. Du wirst ihr ein Glück schenken , daß sie Deine harten Mühen teilen darf ; bei Nacht auf gefahrvollen Wegen , wo jeder Schritt täuscht , da wird ihr Scharfblick , ihre kühne Zuversicht Dich sicher leiten hinüber zum kriegbedrängten Volk ; und wenn sie sieht , daß Du Deine Brust den Pfeilen bietest , wird sie nicht zagen , es wird sie nicht kränken wie die Pfeile des schmeichelnden Sirenenvolks ; sie wird rasch heranreifen zu dem kühnen Vertrauen , mit einzuklingen in die Harmonie der Freiheitsbegeisterung . Und wenn Du auch im Vordertreffen stürzen mußt , was hat sie verloren ? - Was könnte ihr diesen schönen Tod ersetzen , an Deiner Seite vielleicht ? - Beide Arm in Arm verschränkt , lägt Ihr unter der kühlen gesunden Erde , und mächtige Eichen beschatteten Euer Grab ; sag , wär ' s nicht besser , als daß Du bald ihr feines Gebild den anatomischen Händen des Abbé überlassen mußt , daß er ein künstliches Wachs hineinspritze ? Ach , ich muß klagen , Goethe , über alle Schmerzen früherer Zeit , die Du mir angetan , ich fühl mich jetzt so hilflos , so unverstanden wie damals die Mignon . - Da draußen ist heute ein Lärm , und doch geschieht nichts , sie haben arme Tiroler gefangen eingebracht , armes Taglöhnervolk , was sich in den Wäldern versteckt hatte ; ich hör hier oben das wahnsinnige Toben , ich habe Läden und Vorhänge zugemacht , ich kann ' s nicht mit ansehen , der Tag ist auch schon im Scheiden , ich bin allein , kein Mensch , der wie ich menschlich fühlte . Diese festen , sicheren , in sich einheimischen Naturen , die den Geist der Treue und Freiheit mit der reineren Luft ihrer Berge einatmen , die müssen sich durch die kotigen Straßen schleifen lassen von einem biertrunkenen Volk , und keiner tut diesem Einhalt , keiner wehrt seinen Mißhandlungen ; man läßt sie sich versündigen an den höheren Gefühlen der Menschheit . - Teufel ! - Wenn ich Herrscher wär , hier wollt ich ihnen zeigen , daß sie Sklaven sind , es sollte mir keiner wagen , sich am Ebenbild Gottes zu vergreifen . Ich meine immer , der Kronprinz müsse anders empfinden , menschlicher , die Leute wollen ihn nicht loben , sie sagen : er sei eigensinnig und launig , ich habe Zutrauen zu ihm , er pflegt den Garten , den er als Kind hatte , noch jetzt mit Sorgfalt , begießt die Blumen , die in seinen Zimmern blühen , selbst , macht Gedichte , holperig , aber voll Begeisterung , das alles sagt mir gut für ihn . Was wohl ein solcher für Gedanken hat , der jeden Gedanken realisieren könnte ? - Ein Fürst , dessen Geist das ganze Land erhellen soll ? - Er müßte verharren im Gebet sein Leben lang , der angewiesen ist , in tausend andern zu leben , zu handeln . Ja , ob ein Königssohn wohl den heiligen Geist in sich erweckt , daß der regiere statt seiner ? - Der Stadion seufzt und sagt : » Das Beste ist , daß , wie die Würfel auch fallen , der Weg zum Himmel immer unversperrt bleibt für König und Untertan . « 25. März Ich habe keinen Mut und keinen Witz , ach hätt ich doch einen Freund , der nächtlich mit mir über die Berge ging . Die Tiroler liegen in dieser Kälte mit Weib und Kind zwischen den Felsen , und ihr begeisterter Atem durchwärmt die ganze Atmosphäre . Wenn ich den Stadion frage , ob der Herzog Karl sie auch gewiß nicht verlassen werde , dann faltet er die Hände und sagt : » Ich will ' s nicht erleben . « 26. März Das Papier muß herhalten , einziger Vertrauter ! - Was doch Amor für tückische Launen hat , daß ich in dieser Reihe von Liebesbriefen auf einmal mich für Mars entzünde , mein Teil Liebesschmerzen hab ich schon , ich müßte mich schämen , in diesem Augenblick sie geltend machen zu wollen ; und könnt ich nur etwas tun , und wollten die Schicksalsmächte mich nicht verschmähen ! Das ist das Bitterste , wenn man ihnen nichts gilt , wenn sie einem zu nichts verwenden . Denk nur , daß ich in dem verdammten München allein bin . Kein Gesicht , dem zu trauen wär ; Savigny ist in Landshut , dem Stadion schlagen die Wellen in diesem politischen Meeressturm überm Kopf zusammen , ich seh ihn nur auf Augenblicke , man ist ganz mißtrauisch gegen mich wegen ihm , das ist mir grade lieb , wenn man auch hochmütig ist auf den eignen Wahnsinn , so soll man doch ahnen , daß nicht jeder von ihm ergriffen ist . Heute morgen war ich draußen im beschneiten Park und erstieg den Schneckenturm , um mit dem Fernrohr nach den Tiroler Bergen zu sehen , wüßte ich Dein Dach dort , ich könnte nicht sehnsüchtiger danach spähen . Heute ließ Winter Probe halten von einem Marsch , den er für den Feldzug gegen Tirol komponierte , ich sagte , der Marsch sei schlecht , die Bayern würden alle ausreißen und der Schimpf auf ihn fallen . Winter zerriß die Komposition und war so zornig , daß sein langes Silberhaar wie ein vom Hagel getroffenes Ährenfeld hin- und herwogte . Ach , könnte ich doch andere Anstalten auch so hintertreiben wie den Marsch . Jacobi habe ich in drei Wochen nicht gesehen , obschon ich ihm über seinen Woldemar , den er mir hier zu lesen gab , einen langen Brief geschrieben habe ; ich wollte mich üben , die Wahrheit sagen zu können , ohne daß sie beleidigt , er war mit dem Brief zufrieden und hat mir mancherlei darauf erwidert , wär ich nicht in das heftige Herzklopfen geraten wegen den Tirolern , so wär ich vielleicht in eine philosophische Korrespondenz geraten und