sein . Die außerordentlich heitre Laune des Herzogs fiel ihm immer mehr auf . Der sonst ziemlich trockne Herr erschöpfte sich in muntern Einfällen , die nur zuweilen einem eignen schwärmerischen Ernste Raum gaben . Seine ganze Stimmung schien eine erhöhte zu sein . Auch ein gewisses Zeremoniell hatte sich an der Stelle der sonstigen Ungezwungenheit eingefunden . Früher waren die fürstlichen Personen , jede für sich , wie die Dame ihre Toilette , der Herr seine Geschäfte beendigt hatte , in den Speisesaal getreten . Heute war von zwei Bedienten , nachdem die Gesellschaft eine volle Viertelstunde versammelt gewesen , die Flügeltüre aufgetan worden , und der Herzog hatte seine Gemahlin feierlich-zierlich an den Fingerspitzen in den Saal geführt . In gleicher Weise nahm er mit ihr nach aufgehobner Tafel seinen Rückzug , ohne weiter mit den Tischgenossen zu verkehren . Indessen hatte unser Freund nicht lange Zeit , über diese Verändrungen nachzudenken . Schon waren die jungen Edelleute wieder angekommen , welche , wie neulich die Rüstungen , so nun Lanze und Schwert probieren wollten . Hermann wurde beordert , die Recken zu empfangen , und der Übung als Waffenkönig vorzustehn . Wieder legte man im Ahnensaale unter schallendem Jubel die Panzer und Schienen an , die nun , glänzend , den Gliedern angepaßt , die vielen jugendlichen Gestalten kräftig hervorhoben . Der klirrende , schimmernde Zug stieg eine verborgne Treppe hinunter , um durch eine Hintertüre in das Freie zu gelangen . Alle waren außer sich vor Freude und Hermann hatte genug zu tun , um die lauten Ausbrüche des Entzückens , welche ungelegne Zuschauer herbeiziehn konnten , zu mäßigen . Draußen standen die Pferde der Ritter . Sie scheuten bei dem Anblicke ihrer verwandelten Gebieter , und prallten zurück . Die Reitknechte hatten einige Mühe , die brausenden Tiere zu begütigen , was indessen doch zuletzt den angewandten Schmeichelkünsten gelang . Man saß auf , und nach einigem Springen und Bocken schien die Gewandtheit der jungen Männer siegen zu sollen . Nur einer , ein ältlicher Herr , der es aber für seinen Vorteil ansah , sich so lange als möglich zur Jugend zu halten , konnte trotz aller Mühe nicht auf seinen Rappen gelangen , und mußte endlich von dem schweißtreibenden Werke abstehn . Er gab dem armen Tiere , welches in seiner Furcht vor dem stählernen Herrn wahrlich noch mehr ausstand , als er , einen ungerechten Schlag , ließ sich entwaffnen , und setzte sich in seinem grünen Nankingröckchen traurig unter eine Fichte . Seit der Zeit ward dieser Mann , welcher vorher das Fest eifrigst hatte betreiben helfen , ein Verächter desselben ; die andern aber gaben ihm unter scherzhafter Anspielung auf den Helden des Scottschen Romans den Spitznamen : el Desdichado , oder der Enterbte . Auch wir sind genötigt , ihn künftighin , wo er uns noch vorkommen sollte , unter dieser Bezeichnung aufzuführen , da die Geschichte seinen wahren Namen nicht aufbewahrt hat . Hermann ließ die Ritter nun zuvörderst einige Volten auf dem Turnierplätze machen , und dabei den Speer senkrecht im Bügel führen . Dann mußten sie in gleicher Weise , zwei Glieder tief und zwölf Lanzen hoch - denn im ganzen hatten sich so viele Kämpferpaare gemeldet - rund um den Plan sprengen . Diese vorläufigen Übungen gelangen vortrefflich , und gaben die besten Hoffnungen . Daß einige etwas hart die hölzernen Schranken streiften , andre nicht die völlige stallmeisterliche Sicherheit in den Sätteln behaupteten , konnte hiebei nichts verschlagen , da solche kleine Unregelmäßigkeiten kaum irgendwo ausbleiben , wo Mensch und Roß sich zusammenfinden . Man war daher kühn geworden , und wollte gleich mit dem Schwierigsten beginnen , mit dem allgemeinen Lanzenstechen , Zwölf gegen Zwölf . Hermann hielt es aber für ratsam , stufenweise zu verfahren , und bestand darauf , daß sich zuerst die Paare einzeln gegeneinander versuchen sollten . Er selbst begann , im knappen Collet auf einem leichtfüßigen Engländer sich wiegend , an der Sache Geschmack zu finden . Die Herzogin sah zwischen den Bäumen aus ihrer Droschke zu , und man will wissen , daß unser Freund mehr als nötig , sein Rößlein habe courbettieren lassen , obgleich er sich gewissenhaft bestrebte , nur an die ferne Cornelie zu denken . Wie es bei solchen Gelegenheiten zu geschehen pflegt : die Schwächsten drängten sich zu den ersten Versuchen , während die tüchtigsten Reiter lächelnd warteten , um zuletzt das Hauptstück zu vollführen . Leider zeigte sich nur zu bald , wie gegründet Hermanns Vorsicht gewesen war , da auch sie das Geschick nicht abzuhalten vermochte , welches nun einmal in seinem Eigensinne jeden Versuch , dahingeschwundne Zeiten wiederzuerwecken , vereiteln zu wollen scheint . Man kann nicht sagen , daß diese Adlichen das Unmögliche gewollt hätten . Die Aussicht , mit zerbrochenen Gliedern vor Oheimen und Tanten , Schwestern und Bräuten im Sande zu liegen , hatte für keinen der Kämpfer etwas Erfreuliches ; es war daher durch eine stillschweigende Übereinkunft vorgesehen worden , daß so wenig Gefahr , als möglich , entstände . Man hatte die Schäfte der Lanzen dünn und von sprödem , zerbrechlichem Holze machen lassen . Es war mithin mehr Wahrscheinlichkeit vorhanden , daß diese schwachen Waffen auf der beschützten Brust der Gegner zerbrechen , als daß die Kämpfer von der Gewaltsamkeit des Stoßes zu Boden stürzen würden . Die ersten , welche gegeneinander ritten , waren zwei junge Vettern , namens Caspar und Max , denn alle diese Erben riefen sich gegenseitig fast nur bei ihren Vornamen . Sie sprengten hastig ein , und es wäre gewiß zu einem lebhaften Treffen gekommen , wenn nicht die Pferde , als man noch etwa sechs Schritte voneinander war , plötzlich stillgestanden hätten , so daß die Reiter , von dieser unvorhergesehnen Hemmung erschüttert , beinahe über die Hälse ihrer Tiere hinweggeflogen wären . Umsonst war alles Schenkelandrücken und Spornen ; die Pferde sahen einander feurig und wütend mit schnaubenden Nüstern an , ließen sich geduldig auf