraus : Der Herr Graf haben mit Madame Capacelli gebrochen , jeder Verbindung mit ihr entsagt , ihr das Haus geschenkt , brieflich von ihr Abschied genommen ; vier Billets , die sie ihm geschrieben , unerbrochen zurückgeschickt ; abgeschlagen , sie wiederzusehen . Baron Ruthberg ist gekommen , er hat ihn sehr freundlich empfangen , die Herrn sind in der besten Laune auseinandergegangen . Bist du betrunken oder im Traume , mon cher ? rief St. Luce , ergriff Duguet beim Kragen und schüttelte ihn aus Leibeskräften , als wollte er ihn wach rütteln . Das hölzerne Bein trug den General nicht mehr , er wankte . Zum Glück stand eine Bank in der Nähe . Duguet ließ sich respectuell schelten , schütteln , fragen , hatte jedoch für das Alles nur die eine Antwort : Mais c ' est vrai , ma foi , c ' est bien vrai ! Wie ein paar Inspirirte gingen der alte Herr und der alte Diener nach Hause . Die ganze Welt schien ihnen anders geworden . Nun muß sie ja wiederkommen ! Am nächsten Tage beklagte die ganze Crème der guten Gesellschaft in Wien diesen armen , guten , kleinen Narren ! die Capacelli , die wegen eines Theatercontracts so halbtodt , elend und krank nach Berlin gemußt . Paola war wirklich krank , sie liebte Roderich , weil er es ihr so entsetzlich schwer gemacht , ihre Zwecke bei ihm zu erreichen ; sie war ihm mitunter untreu , weil das einmal in ihrer Natur lag , weil ihr lange dauernde Treue ganz unmöglich war . Sie hatte bis zu diesem Augenblicke , der alle ihre Hoffnungen vernichtete , keineswegs aufgegeben , doch noch Gräfin Kronberg zu werden , und wirklich die Knaben mitzunehmen sich erboten , um sie zu gewinnen und ihr Ansehen in Berlin geltend zu machen ; - und nun ohne alle Ursache , ohne irgend eine denkbare Veranlassung trennte er sich von ihr , und obendrein im Moment ihrer unvermeidlichen Abreise . Es war zum Wahnsinnigwerden ! Sie sann sich das Haupt müde , den Grund seines veränderten Benehmens aufzufinden ; ihre Phantasie arbeitete sie in einen Fieberzustand hinein , in welchem sie wirklich endlich Wien verließ . Mag sein , daß Roderich ihrer überdrüßig geworden , mag sein , daß sie die Saiten bei dem nicht mehr jugendlich fühlenden Manne zu hoch gespannt ; wer konnte dem reifen Diplomaten so ganz genau ansehen , was ihn bewegte ? Er reichte seinem Freunde St. Luce die Hand und bat ihn , nicht davon zu sprechen . Seine Freigebigkeit gegen Paola kannte keine Grenzen ; er schickte noch eine Menge Geschenke in ihr Haus , die er ihr früher versprochen , es waren wirkliche Kostbarkeiten darunter . Ruthberg und der ganze kleine Männerkreis , der ihn umgab , war theils in starre Bewunderung dieser Großmuth versunken , theils wüthend . Wer kann mit einer solchen Verschwendung Schritt