plündert , er spricht ihm alles nach , er tut , was dieser wünscht , er will gern ebenso erscheinen , wie jener . Dabei seine wahrhaft edle Liebe zur Musik , sein freier , künstlerischer Sinn , daß er am Narren die schöne Stimme und den Gesang zu schätzen weiß . Es entdeckt sich freilich nachher , daß er kein Freund von Zweikämpfen ist und sich in den Waffen und im Kriege niemals auszeichnen wird , indessen ist er auch in dieser Furchtsamkeit so gutmütig und niemals unedel , so daß ihm der Zuschauer seine Liebe nicht versagen kann . - Sie sehen also , Herr Graf , wie sehr ich recht habe , wenn ich wünsche , daß Sie diese feine Zeichnung nicht als Karikatur behandeln mögen ; nein , im Gegenteil , lassen Sie sich ganz ruhig gehen , spielen und sprechen Sie fast so , wie Sie es gewohnt sind und immerdar erscheinen : Ihr feiner Takt , Ihr eigener Witz wird Ihnen die Nuancen zeigen , Ihr Gefühl aber wird jene geistigen Modulationen Sie finden lehren , die sich einem gewöhnlichen Menschen niemals andeuten lassen , und die einem Geiste auseinanderzusetzen , wie der Ihrige , durchaus überflüssig ist . « Als Elsheim mit dem Professor durch den Garten ging , sagte er : » Verzeihen Sie , wenn ich Ihre Auseinandersetzung dieser Charaktere für Sophisterei halte . « » So ? « sagte Emmrich ruhig ; » geben Sie nur acht , der Erfolg wird mich rechtfertigen . « Leonhard war fast bekümmert , als der neue Theaterbau vollendet war . Er war übermäßig fleißig gewesen , er hatte allenthalben selbst Hand angelegt , er hatte sich meistenteils bis zur Ermüdung angestrengt , und seine Freunde , wie die Handarbeiter , hatten ihm mit Erstaunen zugesehen , weil es ihnen ein ganz neues Schauspiel war , daß ein Professor der Architektur den Hobel , Bohrer und die Säge so wenig scheue . War er dann gegen den Untergang der Sonne so durch und durch ermüdet , daß er den Augenblick des Schlafengehens mit Ungeduld erwartete , so war ihm unaussprechlich wohl , denn er konnte in dieser Ermüdung die Bilder und Gedanken auf Augenblicke vergessen , die ihn immerdar verfolgten . Mit sich unzufrieden und dennoch von süßen Vorstellungen trunken , war er am Morgen in den Garten gegangen . Die Frühsonne glänzte so lieblich durch die Linden , und sein Schritt trug ihn nach jener geheimnisvollen Laube , in welcher er schon zweimal an Charlottens Seite so selig gewesen war . Er leugnete es sich ab , daß er diese verführerische Schönheit aufsuche , er mußte sich aber sein Gelüst bekennen , als er völlig verstimmt wieder aus der leeren Laube trat . So ist der schwache Mensch , sagte er zu sich selber ; was suchst du hier , und was hättest du , wenn du sie fändest ? Soll dich diese Torheit denn immerdar quälen und dir jede Stunde verbittern ? Nein , ich bin ein Mann und bleibe meinen besseren Gefühlen getreu . - Mit einem Ausruf der Freude betrat er den sonnenbeglänzten Gang , denn Fräulein Charlotte hüpfte ihm dort vom Schlosse her entgegen . » So irrte ich mich doch nicht , Leonhard « , sagte sie mit ihrer Silberstimme , » wenn ich Sie im Garten wahrzunehmen glaubte . Nicht wahr , dieser Tag ist ein schöner , ein auserlesener ? Und diese Frühstunden sind so balsamisch , sie wirken so wohltätig auf alle unsere Gefühle , daß unsere Seele so wohlgemut aufblüht , wie die Rosenknospe . « » Ich war in dieser Laube « , sagte Leonhard , » und wähnte , Sie hier zu finden ; da meine Hoffnung mich trog , wollte ich das Angedenken jener süßen Augenblicke feiern , die ich dort genoß . « » Kommen Sie mit mir « , rief sie lebhaft aus , » ins Freie ; es gibt Zeiten und Stimmungen , in welchen uns auch der schönste Garten ängstigen kann . « Sie ließen das eiserne Gattertor hinter sich zufallen , und standen jetzt im Felde . » Wie herrlich die Ähren wogen ! « sagte sie ; » nicht lange mehr , so wird die Sichel in das Korn gehen , und der schönste Teil des Sommers ist dann vorüber . Alles Liebliche ist so flüchtig , alles Schöne hält uns nicht stand , und wir besitzen nichts , als nur wie in einem süßen Traum gefesselt ; wenn wir erwachen , hat uns die nüchterne Wirklichkeit um alle unsere Schätze betrogen . « » Gibt es kein Mittel « , antwortete Leonhard , » auch die Wirklichkeit zum Traum zu erhöhen ? Können wir nicht so viele Blumen mit verständiger und sorglicher Hand in unser Leben hineinpflanzen , daß einige immerdar blühen ? « » Nein ! nein ! « rief sie fast heftig aus , » in der Wahrheit , im eigentlichen wirklichen Leben gibt es kein Glück ; nur in der Täuschung glühen die Morgen- und Abendfarben , die die Nacht und der klare Tag vertreiben . Wenn wir entzückt und berauscht taumeln , wie im heftigen Tanz , so halten wir Takt mit der begeisternden Musik und schwingen uns harmonisch in ihrem wilden Rhythmus ; wollten wir dasselbe mit nüchternem Bewußtsein tun , es würde uns ewig nicht gelingen . « Sie bogen in einen Fußsteig , der durch das hohe Korn führte . » Dort am Saum des Buchenwaldes « , sagte sie , » wohnt die Schwiegertochter des alten Försters ; ihr Mann ist im vorigen Jahr gestorben , und ich habe mich mit dem artigen jungen Weibchen befreundet . Dort wollen wir ausruhen . « Die einsame Hütte war reinlich und anmutig , die frische Kühle , die vom Walde hereinwehte , war erquickend . Die junge Frau kam der reizenden Besucherin freundlich entgegen , und sie begrüßten sich als Bekannte . Sie stellte auf den Tisch von