die Gefahr erpreßte , der also gerichtlich ungültig werde . So rot und blau sein Kind angelaufen war , so vermischt alle Züge , doch schien es ihm wunderschön ; er konnte es nicht begreifen , wie es seine Frau zur Erhaltung ihrer Schönheit einer Amme übergeben mochte ; doch jetzt konnte er ihr in nichts mehr widerstreiten , nachdem sie seinetwegen so viel Schmerzen ertragen . Da sich Dolores bald ganz wohl befand , so wurde die Taufe beschleunigt ; dies war immer des Grafen heiligstes Sakrament : es hing mit seiner ganzen Ansicht von der Weltentstehung zusammen . Er wendete die höchste Vorsicht in der Wahl der Gevattern an , und ließ im Namen Kleliens ein eben eingesegnetes sehr schönes Mädchen dem Kleinen die hülfegelobende Hand auflegen . Doch verdarb ihm der Geistliche , der seine Aufklärung in einer langweiligen Vorrede beweisen wollte , die ganze Herrlichkeit der heiligen Handlung . ( Der Kleine wurde Karl genannt . ) Seine Frau konnte sich in das übrige Zeremoniell der Wöchnerinnen noch weniger finden , sie war zu gesund , um sich auf ihr Bette zu setzen . Zweites Kapitel Kleliens Verheiratung an den Herzog von A ... Vierzehn Tage nachher traf Kleliens Danksagungsbrief für die angewiesene Ehrenstelle ein , sie wollte sich nach allen Kräften des Kindes annehmen ; zugleich enthielt der Brief die unerwartete Nachricht , wie sie einem spanischen Herzoge von A ... , der auch in Sizilien große Güter besitze , in Palermo vermählt worden . Sie erzählte , wie sie einander bei einer Wasserfahrt begegnet , wie er in der Kathedralkirche an ihrer Seite geknieet , so fromm und bescheiden seine Liebe ihr kund getan ; sie rühmte gleich hoch seine Frömmigkeit und seine Talente , die in seiner Schönheit einen herrlichen Tempel gefunden ; sie erzählte , wie er ganz Europa durchreist , um den sittlichen Zustand aller Nationen kennen zu lernen ; wie er auch ihren Vater gekannt und lieb gewonnen habe , und ihre Muttersprache geläufig rede . - Dolores seufzte in sich bei diesem Briefe ; gewiß , dachte sie , wäre ich meinem Wunsch mitzureisen gefolgt , er hätte mich vorgezogen ; die weite große Welt stände mir dann offen ; schon das Spanische in der Geschichte wäre ihr willkommen gewesen ; aber dieser Glanz eines unermeßlich reichen herzoglichen Hauses , in alter und neuer Welt gleich begütert , gleich berühmt , eines Mannes , der in den ersten Stellen seines Hofes Zutrauen genossen , neben dem anständigen , aber mittelmäßigen Geschicke eines wohlhabenden Grafen , dessen höchster Ehrgeiz es war , seinen Bauerknaben auf die kürzeste Art etwas Geschichte und Lesen zu lehren , den Mädchen Kochen und allen eine gesundere und frohere Art zu leben , der das Hofgehen für einen harten Frondienst hielt : dieser Untergang von Licht zu Schatten blendete ihre Augen , daß sie übergingen . Sie blieb den Abend ganz ärgerlich ; der Graf aber , der so kleine Empfindlichkeiten schon in ihr als Vorboten großer Zärtlichkeit kennen gelernt hatte , nahm es wieder lachend auf , und belohnte es mit der Zärtlichkeit , die sein ganzes Wesen noch immer wie am ersten Tage ihrer Bekanntschaft bei jeder Berührung ihrer weichen durchsichtigen Hand belebte . Den andern Tag entschädigte sich die Gräfin wenigstens damit bei ihren Bekannten , daß sie erzählte von ihrem Schwager , von seinem Reichtume , seiner Pracht , daß er ihr eigentlich bestimmt gewesen , daß sie sich aber glücklich schätze , nicht in so fremde Gegenden wandern zu müssen . Ein anderer Brief von Klelien , voll treuer lebendiger Beschreibungen ihrer Güter , der Sizilianer , ihrer Feste , ihrer Lebensweise , enthielt auch die Nachricht , wie der Herzog sie in Angelegenheiten seines Hofes verlassen ; die Trennung hatte sie krank gemacht ; seitdem sie genesen , ging sie täglich nach dem Garten eines hochliegenden Nonnenklosters , um über das Meer zu sehen , wo ihr Mann gefahren , und eine Schar Mädchen zu unterrichten , die sie auf den Gütern auserwählt , um sie am Tage der Rückkehr ihres Mannes auszustatten ; » das alles « , schrieb sie , » kommt nicht aus mir , sondern ist Nachahmung meines lieben Schwagers , dessen Freundschaft mich noch hier zu manchem Guten aufmuntert , worauf ich sonst nicht verfallen wäre . « Der Brief beschämte etwas die Gräfin , die immer auf des Grafen Beschäftigungen mit einem eignen geistreichen Hochmute hingeblickt ; sie war ihm den Tag außerordentlich gewogen und wie liebreich sie sein konnte , wenn sie es wollte , das wissen alle Engel , die ihr dann aus den Augen blickten . Drittes Kapitel Der Marchese D ... So abwechselnd wirkte die Schwester mit ihren Briefen , mit ihrem Schicksale auf unser Haus ; ein paar Monate darauf wurde der Marchese D ... , ein Vetter des Herzogs von A ... bei der Gräfin angemeldet , der ihr neue Nachrichten von ihrer Schwester zu bringen versprach . Sie fand in ihm den gewandtesten liebenswürdigsten Mann ; sie konnte ihn mit niemand vergleichen ; alles an ihm schien eigentümlich ; er hätte auch ohne Reise so werden müssen ; aber er war gereist und redete die meisten Sprachen Europens . Er brachte ihr die Nachricht , daß ihr Schwager eilig an einen nordischen Hof gesendet worden , um ganz inkognito Angelegenheiten von größter Wichtigkeit abzumachen ; erlaube es seine Zeit , so würde er auf seiner Rückkehr sie besuchen ; ihre Schwester sei inzwischen aufs Land gezogen , um eine große öde , doch sehr fruchtbare Strecke Landes mit einem neuen Dorfe zu bevölkern ; sie habe sich aus England viel Ackergerät kommen lassen , und gelte in der ganzen Gegend für eine milde Heilige , von der niemand ohne Unterstützung und Trost gegangen . Der Marchese erbot sich alle Briefe , die sie ihr übermachen wollte , durch eine Adresse , die in Italien ihm eröffnet , viel schneller als bisher dahin zu fördern ; sie