solle morgen um 4 Uhr erscheinen zum bewußten Kopieren . Er verbarg mühsam den ganzen Abend die Stärke seiner Bewegungen . Nr. 34. Inkrustierte Kletten Kopierstunde Um 4 Uhr erschien Walt vor dem General , der wie gewöhnlich lächelnd den Blauäugigen aufnahm . Vergeblich hatte er vor einer Erinnerung an den Brief oder einer Erscheinung der Verfasserin gezagt . Zablocki gab ihm die namenlosen oder nur taufnamigen Briefe auf dem schön geäderten Sekretär samt Schreibbefehlen und ging davon . Mit so sehr ausgesuchten End-Lettern oder Final-Schweifen als nur je aus Paris versandt werden nebst viel schlimmern Polaritäten , z.B. Robespierrischen Schweifen , Culs de Paris , kopierte der Notar und sah sich spät um . Das schöne Kabinett war von den Tapeten zu einer Blumenlaube gemalt , aber voll Blumendüfte , die aus einer wahren kamen , und voll grüner Dämmerung . Die Jalousie-Gitter waren vorgezogen , für ihn ein grüner Schleier eines blendenden Tags ; sogar im Winter grünte ihn dieses Blätter-Skelett der vertrockneten bunten Zeit wie ein Zauber an . » In dem nahen Wandschrank hängt er « , sagt ' er sich , » Winas himmelblaues Kleid , denk ' ich . « Wie auf einer sanftwallenden Wolke saß er und schrieb oft eine briefliche Wendung ab , die sich für seine Lage sehr gut schickte . Es wiegt ' ihn auf und nieder , daß er sich doch mit ihr , mit derjenigen in einer Zimmer-Ebene , unter einem Dache befand , mit welcher er das Trauerband derselben Schmerzen trug und die ihm nach dem Untergang der Freundschaftssonne als stiller Liebes-Hesperus fortschimmerte . Er kopierte mit gespitzten Ohren , weil er ( nicht ohne alle Hoffnung ) in der Furcht dasaß , daß Wina gar ins Kabinett und an einen oder den andern Sekretär fliege , den hölzernen oder den lebendigen . Indes kam nichts . Er überlegte sehr , ob er nicht in den Wandschrank einbrechen und das himmelblaue Kleid als den blauen Äther der fernen Sinne leicht anrühren sollte mit Hand oder mit Mund - als der General eintrat , ihn erschreckte und das Kopieren pries und schloß . So glücklich ging die Schreibstunde und die Gefahr , Wina zu sehen , vorüber , und er wankte heim mit einem Kopfe , der sich ein wenig im Herzen vollgetrunken hatte . Auf den Turmknöpfen und Park-Gipfeln lag noch süßes rotes Sonnenlicht und weckte zugleich das Sehnen und Hoffen der Menschen in und außer Haßlau . Er kopierte den zweiten Tag , stets mit derselben Angst , daß Wina die Türe aufmache . Der dritte aber - wo wieder nichts kam - machte ihn , wie jeden Krieger die Zeit , so mutig und so zum Mann am vierten , daß er in der Tat sich sehnte nach Gefahr . Ganze Nächte mußte jetzt das fromme Mädchen vor seiner Seele stehen - er hatte dabei seinen ewigen Frühling - , bloß weil er einen Plan nach dem andern entwarf und verwarf , wie er noch jetzt , um die Folgen des offnen Briefs zu vergüten , etwan durch die Sanfte für den Grafen wirken könnte . Es wollte ihm aber nie etwas Bedeutendes einfallen . Am vierten Tage hört ' er , unter dem Abschreiben einer schönen erotischen Gestikulation im Briefe , eine weibliche Singstimme , die , obwohl aus dem dritten Zimmer , doch ebensogut aus dem dritten Himmel kommen konnte . Er kopierte feurig weiter ; aber eine Sonnenstadt nach der andern erbaueten in ihm diese Orpheus-Töne , und die Felsen des Lebens tanzten nach ihnen . Er erinnerte sich noch recht gut , was ihm Vult über Winas Singen geschrieben . Als er darauf unter dem Heimgehen dieselbe Stimme fortsingend vor sich mit einer Schachtel unter dem Arm auf der Treppe sah und auf jeder Staffel erstaunte und nachdachte : so macht ' es ihm das schlechteste Vergnügen von der Welt , diese Stimme auf der Gasse zu einer andern sagen zu hören , ihre Fräulein - denn es war die Putzjungfer - komme erst nächsten Freitag aus Elterlein zurück - - er spürte ordentliches Sehnen , einmal in seinem Geburtsörtlein zu sein und aus der so heißen Stadt herauszukommen . Himmel , schloß er indes , wenn schon diese Putzjungfer Karyatide der fernen Göttin so singt , wie muß erst diese glänzen , sowohl im Gesang als sonst ! Er wurde unendlich begierig , einem Widerscheine der heiligen Nachbarschaft Winas ins Gesicht zu sehen , überhaupt einer Person , deren göttlichen Geist der Töne er , hinter ihr gehend , anbetete , kurz der Soubrette . Denn er glaubte längst , eine erste Sängerin sei gewiß nicht die letzte Monatsheilige oder eine Sirene ; und eine babylonische Hetäre behalte keine Stimme , gesetzt sie hätte eine besessen ; eine Meinung , die gutmütige Weltleute mehr seiner Unbekanntschaft mit Bühne und Welt zuschreiben sollten als seiner Dummheit . Er mochte kaum drei schnellere Schritte getan haben , um ihr vorzukommen : als er drei Flüche und ein Kotwort vernahm . Er drehte sich heftig um , mit der glänzenden Ordenskette in Händen , die er der anscheinenden Ordensschwester der Sklavinnen der Tugend vom Sing-Halse gerissen ; und in einer dunkeln Allee der Stadt ließ er Tränen fallen , darüber , daß eine solche rauhe Seele eine Singstimme besitze , und daß sie der heiligen so nahe wohne . Hoch aber zog Winas Gestalt in ihrem glänzenden Wolkenhimmel weiter ; und ihm war , als könne nur ein Tod ihn , wie zu Gott , so zur Göttin bringen . Nr. 35. Chrysopras Träumen - Singen - Beten - Träumen Am Freitage darauf , wo Wina wiederkommen sollte , sprang er , ohne an sie zu denken , so innig-vergnügt aus dem Bette in den Tag , als wär ' s ein Brauttag . Er wußte keinen Grund , als daß er die ganze Nacht einen immer zurückflatternden Traum gesehen , wovon er kein Bild und Wort und nichts behalten als einige anonyme