, daß er diese blasse Schönheit noch nie in so erhabenem Reiz gesehn habe . » Auf diese Weise « , begann Borromäus , » erscheint Ihr , die Sündige , in dieser erlauchten Versammlung ? Statt trauernde Witwe , wie eine reichgeschmückte Fürstenbraut , statt der büßenden Magdalena , eine heroische Judith ? Ist das Eure Reue und Zerknirschung ? Wollt Ihr auf diese Weise den zürnenden Schatten Eures Gemahls versöhnen ? « » Wäre ich die « , antwortete Vittoria stolz und mit fester Stimme , » für die ihr , die sich meine Richter nennen , mich ausgeben möchten , so hätte ich schon lange vorher mit kluger und berechneter Heuchelei meine Witwenschleier und schwarzen Trauergewande fertig und bereit gehalten , um mit verhülltem Antlitz , mit nachschleifendem Krepp und Tränen im Auge euer Mitleiden und Wohlwollen zu erschleichen - aber Schreck und Kummer haben mich so plötzlich überrascht , daß ich so künstlicher und hergebrachter Anstalten vergaß und mich lieber schmückte , weil dieser Tag meine Unschuld an das Licht bringen soll . « Ohne einen Wink oder die Erlaubnis ihrer Richter , nahm sie den Sessel ein , der allein noch unbesetzt im Saale stand . Einer der Richter erhob sich und las mit lauter Stimme die Anklage vor . Er erzählte die Vermählung des jungen Peretti , der den gütigen Oheim vermocht habe , ihn , der so größere Ansprüche hatte , mit einer nicht reichen , aber schönen Dame zu vereinigen , welche er leidenschaftlich liebte . Vittoria aber habe sich niemals dankbar bezeigt , sondern den Gemahl immer nur mit Kälte behandelt Sie habe es vorgezogen , statt eines einsamen , stillen Lebens , wie es ihr als der Nichte eines frommen Kardinals gezieme , ihr Haus zu einer poetischen Akademie , zum Sammelplatz von Fremden und Vornehmen zu machen , um hier in Vorlesung , Dichtkunst , Musik und Gesang , sowie sonderbaren und ärgerlichen Gesprächen , die sich für philosophisch ausgaben , zu schwelgen . Sie und die Mutter hätten den jungen Gemahl so sehr vernachlässiget , daß sich dieser am wohlsten außer seinem Hause befunden habe . Seinen Freunden habe er oft geklagt , wie sehr es ihm empfindlich falle , daß er in seiner eigenen Familie zurückgesetzt werde . Nun sei plötzlich dieser Jüngling in der Mitternacht auf ebenso schreckliche als verräterische Weise ermordet worden . Lange habe man schon davon geflüstert , daß diese Vittoria ihren Mann loszuwerden wünsche , um vielleicht eine andre noch vornehmere Ehe zu schließen . Schon einmal sei der verfolgte Peretti von einem Valentini fast tödlich verwundet worden . Seit lange sei ihr älterer Bruder , der ehrwürdige Bischof Ottavio mit der Schwester und Mutter in Zwist und habe sie fast niemals besucht , dagegen sei der zweite Bruder Marcello , der Mörder und Bandit , oft im Hause versteckt gehalten worden . Dieser Marcello habe in jener Nacht durch einen Vertrauten den Signor Peretti nach jenem Mordplatze beschieden : dieser Vertraute , Mancini , habe ausgesagt : noch beim Abschiede in jener Nacht habe die junge Gemahlin dem Manne , der zum Tode bestimmt war , laut ihre Verwünschungen nachgesendet . Die Mutter , Donna Julia , habe das tödliche Komplott mit Klugheit geführt , und Ursula , die alte Amme , sei Mitwisserin der Bosheit . Die Mörder seien alle , wie dieser Mancini aussagte , entflohen , der eine von ihnen ein Untertan eines großen , mächtigen Herrn , den er aber nicht nennen könne und wolle . Valentini habe aber seitdem geschrieben , daß er auf Anstiften die Tat verübt habe . Was sei also wahrscheinlicher , als daß dieser Marcello , der offenbar der Mitwisser des Mordes sei , wo nicht das Haupt des abscheulichen Komplotts , mit der Schwester Vittoria vereinigt , um den im Wege stehenden unglücklichen Peretti zu entfernen , mit dem ruchlosen Bruder und der gottlosen Mutter für die Mörder anzusehn seien . Jetzt erhob sich vor dem Saale ein lautes Geräusch . Die Türen wurden gewaltsam aufgerissen , ein großer starker Mann stieß mit Ungestüm die Diener zurück und trat stolz herein . Es war der Herzog Bracciano , in seiner reichsten und kostbarsten Fürstenkleidung , mit allen Orden geschmückt und Ketten und Juwelen auf der Brust , sowie glänzende Steine am Hut . Er verneigte sich nachlässig , als er hereintrat . Vittoria ward rot , als sie ihn erkannte , senkte dann das Haupt und lächelte still in sich . Die Kardinäle waren bei dieser unvermuteten Erscheinung verlegen , und einer der Richter erhob sich in ängstlicher Eile , um für den Fürsten einen Sessel zu suchen . Er fand keinen und näherte sich Vittorien , als wenn er ihr bedeuten wollte , aufzustehen und dem Höheren Platz zu machen . Sie sah ihn nicht an und blieb ruhig , worauf er Miene machte , als wolle er sie vom Sessel aufheben . Da eilte der Herzog herbei , faßte mit starker Hand den Arm des Richters , führte ihn nach seinem Sitze zurück und drückte ihn hastig und gewaltsam auf diesen nieder . Hierauf nahm er eine Art Fußbank , oder kleinen Schemel , der im Winkel stand , trug ihn in die Mitte des Saals , legte seinen kostbar gestickten Mantel ab , breitete diesen über das demütige Brett und setzte sich darauf , ohne im mindesten seine stolze Miene zu verändern . Jetzt erhob sich Vittoria und trat vor ihre Richter . Sie vermied es , Farnese anzuschauen , der über ihre Gegenwart halb verlegen und halb erfreut war . » Wie schmerzt es mich « , begann sie mit fester Stimme , » in dieser hochehrwürdigen Versammlung den tugendhaften Montalto zu vermissen , dem ich vertraue , der mich einst liebte , in dessen Gegenwart , von seinem Blick befeuert , es mir noch leichter sein würde , alle diese leeren gehaltlosen Anklagen niederzuschlagen , und diese Verleumdung wie Staub von mir zu schütteln . Meine