heitersten Laune die allgemeinste Unterhaltung zu beleben und den Hochmuth seines Verfahrens durch die sorgloseste Fröhlichkeit zu versöhnen wußte . Auch fehlte es ihm nie an diesem kleinen Hofstaate ; denn alle jungen Edelleute , die früher unter ihm gedient und jetzt theilweise schon zu hohen militairischen Posten gestiegen waren , bewahrten ihrem ehemaligen Anführer eine so innige Liebe und Verehrung , daß sie seine Nähe mit Freude zu der Stunde suchten , die ihm die angenehmste war . Die Rückkehr des Sohnes schien wirklich den letzten Krankheitsnebel von dem Marschalle genommen zu haben , und gewiß konnte man nicht ohne Interesse die rührende Lebendigkeit gewahren , mit der er erzählte , fragte und hörte . Die Kinderjahre Leonin ' s tauchten heute in ihm auf - und diese Erinnerungen mit ihrem weichen , innigen Karakter schlossen sich so wohlthuend an seine augenblicklichen Empfindungen , ohne sie zu sehr zu verrathen , daß Leonin , ganz hingegeben an die Worte des liebenswürdigen Alten , ihm mit allen Beweisen der Zärtlichkeit entgegen kam , um so seinem Herzen die vollste Befriedigung zu gewähren , ohne den Stolz des alten Kriegers durch das Zeigen zu großer Weichheit zu verletzen . Spät erst willigte er in die Bitten des Arztes , den kleinen Kreis zu entlassen ; und als Leonin aus den Zimmern seines Vaters in den vorderen Theil des weitläufigen Palais trat , überraschte ihn der merkwürdige Wechsel der Gegenstände , die in kaum größerer Verschiedenheit in einem Verhältnisse zu denken waren , das seiner Natur nach die vollständigste Uebereinstimmung hätte zeigen sollen . Die Marschallin hatte ihre Gäste entlassen - Leonin blieb unbemerkt auf einer Galerie stehen , die ihn einen blick in die Vorsäle thun ließ , durch welche sie jetzt mit eben dem ceremonieusen Pompe nach Hause zogen , wie sie angekommen waren . Mehrere bestiegen ihre reichen Portechaisen schon in diesen Vorzimmern ; Andere ließen sich von zahllosen Dienern mit hohen Windlichtern umgeben , indem die Damen , von ihren Verwandten und Freunden begleitet , mit aller Grazie , welche die Ermüdung noch zuließ , ihre Fingerspitzen auf den Arm oder auf die Schulter der sie begleitenden Cavaliere legten und den Pagen die Mühe überließen , ihre weitfaltigen Schleppen vor dem Gedränge zu schützen . Von diesen Gruppen richtete Leonin den Blick zu den prachtvollen Zimmern , denen sie zur glänzenden Staffage dienten . Jeder Luxus war hier verschwendet , den Reichthum , Sitte und Mode nur zu ersinnen gewußt ; und die Laune des alten Marschalls für die Ausstattung seiner Gemächer trat um so grillenhafter hervor . Sinnend lenkte Leonin seine Schritte nach den eignen Zimmern und fand hier die alten Diener seiner früheren Jugend , die ihn mit der zärtlichen Ehrerbietung begrüßten , zu der sein gütiger und sanfter Karakter seine Umgebungen berechtigte . Hier hatte jedoch der verschwenderische , glänzende Geschmack der Marschallin auch ihn erreicht . Die Zimmerreihe war vermehrt , eine herrliche Bibliothek , eine Gallerie mit den ausgezeichnetsten Gemälden und Kunstwerken , ein schöner Musik- oder Gesellschaftssaal war den Räumen hinzugefügt , die sein früheres Bedürfniß befriedigt hatten , und die , nun glänzender als je ausgestattet , dem jungen Erben sogleich anzukündigen schienen , die Zeit unscheinbarer Zurückgezogenheit sei vorüber . Die Ansprüche , die ihm aufgenöthigt wurden , wollten jedes Zurückweisen durch sich selbst unmöglich machen . Auch lag dies nicht in den Gefühlen , mit denen der junge Graf aus den Händen des alten Kammerdieners den neuen Besitz übernahm - er war nicht umsonst der Sohn dieser Aeltern - der Glanz und der Stolz , der ihm so reiche Nahrung bot , war ein bedeutender Antheil seines Blutes , und er wußte die ihm überall eingeräumte Wichtigkeit sehr wohl in sich zurecht zu legen . Auch wirkte gerade das , was häufig den Anregungen dieses Sinnes entgegen trat , sein tief und zart fühlendes Herz , dies Mal nur , jene Gefühle zu verstärken und ihnen eine Seele und höheren Genuß einzuhauchen ; denn er konnte sich seines Empfanges nicht bewußt werden , ohne die unaussprechliche Güte seiner Eltern aufs Neue zu empfinden - und wenn er , von seinem Vater so eben mit dem reichsten Strome seiner Liebe überschüttet , mit heimlicher unbefriedigter Sehnsucht nach dem mütterlichen Herzen hier eintrat , wie mußten da die Erzählungen des alten Kammerdieners ihn beglücken , die nur von der Sorgfalt handelten , welche die Marschallin mit eigner Anordnung und Aufsicht diesen Räumen geschenkt ! » O , wie sie mich liebt ! « sagte er leise vor sich hin , und ihm geschah , was so wunderbar das Herz zu beschleichen vermag - er liebte die spröde Mutter mit ihren kargen Gefühls-Aeußerungen in diesem Augenblicke , wo er fast heimlich , hinter ihrem Rücken in ihr Herz sah und ihre Weichheit für ihn herausfühlte , mit mehr Wärme , als den alten überströmenden Vater . Dieser letzte Augenblick vollendete den schönen Tag , der ihn mit einem Glücke überrascht hatte , auf welches er nicht gewagt zu hoffen , und das um so berauschender für ihn war , je mehr es in Uebereinstimmung blieb mit Allem , was ihm von Jugend auf theuer und erlaubt erschienen und dadurch ihn in der vollständigsten Selbst-Billigung erhielt . Als er endlich allein war und sich , der natürlichen Müdigkeit einer so großen Aufregung folgend , mit Behagen auf seinem Lager ausstreckte , trat Fennimor ' s Bild vor ihn hin und schien ihn zu fragen : welchen Antheil sie an den Eindrücken dieses Tages behalten , wohin er sie verwiesen in diesen prächtigen Räumen . Ach , es war ein tiefer Seufzer , den er nur als Antwort hatte ; es war ein Gefühl , dem Schmerze ähnlich - aber er hätte keine Erwiederung gewußt , und hätte sie die Frage selbst an ihn gerichtet . Sein böser Engel wiederholte ihm aber die Worte des Marquis de Souvré : ich überlasse es Euch zu denken , wie sie in die Welt Eurer Mutter passen